Revolutionär Sozialistische Organisation

Das Märchen von der nationalen Einheit

Donnerstag 22. Januar 2015

Prost

500 waren gekommen, aber nicht um uns bei der Ackerei zu unterstützen, sondern um andächtig beim Neujahrsempfang den Worten des Chefs unserer Charité zu lauschen. Es waren halt Gäste aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur. Wie viele KollegInnen aus der Reinigung oder der Pflege dabei waren, ist nicht bekannt. (Wahrscheinlich hat man sie erst nach der Veranstaltung dort gesehen.) Aber trotzdem hat sich mal wieder jemand bei uns bedankt. Diesmal die Frau Scheeres: „Hinter allen Erfolgen der Charité stehen viele Menschen….Sie alle sind die Charité.“ Hört, hört! Wir haben allerdings immer mehr das Gefühl, am Boden zu liegen statt hinter dem Erfolg zu stehen. Das mag sie nach dem Neujahrssekt nicht mehr richtig gesehen haben.

Sklavenhaltergesellschaft in der Klinik

„Denk doch an die Patienten“, diesen Satz müsste man zu Ende führen mit: Wenn es das Management schon nicht tut. Und tatsächlich bringt uns diese moralische Erpressung immer wieder dazu, länger zu arbeiten oder aus dem Frei heraus zusätzliche Dienste zu übernehmen. Doch noch dreister geht es bei den Akademikern zu. Der KPR berichtet über eine Dienstanweisung an ÄrztInnen, die sie verpflichtet, „freiwillig“ zusätzliche Dienste zu übernehmen. Und so täuscht das Gefühl dann eben nicht, dass wir an der Charité keine Arbeits-, sondern Unterwerfungsverträge am Tag der Einstellung unterschreiben.

Gesundheitskommission in Groß?

Da kann man doch wirklich nur lachen. Nun will der Bund eine Kommission zusammenstellen, welche bis 2017 ermitteln soll, wie viel Pflegepersonal bundesweit in den deutschen Kliniken gebraucht wird. Kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder? Weil sich aber schon allein in den Berliner Krankenhäusern hunderttausende Überstunden angehäuft haben, soll es eine Soforthilfe von 660 Mio. Euro für alle Kliniken geben. Ui ui ui, das sind ja ganze 2 Vollzeit-PflegerInnen pro Klinik. Und unsere Erfahrung mit der Gesundheitskommission an der kleinen Charité zeigt ja, was dann 2017 rauskommen wird.

Nachruf…

Anfang Januar ist ein Kollege von den Maschinenfahrern in Steglitz verstorben. Viele Kollegen sind geschockt. Nicht nur weil sein Tod eine schmerzliche Lücke in ihre Reihen gerissen hat und sie ihn vermissen werden, sondern auch weil man mit nicht mal 50 Jahren einfach nicht mit einem solchen Tod rechnet. Die Chefs dagegen lässt solch ein Tod anscheinend kalt. Es gab kein Wort darüber. Sie pressen uns Schicht für Schicht aus und wenn wir dann im Feierabend das Zeitliche segnen, geht es ihnen eben am A… vorbei. Doch was haben wir erwartet? Schließlich wird man nicht Chef, wenn man noch sowas wie Anstand und Mitgefühl empfindet…

Pokalsieg!

Der „Freundeskreis der Charité“ hat dieses Jahr das erste Mal einen Patienten-Award verliehen. Aber wer ist dieser Freundeskreis überhaupt und für was vergibt er denn einen Award? Die letzte Frage klärt sich ganz einfach. Die Patientenzufriedenheitsbögen wurden ausgewertet (wenn das mal mit den Überlastungsanzeigen passieren würde…) und die Stationen mit überdurchschnittlichen Bewertungen haben einen Preis bekommen, darunter gehört auch die Häma/Onko im CBF. Doch bei Schichtbesetzungen von 2, 2, 1 und diesem Pflegeaufwand fragt man sich, wer diese Bögen ausgefüllt hat. Gibt es da etwa einen heimlichen Umfragebögen- Ausfüller, welchen sich das CC14 geleistet hat, um seine krasse Kürzungspolitik schön zu „awarden“?

Nicht genug Personal auch bei Helios

Anscheinend hat Helios nicht wie die Charité daran gedacht, genug Personal für das Ausfüllen der Patientenbefragungen einzustellen. Denn da gab es in der vergangenen Zeit viele Beschwerden über die dürftige Pflege im Klinikum Schleswig. Natürlich fühlen sich jetzt viele PflegerInnen persönlich getroffen, da sie, wie wir, ihr Letztes und Bestes auf Arbeit geben. Aber auch sie haben das Problem der Unterbesetzung. Interessant ist dabei, wie die Geschäftsführung das Problem lösen will. Sie hat einfach eine „motivierende“ Mitarbeiterversammlung einberufen. Hier wurde noch mal klar gemacht, dass die „Beschwerden (also Unterbesetzung) nicht als symptomatisch für den gesamten Klinikbetrieb gelten“. Wenn man sagt, es gibt keine Unterbesetzung, dann gibt es auch keine - Problem gelöst. Naja, ob das den KollegInnen hilft, ist eher fraglich…

Wer wird Milliardär?

Die neueste Studie von Oxfam bestätigt mal wieder, was sich alle denken konnten: die Top-Milliardäre der Welt – genau genommen 80 Personen – besitzen mehr als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung zusammen, sprich 3,5 Milliarden Menschen! 80 Prozent der Menschheit müssen sich 5,5 Prozent des produzierten Reichtums teilen. Stellt sich manch einem die Frage, wie kann man eigentlich so reich werden? Vom selber arbeiten jedenfalls nicht – so viel wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Die Reichen haben einen ganz einfachen Trick gefunden: sie lassen arbeiten - die Arbeiterklasse.

Lasst uns prassen!

Wo letztes Jahr gestreikt wurde, stieg die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder und damit auch das Geld in den Streikkassen. Im Managersprech hieße dies: eine win-win- Situation. Wann nutzen wir diesen Effekt endlich aus und hauen hier mal richtig auf die K…?


Vitamin C - 22.01.2015

Marx
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