Revolutionär Sozialistische Organisation

VW = Verantwortung abWälzen

Donnerstag 12. November 2015

Volkswagen und kein Ende: nachdem die Manipulation des Stickstoffausstoßes von weltweit 11 Millionen Dieselfahrzeugen öffentlich wurde, ist nun bekannt geworden, dass auch der Kohlendioxid-Ausstoß von x Millionen Fahrzeugen höher ist, als von Volkswagen behauptet.

Nun berichten Ingenieure von VW gegenüber der Presse, sie hätten sich nicht getraut, diese Manipulationen im Unternehmen anzusprechen. Der Druck sei zu groß gewesen. Der Vorstand habe immer höhere Zahlen für Autoverkäufe verlangt und ständig höhere Gewinne vorgegeben. Das Ergebnis verschiedenster « Expert_innen »: die strenge Hierarchie im Unternehmen und das Druck Ausüben des früheren Vorstandschefs Winterkorn seien schuld.

VW und das kleine ABC des Kapitalismus

VW ein Einzelfall ? Ein bisschen mehr « flache Hierarchien » und « Geschäftsführer zum Anfassen » und alles ist geritzt?

Das wird natürlich nichts ändern! Alle großen Konzerne sind streng hierarchisch und können es auch nicht anders sein, da können noch so viele Mitarbeiterbefragungen stattfinden oder Prämien für Verbesserungsvorschläge ausgelobt werden. Ein Grube herrscht genauso diktatorisch bei der Bahn wie ein Kaeser bei Siemens. Demokratie und Ausbeutung passen eben nicht zusammen. Nie haben die Arbeitenden über Produktion und Arbeitsbedingungen zu entscheiden. Immer sind es die Konzernvorgaben mit noch höheren Zielen, welche die Regeln bestimmen. Und wer zuviel Kritik äußert oder zuviel mit Kolleg_innen über die Situation auf Arbeit diskutiert, findet sich schnell in Personalgesprächen mit dem Vorwurf konfrontiert, Betriebsgeheimnisse zu verraten, oder wird innerbetrieblich versetzt oder muss gar mit Kündigung rechnen. Wer kennt diese Drohungen nicht?

Wer´s glaubt, wird selig

Aber jetzt versprechen die neuen VW-Chefs "totale Aufklärung und völlige Transparenz" - und belügen uns damit erneut. Der irrsinnige kapitalistische Wettbewerb zwischen den großen Konzernen verlangt, dass jeder mit seinem Produkt der schnellste, beste und billigste ist. Alles ist erlaubt, um den Konkurrenten Marktanteile wegzunehmen - sofern sie sich bei Betrug und Manipulation nicht erwischen lassen. Das Ziel ist natürlich, ständig steigende Gewinne zu erzielen und die Aktionäre zu befriedigen. Andere Methoden mit demselben Ziel sind Steigerung der Arbeitsbelastung und Kostensenkungen. Dabei ist Volkswagen keine Besonderheit in dieser Hinsicht. Alle großen Konzerne spielen mit Standards: Sicherheitsstandards, Umweltstandards - oder beidem – völlig egal.

Verschleierung von Hygieneproblemen im Krankenhaus, Ekelfleisch, unsichere Atomreaktoren... Unternehmen verschleiern Probleme, wo sie nur können. Meistens sind die Arbeitenden die ersten, die darunter leiden. Aber die Manipulationen bei VW bedeuten auch Schädigung der Gesundheit der ganzen Bevölkerung und der Umwelt insgesamt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte schon vor Jahren, dass Dieselabgase krebserregend sind und stellte sie auf dieselbe Stufe wie Asbest, Arsen und Senfgas.

Erst wenn die Arbeitenden die Vorstände zwingen, alle Unterlagen auf den Tisch zu packen, werden wir die wirklichen Ausmaße dieser Skandale erfahren.

Die Großaktionäre sollen selber zahlen!

Nun, da die Manipulationen aufgeflogen sind, besitzt der Vorstand die Frechheit, die Arbeitenden für ihre Unternehmenspolitik zahlen lassen zu wollen. Die Ergebnisbeteiligung, die zuletzt 5.900 EUR war, soll zusammengstrichen werden. Leiharbeiter_innen müssen befürchten, abgemeldet zu werden. Bei den Zulieferern drohen Stellenabbau, das VW-Werk in Kassel-Baunetal hatte bereits einen Tag geschlossen, weitere sollen folgen. Währenddessen erklären sie im Gegenzug in Zukunft auf ihre protzigen Partys verzichten zu wollen.

Die Arbeitenden sollen sich hinter VW stellen. Aber warum sollten sie? Vielleicht wird VW finanzielle Probleme durch Strafzahlungen bekommen. Aber ein paar Milliarden sind nichts für den VW-Konzern, der letztes Jahr 12,7 Mrd. Gewinn gemacht und 33 Mrd. auf der hohen Kante hat! Und selbst wenn sich bei VW die Kassen leeren sollten, die Aktionäre haben die letzten Jahre ordentlich kassiert. Sollen sie doch von diesen Milliarden die Folgen ihrer Betrügereien bezahlen!

Es sind Konzerne wie VW, die für Unternehmensprofite Löhne drücken und Menschen entlassen, aus Gründen, die die Belegschaft nicht zu verantworten hat. Die Arbeiterklasse trägt die gesundheitlichen Schäden davon und soll die Kosten stemmen, damit VW weiter Gewinne machen kann. Und so steigt der Reichtum auf der einen Seite und die Armut auf der anderen. Nach der letzten Studie ist schon jeder Fünfte in Deutschland von Armut oder Ausgrenzung bedroht - rund 16,5 Millionen Menschen!

Diese Situation wird sich weiter verschlimmern, solange unsere Gesellschaft davon bestimmt wird, welcher Konzern den höchsten Profit einfährt. Unsere Gesundheit und unser Leben spielen keine Rolle. Das wird sich aber nur ändern, wenn wir für unsere Interessen kämpfen.


Marx
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