Revolutionär Sozialistische Organisation

Wenn Streiken Schule machen würde

Donnerstag 13. November 2014

PDF - 194.2 kB
Der Zugfunke - 12. November 2014

Zitat der Woche

„Vielleicht sollte man autonomes Fahren auf der Schiene beginnen, dann hätte man das Problem mit der GDL nicht,“ meint Porth, Daimler-Personalvorstand. Vielleicht sollten die Daimler-Kollegen bald mal streiken, dann hätten wir weniger Probleme mit solchen arroganten Personalern!

Webers Horrorvision

EVG-Chef Kirchner spricht nun auch von Streiks, falls es in den Verhandlungen nicht vorangeht.

Leute, stellt euch eine lange Wagenhalle vor, alle Bahner zusammen, blaue und grüne Fahnen!

Wer, wenn nicht wir, können unsere Forderungen umsetzen? Nichts könnte uns mehr aufhalten. Und die verstörten Gesichter des DB-Vorstands möchte man sehen: Die DB mutiert zur Geisterbahn, hinter jeder Ecke lauert ein Gespenst eines Streikenden....

Streikkundgebung in Berlin am 7. November

„Was ist der Unterschied zwischen Eiffelturm und Bahntower? Beim Eiffelturm sind die großen Nieten unten“ oder „Lieber frei zu Hause als frei im Hotel“ oder „Streik gegen Arbeitshetze rettet Arbeitsplätze“ - das waren Sprüche auf den vielen selbstgemalten Schildern.

Ferienlagerlaune, so ungefähr fühlte es sich auf der Kundgebung vor dem Bahntower an, als aus der ganzen Bundesrepublik 1.200 Streikende zusammen kamen. Ein IG Metall-Arbeiter überbrachte außerdem Solidaritätsgrüße und sprach die Stellenstreichungen in Berliner Metallbetrieben an.

So ein Streik bringt zusammen, was zusammen gehört.

Ausgeschlagen

Nach der Geste der Versöhnung kam prompt die Verhöhnung, als Weber verkündete, damit hätte sich der Einsatz der Bahn vor den Gerichten gelohnt. Welche Versöhnung also? Mit der Bahn? Da gibt es nix zu versöhnen!

Belgien: Großdemonstration der Beschäftigten

Mehr als 100.000 belgische ArbeiterInnen demonstrierten Anfang November gegen die Sparpläne, die die neue belgische Regierung angekündigt hat. Um die Gier der Unternehmer zu befriedigen soll das Rentenalter um 2 Jahre auf 67 Jahre erhöht, die automatische Kopplung der Löhne und Renten an die Inflation beendet und Stellen im Öffentlichen Dienst gestrichen werden. Die große Mobilisierung war der Auftakt einer Kampagne gegen die Angriffe mit Generalstreik am 15. Dezember.

Mit Streik nicht bis übermorgen warten

Wie oft haben GDLer schon „guten Willen gezeigt“? Wirklich oft.

Doch kein einziger Punkt der Forderungen ist bislang umgesetzt. Die DB hat offensichtlich nicht kapiert, dass wir fest entschlossen sind, unsere Forderungen durchzusetzen. Dann ist eben richtig Druck nötig, und wie wir gesehen haben, ist Druck nur mit Streik möglich.

Denn wir haben noch eine Rechnung offen:

2 Stunden weniger Arbeitszeit

maximal 50 Überstunden

Mehr Lohn

Nachbeben

Dass der Streik so abrupt ausgesetzt wurde, hat bei vielen Kopfzerbrechen verursacht. Ein wenig Linderung brachte die Erkenntnis, dass bis Sonntagabend kaum mehr Züge fuhren als während des Streiks: Hennigsdorf - Kremmen nix, Münchner S-Bahn teilweise nur 60%.

Wegen aus Sparhysterie abbestellter Trassen fuhren nach Templin sowie dem Nordteil des RE6 nur Busse.

Oft war aber der Krankenstand einfach hoch. Denn die Arbeitsbedingungen der anderen Kollegen sind auch (noch) nicht besser.

Auf den Punkt gebracht

„Ihr Streik ist richtig! Er muss auch bestimmte Auswirkungen haben, ansonsten werden Sie Ihre berechtigten Interessen nicht durchsetzen können. [...] Ihre Streiks müssen die Arbeitgeber treffen und diese endlich zum Einlenken zwingen. Nicht Ihr Streik ist ein Übel für die Bahn und deren Kunden, die Bahn AG selbst lässt ihre Infrastruktur verfallen und ist in vielen Punkten alles andere als kundenorientiert und Quell steter Ärgernis.“ Aus einem Solidaritätsschreiben von Susanna Karawanskij, veröffentlich auf der GDL-website

Umsatz-Kunststück

So ein Streik ist auch eine Gelegenheit, sich über die Bereiche hinweg kennenzulernen… und festzustellen, dass die Probleme sich überall gleichen: Die Bordgastronomie kriegt Mindestumsätze festgelegt und der Lohn selbst ist zum großen Teil umsatzabhängig. Aber die Technik ist so gut gewartet wie überall: Mal streikt die Kaffeemaschine, mal der Steamer, mal die Geschirrspülmaschine, so dass man keine Tellergerichte rausgeben darf. Und schon isses Essig mit dem Umsatz!

Die Fahrgäste, die Fahrgäste…

sind gar nicht alle gleich! Die Schlipsträger mit Rollkoffer haben sich ganz schön aufgeregt über den Streik. Aber einfache Arbeitende und viele andere hatten viel Verständnis! Es wurden sogar Merci-Schokolade-Packungen im Streiklokal abgegeben! Es zahlt sich eben aus, wenn wir unsere Arbeitsbedingungen und Forderungen offensiv in die Öffentlichkeit tragen. Ein Streik, der Mut macht hilft allemal mehr als Weselskys Versöhnungsgesten!


Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 242800

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Aus den Betrieben  Aktivitäten verfolgen Deutsche Bahn   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.29