Revolutionär Sozialistische Organisation

Unterschiedliche Streiks – gleiche Gründe!

Mittwoch 24. Juni 2015

PDF - 65.2 kB
Der Zugfunke - 24. Juni 2015
als pdf

Schlichtung am Ende

Grube nannte letztes Wochenende auf einer Podiumsdiskussion in Neuss unseren Arbeitskampf einen „Streik ohne Sinn und Verstand“. Solche Leute, die es lieben, uns zu beleidigen, sitzen in der Schlichtung und reden über unsere noch offenen 20 Forderungen!

Was wird dabei rauskommen? Hat der Streik gereicht, dass es jetzt zu echten Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen kommt? Wenn die DB nicht was Großartiges anbietet, dann muss der Streik sofort wieder anfangen. Jetzt wäre die Gelegenheit, dass wir uns mit den Streikenden von Charité, Post und Staatsballett Berlin (ja, die auch...) zusammentun und noch vor dem Tarifeinheitsgesetz was besseres erreichen könnten.

Die richtige Zielscheibe finden

Aus dem Betriebsmanagement kam für die KiN ein Brief der besonderen Art: es fehlen Ersatzteile, Lieferengpässe gäbe es auch, dazu Schäden, und dieser Brauchwasseranzeiger... alles Mögliche werde getan, um die Situation kurzfristig zu verbessern. Das Management weiß sogar, dass wir deshalb an der „Kundenfront als Repräsentant unseres Unternehmens den Unmut unserer Fahrgäste direkt zu spüren bekommen.“ Deshalb die Bitte: „Bitte übertragen Sie Ihren durchaus berechtigten Ärger nicht auf die Reisenden.“ Gut, unser Ärger ist berechtigt, die Fahrgäste sollen‘s nicht abkriegen. Hm, wer denn dann?

Parallelwelt

Genau zu dem Zeitpunkt, als die Zugausfälle beim RE3 sich häuften und die KiNs den Ärger der Fahrgäste ausbaden mussten, wurde mit großem Tamtam ein Zug auf die schöne Stadt „Anklam“ getauft. Und damit dabei alles rund läuft, wurden zwei Tfs sowie für jeden Wagen ein Zugbegleiter eingesetzt!

Das bringt einen glatt auf die Idee, wie die Charité-Kollegen, solche Besetzungsregeln für den Normalbetrieb zu verlangen: 2:1 auf dem Führerstand, kein Zugbegleiter fährt allein! Aber so war das mit dem Showzug bestimmt nicht gemeint.

Die Regio-Welt auf einer Unterlegscheibe

In den letzten Wochen ist die Fahrzeugsituation unter den innovativen Gedanken der Chefetagen fast zusammengebrochen. Natürlich waren dann die Lieferengpässe bei Ersatzteilen schuld.

Merkwürdig ist nur, dass einige Sonderschichten in der Werkstatt plötzlich die Situation spürbar verbessern konnten.

Verdammt, diese lästigen Kostenstellen, die den Chefs die Bilanzen und Gewinne kaputt machen, auch „Personal“ genannt, sind einfach durch nichts zu ersetzen!

Wir sollten nur aufpassen, dass die Schlipsis nicht auf die glorreiche Idee kommen, die Schäden nur noch an Wochenenden mittels Überstunden abarbeiten zu lassen. Die Werkstatt-Besatzung darf nicht nur dann da sein, wenn die Luft brennt, sondern ist dauerhaft nötig. Keiner ist zu viel!

Kleine Störung, große Wirkung

So viele Signalstörungen und Weichenstörungen bei der S-Bahn in den letzten Tagen, dann die bekannten technischen Probleme (und nicht nur die harmlosen Drehgestelle), Viertelzüge werden schon mal abge­hängt. Alles, was früher mit ein paar Leuten vor Ort schnell geregelt werden konnte, hat heute große Folgen.

Dass der Personalabbau trotzdem weitergeht, beweist, dass das Management genau weiß, dass der nächste Krach früher oder später kommen muss. Ein altbekanntes Managementkonzept: schön gegen die Wand fahren, in der „Not“ lassen sich dann üble Maßnahmen leichter durchsetzen?

Ent-Zugs-Erscheinungen

Da wird von Grube, Weber und Co immer über den Streik geschimpft. Sie sollten mal auf ihre Führungsriege von Regio Nordost hören. Die haben die Streiks schätzen gelernt und leiden schon unter Entzugserscheinungen. Bietet so ein Streik doch die Möglichkeit, von eigenem Unvermögen abzulenken oder den permanenten Fahrzeugmangel zu übertünchen. Unklar ist, wie viele Jahre gestreikt werden müsste, um zumindest das Nötigste aufarbeiten zu können.

Uniformierte Knalltüten-Idee

Laut neuer S-Bahn-Weisung haben wir beim Rangieren und während wir in Zivil fahren Warnwesten zu tragen. Achtung, nur während des Fahrens! Da sollte man sich mal was einfallen lassen: Die Dinger eignen sich auch für Aufschriften und andere Kommentierungen. Wir haben damit im Streik Erfahrungen gesammelt. Gerüchteweise soll es sich aber um Einmal-Wegschmeiß-Westen handeln. Pfui! Was war nochmal die Ursache für diese Ideen? Ach ja, wenn UBK, dann bezahlte Umkleidezeiten und -räume...

DB fördert Taxi-Mittelstand

Es werden weder Kosten noch Mühen gescheut, um uns den tristen Arbeitsalltag zu versüßen. Aufgrund unvorhersehbarer und unerwarteter personeller Engpässe wird auch mal ein Regio-Tf von Berlin bis in die Perle der Uckermark mit Taxi chauffiert. Da es scheinbar unverantwortlich ist, einen Tf mit dem desolaten Regio-Zug nach Hause fahren zu lassen, ging es mit dem Taxi auch nach Berlin zurück. Geschätzte Kosten nur für diese Aktion: 500 €.

Also, dafür sparen wir doch gerne Energie und kratzen die letzten Minuten aus den planmäßigen Schichten heraus.

In Zukunft wird’s noch bunter

Berlin will die Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn ab 2017 direkt an „jemanden“ vergeben: Die S 2 bis 23.05.2025, die S 9 bis 16.09.2023... und so hat jede Linie ihren eigenen Geburtstag bekommen. Das Zerschnippeln des S-Bahnnetzes soll weitergehen. Und wenn auch nur, um Platz für Spekulationen zu lassen und permanent Druck auf uns auszuüben...


Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 237372

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Aus den Betrieben  Aktivitäten verfolgen Deutsche Bahn   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.29