Revolutionär Sozialistische Organisation

Das ist Mord!

Donnerstag 30. April 2015

Ansteckungsgefahr

Zwei Tage Warnstreik sind vollbracht. Und vielen hat es Spaß gemacht. Bevor wir hier ins Reimen kommen: 500 Streikende, viele Transpis und Plakate, über 1500 Demonstranten (Presseangabe). Das macht Mut auf mehr. Wir haben einige Tausend KollegInnen an der Charité. Sie gilt es nun anzustecken mit unserer Begeisterung für den Arbeitskampf, für die Forderung nach einem gesunden Gesundheitssystem. Und nicht vergessen sollten wir unsere Nachbarn vom Herzzentrum, bei Vivantes oder Helios.

Geiselnehmer an der Charité

Druck gegen den Streik gab es überall an der Charité – ob nun von den Oberärzten oder den Stationsleitungen. Das da unser Herr Frei auch nicht fehlen durfte, war selbstverständlich. Denn seiner Meinung nach ist „Die Belastung des Personals in den Krankenhäusern, auch in der Charité, unbestreitbar hoch, aber wir kümmern uns genug um die Patienten und haben auch derzeit ausreichend Personal". Ja klar, genug Personal, deswegen streiken wir auch. Doch als würde das nicht reichen. Zudem nennt er uns „Geiselnehmer“, weil wir auf Kosten der PatientInnen streiken würden. Aber da wir Personalmangel haben, in der Nacht z.T. 38 PatientInnen alleine betreuen, keine Zeit haben, auf Toilette zu gehen oder PatientInnen ordentlich lagern zu können, streiken wir auch in ihrem Interesse! Denn nur weil sich der Geldsack der Charité etwas leert, heißt das nicht, dass wir auf Kosten der PatientInnen streiken, sondern eher für ihre Gesundheit! Aber vielleicht sieht das Herr Frei auch anders, wenn er sich mal bei uns wundgelegen hat.

CFM – ein Teufelskreis

Die Logik dahinter ist so einfach… Deswegen jetzt noch mal für die Chefetage zum Mitschreiben: Wenn Leute krank sind und nicht arbeiten können, ist die Lösung, die übriggebliebenen KollegInnen dann einfach die anfallende Arbeit miterledigen zu lassen, denkbar dumm. Denn diese KollegInnen arbeiten dann ihrerseits so viel, dass sie vor lauter Stress und Hetze auch krank werden und dann auch nicht mehr arbeiten können und dann beginnt der Teufelskreis einfach wieder von vorne… Die Lösung ist auch ganz einfach: Ersatz für Krankheitsfälle! Dann bräuchten die da oben auch nicht mehr über den ach so hohen Krankenstand jammern.

Bei den Schildbürgern

Also manchmal glaubt man ja echt, man sei nur unter Bekloppten im CBF. Nee, nicht wegen der neu hinzugekommenen Patienten aus der Eschenallee. Das schaffen unsere Chefs auch ganz alleine. Da wird der Fahrstuhl zur Bettenzentrale doch allen Ernstes seit Monaten nicht repariert, weil sich die Charité und CFM nicht einigen können, wer am Ende für die Kosten aufkommt. Und solange die da oben sich um die Kostenübernahme streiten, müssen wir Beschäftigten den Schlamassel mit langen Umwegen ausbaden. Das ist aber mal wieder typisch: statt für den reibungslosen Ablauf im Krankenhaus zu sorgen, sorgen sie sich nur um die Zahl auf dem Kontoauszug.

Charité kann Glamour – jedenfalls für Chefs

Das erklärt doch wirklich mal einiges. Wer bisher dachte, dass die Aufträge der IT so lange brauchen, um bearbeitet zu werden, weil die KollegInnen dort von ehemals 30 auf 18 Leute „gesundgeschrumpft“ wurden, der hat nur teilweise Recht. Denn im Hause Charité zählt der iPad des Chefs nun mal mehr als der Drucker in der Rettungsstelle. Und wenn der Krawattenträger also mal wieder mit seiner Technik hadert, landet der VIP-Auftrag flugs bei der IT Abteilung und dann muss alles stehen und liegen gelassen werden. Das sind also die wahren Prioritäten bei der Charité. Wir hatten es ja fast geahnt…

Nicht lustig

Was haben sich die Herren und Damen vom Charité- Management nicht gefeiert. Mit der Station 46a im CBF haben wir auch endlich eine Einrichtung für die geriatrische Reha. Und natürlich sind wir Spitze! Doch leider vergaßen sie dabei so einiges. Oder verfuhren sie nach dem Motto: Alte Leute - alte Station und graue Wände? Oder nach diesem: Demenzerkrankte vergessen ja eh, ob es Personal auf der Station gibt?

Na Und!

Da hat der Frei schnell nachgerechnet. 30 bis 36 Millionen Euro im Jahr müsse die Charité an Personalkosten mehr ausgeben, wenn unsere Besetzungsforderungen umgesetzt werden. Viel Geld? Nun wahrlich nicht! Und alle rechnen nach. 1 oder 2 Wochen BER offenhalten, 10 oder 100 Meter Kanzlerbahn? Uns ist das Wurst. Wir wollen ein Gesundheitssystem, in dem zu arbeiten nicht krank macht. Koste es, was es wolle!

Nostradamus Frei

Und wie kommt der Frei nun eigentlich auf diese Summe? Nun, er behauptet, zur Erfüllung unserer Forderungen würden 600 neue Pflegekräfte benötigt. Da scheint er wirklich hellseherische Fähigkeiten zu haben. Oder weiß irgendjemand von uns, wie viel Personal eigentlich nach heutigem Berechnungssystem auf Station vorhanden sein müsste? Wie viele Stellen auch heute schon frei sind? Und das wäre ja wohl die Grundlage dafür, um ausrechnen zu können, wie viele Stellen wirklich neu geschaffen werden müssen. Aber vielleicht lässt uns Herr Frei ja in seine Glaskugeln schauen.

Die magische Prozenthürde

Hm, anscheinend streikt die CFM noch nicht, da Verdi die magischen 30% der Organisierung noch nicht erreicht hat. Wir halten diese Herangehensweise für Quatsch. Denn wie viele sind denn bitte bei der Charité gewerkschaftlich organisiert? 2011 waren es dort auch nur etwas über 10% und wahrscheinlich gab es in den letzten vier Jahren keinen massiven Anstieg der Mitgliedszahlen. Denn Gewerkschaft wird genau dann wichtig, wenn gekämpft wird. Und wenn für die richtigen Gründe gekämpft wird, werden die Leute raus kommen - egal ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht.

Alle Jahre wieder…

ist der 1. Mai ein Feiertag. Doch dass dieser in der Geschichte erkämpft wurde, haben viele vergessen. Schon fast 130 Jahre lang gehen Arbeitende an diesem Tag auf die Straßen, erst in Form von Streiks, heute legalisiert als Feiertag, um für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne zu kämpfen. Und das sollten wir nicht vergessen! Deswegen kommt am 1. Mai, um 10.00 Uhr zum Hackeschen Markt und macht daraus wirklich wieder einen Tag der Arbeitenden – mit unseren Inhalten und Forderungen!


Vitamin C - 30.04.2015

Marx
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