Revolutionär Sozialistische Organisation

Frankreich: Die Regierung der Schande

Montag 15. Juni 2015

Hier veröffentlichen wir eine Übersetzung der Vorderseite der Betriebsflugblätter unserer Gruppe L`Etincelle vom 15. Juni 2015 aus dem französischen:


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Edito Betriebsflugblätter - 15. Juni 2015
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Die Schandregierung

Die aus dem Pariser Viertel La Chapelle von der Polizei vertriebenen Migranten und ihre Kameraden in Vintimille, die an der französisch-italienischen Grenze blockiert sind, haben es vielleicht nicht bemerkt, aber: Doch, doch, Frankreich ist ein gastfreundliches Land, über alle Maβen human, wie Valls oder Cazeneuve sagen würden.

Wenn die Diktatoren aus Afrika oder den erdölreichen Emiraten in den meisten exklusiven Villen der Champs-Elysées und Umgebung residieren (sie in Beschlag nehmen, könnte man sogar sagen), ist das gar kein Problem. Wird der Diktator einer französischen Ex-Kolonie von seinem Volk weggejagt, so nimmt ihn die verständnisvolle, groβmütige Republik in eines ihrer Schlösser an der Loire auf ... Die russischen Oligarchen? Sie sind herzlich willkommen an der Côte d’Azur. Braucht der Emir von Katar Ablenkung, so wird ihm ein Fuβballverein verkauft ...

Das ist so. Frankreich nimmt alle Reichen der Welt gastfeundlich auf. Für die Mörder an der Macht und die, die ihr eigenes Volk ausplündern, gibt es keine Grenzen und keinen Stacheldraht. Schlieβlich sind sie bloβ die Zulieferer der Multis von Groβmächten wie Frankreich. Die Mafia-Hierarchie der Mächtigen dieser Welt hat ihre eigene Logik und ihre Wahlverwandschaften.

Dann wehe den Armen und den aus ihren Dörfern Vertriebenen, wehe der Zivilbevölkerung, die vor den Massakern und den Bürgerkriegen, die unsere steinreichen Waffenhändler nähren, flieht! Aber für Hollande gibt es keine Grenzen, wenn er als Handlungsreisender vom Flugzeugbauer Dassault, (dem Politbaron von Corbeil-Essonne, der Wahlstimmen kaufte) nach Ägypten, Indien oder Brasilien reist, um dort seine Kriegsflugzeuge Rafale zu verkaufen.

Man braucht Monate oder mehrere Jahre für eine Fahrt voller Gefahren von Mali, Sudan, Syrien oder Eritrea nach Europa: Mit dem Risiko, auf einem verfallenen Boot im Mittelmeer Schiffbruch zu erleiden, ohne dabei sicher zu sein, dass man die italienische Küste erreichen wird ... Um einem Champions-League-Endspiel in Berlin beizuwohnen, brauchte Valls an Bord einer Falcon weniger als eine Flugstunde auf Staatskosten. Eine „Dummheit“ nannte er das. Gewiss. Das war ganz sicher ein Geschmacksfehler, als am Flughafen Roissy-Charles-de Gaulle zwei kleine Mädchen unabhängig voneinander von ihren Eltern getrennt und tagelang im“Bereich des Flughafens für Reisende ohne gültige Papiere“festgehalten wurden... Dies geschah auch als die Migrantenlager in Paris gewaltsam aufgelöst wurden.

Zwei verschiedene Welten

Und die Staatslügen, damit wir sie akzeptieren. Die Regierung behauptet, dass die Ankunft von ein paar zehntausend Migranten in Frankreich ein „groβes Problem“ sei. Wirklich? Der Libanon, ein kleines Land von 4 Millionen Einwohnern nimmt eine Million syrischer Flüchtlinge auf. Und Frankreich, ein reiches Land von 66 Einwohnern nimmt etwa hundertmal weniger davon auf, lässt sie auf der Straβe schlafen und macht Jagd auf sie.Vor 35 Jahren hat es problemlos ungefähr 130 000 vietnamesische boat people aufgenommen! Gewiss: Damals stand man mitten im Kalten Krieg und das konnte der antikommunistischen Propaganda dienen.

Sind die Nordländer von einer Invasion des Südens bedroht? Das ist auch eine Lüge. Man muss daran erinnern, dass die Migranten-strömungen Süd-Nord viel geringer sind als die Migrantenströmungen zwischen Ländern des Südens: Vor allem die armen Länder sind es, die weltweit den Groβteil der 50 Millionen wegen Kriegen, Verfolgungen und Klimakatastrophen Vertriebener aufnehmen.

Diese Migranten dienen uns als Vorbild

In Wirklichkeit übernimmt die Regierung die Propaganda des Front National: Sie schürt die Angst vor Ausländern und schafft papierlose Arbeiter, die Fabrikbosse ohne Skrupel rücksichtslos schinden; sie tun es solange diese ausländischen Arbeiter sich nicht organisieren. Im Zuge der siegreichen Kämpfe von 2010 haben mehrere hundert papierlose Zeitarbeiter eine Zeitarbeitsagentur im Département Yvelines besetzt, um die notwendigen Regularisierungsformulare zu bekommen. Die Vertriebenen vom Viertel La Chapelle haben trotz polizeilicher Unterdrückung demonstriert und eine nicht mehr benutzte Feuerwache besetzt ; dabei wurden sie von Hunderten von Bewohnern der Nachbarschaft unterstützt. Weil sie gemeinsam kämpfen, dienen uns die Migranten von Menton, Paris oder vom Département Yvelines als Vorbild.

Keine Frage: Die internationale Solidarität der Ausgebeuteten gegen die Verfechter des kapitalistischen Systems ist das Gebot der Stunde.


Marx
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