Revolutionär Sozialistische Organisation

Einschalten, ausschalten? Sich einschalten!

Freitag 22. Mai 2015

Am Morgen erfuhren die Streikenden aus dem Radio, dem Fernsehen oder durch eine SMS aufs Handy vom DB-Unternehmen, dass der Streik vorzeitig abgebrochen wurde... ohne dass inhaltlich bei den Forderungen zu den Arbeitsbedingungen auch nur die kleinste Verbesserung vereinbart worden war.

Die GDL-Leute aus dem Bezirk konnten sich gar nicht schnell genug beeilen, die für diesen Tag eigentlich geplante Kundgebung am Bahntower bei der Polizei abzumelden.

Ein paar Streikende waren nicht bereit, von einer Minute auf die andere in den Abwarte- und Zuschauer-Modus geschickt zu werden, und machten sich zum Kanzleramt auf, wo die Streikenden der Berliner Kitas laut für ihre Forderungen Stimmung machten. Große Begeisterung bei allen für diesen Besuch... kein Wunder, Streikende sprechen eine gemeinsame Sprache. Und eins konnten sich die Bahner sicher von den Kita-Beschäftigten abgucken: Musike, Tanzen, Sprüche, Witz, und das erst Recht im Streik:

Streik vor dem Kanzleramt - 21. Mai 2015

Streik vor dem Kanzleramt - 21. Mai 2015

Streik vor dem Kanzleramt - 21. Mai 2015

Streik vor dem Kanzleramt - 21. Mai 2015

Streik vor dem Kanzleramt - 21. Mai 2015

Streik vor dem Kanzleramt - 21. Mai 2015


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Der Zugfunke extra vom 22. Mai 2015
Der Zugfunke als pdf

Der Streik der GDL wurde gestern abgebrochen, kaum dass er begonnen hatte. Warum?

In nächtlichen Verhandlungen hatte sich die DB offenbar schriftlich verpflichtet, nicht mehr auf inhaltsgleiche Tarifverträge zu bestehen. Damit ist die DB von ihrer völligen Blockadehaltung abgewichen. Das ist unmittelbares Ergebnis des Streiks, der viel größeren Druck auszuüben versprach als die bisherigen. Weil er diesmal ohne vorher bestimmtes Ende angekündigt war, hatten die Bahn und ihre Geschäftskunden keine Planungssicherheit. Das erhöht den wirtschaftlichen Druck eines unbefristeten Streiks enorm. Außerdem gab und gibt es viele andere Streiks, von der Post bis zu den Kita-Beschäftigten, mit denen sich die Streikenden von der Bahn verbinden konnten, was den politischen Druck noch weiter erhöht hätte.

Die DB konnte also diesen Streik nicht einfach aussitzen wie die bisherigen befristeten Streiks. Deshalb hat sie in Fragen des formalen Verhandlungsrahmens der GDL ein Zugeständnis gemacht und gleichzeitig die Beendigung des Streiks verlangt, was die GDL-Spitze mitgemacht hat.

Aber in Bezug auf die inhaltlichen Forderungen ist das bisherige Verhandlungsergebnis: Immer noch nichts! Verkürzung der Arbeitszeit, Begrenzung der Überstunden, Lohnerhöhung! Darum geht es und in diesen Fragen hat die DB noch kein Stück nachgegeben.

Es wurde über diese inhaltlichen Punkte jetzt eine Schlichtung vereinbart und Weselsky gibt sich optimistisch, dass am Ende etwas Gutes dabei herauskommt. Doch auch Weber und die DB freuen sich über die Schlichtung und darüber, dass der Streik vorbei ist. Sie brauchen „Ruhe“, um in der Schlichtung von den ursprünglichen Forderungen so wenig wie möglich übrig zu lassen.

Dabei ist es überhaupt nicht nötig, während Verhandlungen (ob mit oder ohne Schlichter) den Streik auszusetzen und eine 3-wöchige Friedenspflicht zu vereinbaren. Auch die Verhandlungen in der vorletzten Nacht waren ja ganz offen­sicht­lich möglich, während der Streik lief.

Wir kennen die DB und wie sie sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, inhaltliche Forderungen zur Belastungssenkung zu erfüllen. Denn dann müssen sie endlich mehr Personale einstellen, was auf Kosten ihrer Profite gehen wird. Das jetzige Zugeständnis der Bahn, ohne Vorbedingungen zu verhandeln, hat sie noch nicht einen einzigen Cent gekostet, und doch war es eine schwere Geburt. Daran sieht man, wie nötig es sein wird, durch Streiks weiter Druck zu machen und diesen Druck aufrechtzuerhalten, bis ein für die Mehrheit der Streikenden akzeptables inhaltliches Ergebnis verbindlich unterschrieben ist.

Das ist auch während des Streiks durch verschiedene Abstimmungen, Unterschriftenlisten und Transparente als Meinung der Streikenden klar zum Ausdruck gekommen:

Durchziehen bis zur Unterschrift!

Um die Forderungen durchzusetzen und am Ende keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, muss man sich einmischen und selbst den Verhandlungsverlauf kontrollieren:

Informationen über den Verlauf der Schlichtung einfordern!

In Kontakt bleiben, um jederzeit aktionsbereit zu sein und so den Druck auf die DB weiter aufrecht zu erhalten!

Streiks sollten nicht über die Köpfe der Streikenden hinweg ein- und ausgeschaltet werden!


Marx
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