Revolutionär Sozialistische Organisation

Ihre Gewalt und unsere

Mittwoch 5. November 2014

Hier veröffentlichen wir eine Übersetzung der aktuellen Vorderseite der Betriebsflugblätter der Aktivisten unserer französischen Organisation E’ tincelle vom 3. November 2014.

Ihre Gewalt und unsere

Nach dem Tod von Christophe de Margerie haben die Anführer der PS sofort mit den übrigen Trauernden wehgeklagt. Dem Boss des französischen Ölkonzerns Total haben sie die letzte Ehre erwiesen: Dieser Konzern war unter anderem für einen Bürgerkrieg im Kongo verantwortlich. In Burma lieβ er Sklaven für sich arbeiten und im Jahre 2001 war er durch seine Tochtergesellschaft Schuld an der AZF-Katastrophe in Toulouse. Dagegen mussten sich die Verwandten von Rémi Fraisse 48 Stunden nach seinem Tod mit verlegenen und späten Beleidsbezeigungen begnügen, wobei das Gerücht auftauchte, er habe Sprengstoff in seinem Rucksack versteckt und dies sei die Ursache für seinen Tod.

Die sogenannten „Experten“ haben ganz schön danebengeschossen: Rémi war kein Anhänger der Gewalt. Zusammen mit Tausenden Leuten war er gekommen, um friedlich gegen die Zerstörung des Testet-Tals durch den Bau des Stauwerks bei Sivens zu demonstrieren. Er ist nicht, „für seine Ideen gestorben“, wie „ der dumme und blöde“ PS-Vorsitzende des Tarn-Generalrats,Thierry Carcenac behauptet hat. Er ist von der Polizei ermordet worden, weil er sich mit Leuten – die er kaum kannte- solidarisch zeigte und sie nicht allein vor den gewalttätigen Polizisten lassen wollte. Es ist also besonders schockierend, wenn Manuel Valls vorigen Samstag behauptete, die Gewaltsamkeiten während der jüngsten Demonstrationen seien „ eine Beleidigung für das Opfer“.

Wochenlange Gewaltsamkeiten der Polizei gegen die Opponenten

Seit Wochen ging diese Polizei mit erniedrigenden, grundlosen und provozierenden Angriffen gegen die Opponenten vor. Sie legte Feuer an den Zelten der Opponenten, verletzte mehrere von ihnen schwer und schleuderte Hunderte Tränengasgranaten aller Art. Dies erklärt die Wutausbrüche der Demonstranten jetzt, auch in Nantes, weit vom Tarntal entfernt... aber ganz nah am Städtchen Notre-Dame-des-Landes, wo der Ex-Premierminister Ayrault einen Flughafen bauen wollte. Dort hat die Polizei von ihrem Waffenarsenal Gebrauch gemacht: Die Demonstranten, die damals zur Zielscheibe ihrer Angriffe wurden, sagen heute, ihnen hätte dasselbe wie Rémi widerfahren können. Übrigens: Am 22. Februar verlor Quentin mitten in einem Demonstrationszug von 30 000 Leuten mit Omas und Kinderwagen ein Auge wegen eines Flashball-Schusses, obwohl das Projekt schon aufgegeben worden war.

Die Gewaltanstifter sind unter den Entscheidungsträgern der Politik zu finden: Gestern im rechten, heute im linken Lager. Man findet sie auch hier und da unter den Betongroβhändlern und den Agrarkapitalisten. Für sie ist das öffentliche Geld erst dann nützlich, wenn es ihre Taschen füllt. Dieselbe Staatsgewalt ist es, die Gewerkschaftler vor Gericht bringt und die Armen aus ihren Wohnungen vertreibt. Das ist die Gewalt einer Klasse -der Kapitalistenklasse- gegen die ganze Gesellschaft. Das, was wir gegen sie brauchen, sind keine Molotow-Cocktails. Alle zusammen müssen wir aufstehen, zur Durchsetzung der Forderungen eines jeden. Unsere Macht liegt in unserer groβen Zahl: Diese Macht müssen wir ihr entgegensetzen.

Demonstration vom 15. November

„Seit Beginn seiner fünfjährigen Amtszeit hat Hollande groβe Angst vor einer sozialen Explosion, besonders von seiten der Jugend“ sagte ein Abgeordneter aus dem Umkreis des Staatschefs der Zeitung Le Monde.

Neben dem Testet-Unglück gibt es genug Gründe, gegen die Politik von Hollande zu revoltieren. Das Einzige, was im Gleichschritt mit der Arbeitslosigkeit und der Armut zunahm, sind die Profite des CAC 40 und das Vermögen der Reichen. Je reicher sie sind, desto gröβer ist ihre Habgier. Der Unternehmerverband Medef fordert jetzt die Abschaffung der unbefristeten Arbeitsverträge.

Viele Arbeitende protestieren. Was fehlt ist die Koordinierung der Kämpfe: Heutzutage bleiben sie zersplittert und isoliert. Einige Gewerkschaften, Vereine und linksgerichtete Organisationen rufen für den 15. November zu einer Demonstration gegen den Sparkurs auf. Damit bietet sich eine Gelegenheit, seinen Unmut zum Audruck zu bringen, Kontakte anzuknüpfen und zu diskutieren. Dabei müssen wir gemeinsame Forderungen stellen: Entlassungsverbot, Aufteilung der Arbeit unter alle ohne Lohnverlust, Erhöhung der Löhne und sozialen Mindestleistungen um mindestens 300 euro monatlich.

Wie immer werden uns Illusionshändler erklären, man solle mit Geduld bis 2017 warten und dann richtig wählen. Aber auf der Straβe werden wir viel dringendere und wichtigere Sachen organisieren müssen.


Marx
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