Revolutionär Sozialistische Organisation

„Wir kriegen keine Luft!“

Donnerstag 11. Dezember 2014

„Die Zeit“ bringt uns zum Staunen

Nun stehen in einem langen Zeitungsartikel die Erfahrungen einer Undercoverpraktikantin. Und tatsächlich ist es echt haarsträubend, was dort über den Umgang mit multiresistenten Keimen beschrieben wird. Doch liebe Praktikantin, wir staunen, dass du dir soviel Mühe gemacht hast. Das hättest du auch leichter in Erfahrung bringen können. Ein Gespräch mit der einen Ärztin oder dem anderen Pfleger und mit den Reinigungskräften hätte dich deiner Mühen enthoben. Denn wir wissen sehr wohl, was falsch läuft bei der Hygiene. Und natürlich wissen wir auch, dass es vor allem das Personal ist, welches durch den Patientenkontakt die Biester überträgt. Darin liegt wohl auch der Grund, warum es noch immer keinen routinemäßigen Abstrich des Personals gibt. Wenn dort so viele positive Befunde herauskommen, wie wir befürchten, verstärkt sich der Personalmangel noch einmal kräftig.

Keim after Keim

Die Reportage der Zeitung „Zeit“ wirft ein krasses Licht auf die hygienischen Zustände an der Charité. Aber leider ist das, was dort beschrieben wird, traurige Realität. Denn die Mangelwirtschaft Charité (Personalknappheit, Zeitknappheit und Geldknappheit) führt dazu, dass die Hygiene viel zu kurz kommt. Und auch die Stellungnahmen der Chefetage zu diesem Artikel zeigen mal wieder, dass die da oben nicht verstehen (wollen), dass, nur weil es an Personal mangelt, es nicht an Keimen mangelt…

Anti-Pflege-Einsatz

Herr Perez war vor einigen Wochen an der Charitè, das ist übrigens der US-Arbeitsminister. Aber er kam nur für ein Stündchen. Er interessierte „sich für erfolgreiche Modelle der beruflichen Aus- und Weiterbildung“. Dabei erzählt man doch uns von der Pflege permanent, dass unsere Ausbildung nicht mehr zeitgemäß ist und eine Krankenschwester mindestens den Bachelor benötigt, um den Ansprüchen des Gewinnstrebens, ääh des Gesundheitssystems entsprechen zu können. Das sähe man ja am Beispiel der USA. Auch ließ er sich von Auszubildenden von ihrem aktuellen Praxiseinsatz berichten. Wenn die jungen Kollegen das ernsthaft getan haben, dürfte der Herr Minister ins Grübeln gekommen sein, wo denn nun die vorher beschriebene gute Ausbildung eigentlich stattfindet.

So wird’s nichts!

Immer mehr Arbeit in der gleichen Zeit. Das kennen wir alle und sind nicht selten damit überfordert. Einige KollegInnen, vor allem in der Pflege oder auch bei der Reinigung, kommen nun auf ganz merkwürdige Ideen, um trotzdem mit der Arbeit fertig zu werden. Sie kommen deutlich früher auf Station und noch ehe sie einen Kaffee getrunken haben, stürmen sie schon an die Arbeit. Wischen, Infusionen-Aufziehen oder was auch immer. Klar, Feierabend will man pünktlich haben! Nur eine Garantie zum rechtzeitigen Arbeitsschluss gibt es so noch lange nicht. Und eines dürfte klar sein: Es ist die tollste Einladung an die Chefs, Personal zu kürzen und noch mehr Arbeit in die Schichten zu pressen.

CFM Gewäsch

Falls man sich mal gefragt haben sollte, wofür wir denn bei der CFM einen Tarifvertrag brauchen könnten, wird einem schon bei den Stellenanzeigen die Antwort geliefert. Dort heißt es: „Die Vergütung ist betrieblich bestimmt. Sie orientiert sich an den marktüblichen Vergütungsbandbreiten der Mitbewerber, den Empfehlungen von Berufsverbänden, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer sowie vergleichbaren Branchentarifverträgen.“ Ganz schön schwammig! Sicher ist aber, dass dieses „Sie orientiert sich“, eher „Sie orientiert sich nach unten“ meint. Konkreter wird’s nur mit Tarifvertrag. Und die Chefetage weiß ganz genau, dass sie nicht auf Dauer mit protzigen Weihnachtsfeiern den Schwamm-drüber-Blues spielen kann…

Die Charité ist pleite!

Mangelwirtschaft in der Charité. Im Virchow wurde kürzlich bekannt gegeben, dass den Ärzten keine blaue Bereichskleidung mehr zur Verfügung steht. Es bestehen Ausnahmen für OP, Intensiv und Funktionsbereiche – aber wahrscheinlich auch nur, weil man sie da tragen muss. Hm, ist dies vielleicht einer der Gründe, warum wir so krass unterbesetzt sind? Weil die Charité sich einfach nicht genügend Garnituren für ausreichend Personal leisten kann?

Auch zu Weihnachten gibt’s nichts geschenkt!

„Morgen, Kinder, wird’s nichts geben! Nur wer hat, kriegt noch geschenkt. Mutter schenkte euch das Leben. Das genügt, wenn man’s bedenkt. Einmal kommt auch eure Zeit. Morgen ist’s noch nicht soweit.“ Erich Kästner Doch was wir nicht geschenkt bekommen, werden wir uns noch holen! In diesem Sinne: Ein frohes Fest, ruhige Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!


Marx
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