Revolutionär Sozialistische Organisation

VW = Verantwortung abWälzen

Donnerstag 12. November 2015

Geld und Moral

Gute Bilder, gute Geschäfte – der ärztliche Direktor der Charité schüttelt dem Botschafter von Saudi-Arabien am 5. November die Hand. Alles lächelt in die Kamera, auch die Blumen und lobt die „erfolgreiche Kooperation bei der Facharztweiterbildung“. Nur ein Spielverderber erinnert in diesem Zusammenhang an die aktuellen Berichte von amnesty international, dass die Hinrichtungen im Lande der Saudis einen neuen Rekordstand erreicht haben.

„Niemand hat die Absicht, Servicekräfte auszugliedern …“

Das betonen jedenfalls offiziell immer wieder Pflege- und Dienststellenleitung sowie Einhäupl himself. Ist ja schließlich 2008 so verbindlich vereinbart worden. Doch die Verhältnisse, die sind nicht so. Hartnäckig halten sich Informationen, dass die Charité-Leitung versucht, Servicetätigkeiten durch Personal ausführen zu lassen, welches Arbeitsverträge mit CFM oder CHS hat. Was lernen wir daraus? Dass die Charité-Oberen Vereinbarungen nur dann wirklich einhalten, wenn wir den erforderlichen Druck aufbauen können, sie zur Einhaltung zu zwingen. Absichtserklärungen gibt’s umsonst – alles andere müssen wir uns erkämpfen.

Geld stinkt halt nicht,

darum ist man sich in Deutschlands Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen auch für diese Schweinerei nicht zu schade. Über Agenturen werden ausgebildete Pflegekräfte in die Häuser in der BRD vermittelt. Wohl wissend, dass die dortigen Arbeitsbedingungen nicht auszuhalten sind, werden den Angworbenen Knebelverträge vorgelegt. Darin verpflichten sich die KollegInnen für mindestens drei Jahre Arbeit, oft unterhalb des Tarifniveaus. Gegenleistung sollen Sprachkurse für die Pflegekräfte sein. Doch die verdienen diesen Namen oft nicht und werden dazu eigentlich über EU - Fördertöpfe bezahlt. Auch eine Art von Willkommenskultur. Vielleicht versuchen wir es doch besser wieder mit der Internationalen Solidarität!

Kupplerei

Man nehme eine süße, kleine oder auch große Person namens „Klinik“ und verweigere ihr die Anschaffung von Kleidern, neuen Schuhen oder auch eines Föns. Dann biete man ihr einen finanziell sehr potenten, aber echt hässlichen Partner namens „private Firma des Sektors Gesundheitsdienstleistungen“ mit dem Versprechen, dass diese alle Wünsche nach neuen Klamotten usw. wahr werden lässt. Im Kleingedruckten des Ehevertrages versteckt man dann eine Rückzahlungs- und Zinslösung, die unter Garantie diesen Partner noch fetter und unansehnlicher werden lässt und die arme kleine Klinik für mindestens 30 Jahre bindet. So geschehen gerade bei den Unikliniken in Schleswig Holstein. Dort wollte das Land seit Jahren der Pflicht zur Bezahlung eines Klinikneubaus nicht nachkommen. Damit den Patienten nun das Krankenhaus nicht auf den Kopf fällt, hat die Uniklinik mit einer privaten Firma einen Vertrag über die Errichtung und den Betrieb eines Klinikneubaus über 30 Jahre abgeschlossen. Und wenn sie nicht sterben, freut sich Vamed noch recht lange über diese Hochzeit.

Sehr geehrte Frau Kommissarische,

wenn uns der Rücken nicht so weh tun würde, was hätten wir gelacht: „Gleichzeitig erleben wir, dass unsere Rekrutierungsbemühungen sehr erfolgreich waren…“ Meinten Sie tatsächlich Pflegekräfte? Gerne sind wir zu einem Rundgang mit Ihnen bereit, beginnend im Centrum 14, um ach die vielen neuen KollegInnen zu begrüßen. Und bei der Gelegenheit könnten wir ihnen auch von all den KollegInnen berichten, die wegen der auch und gerade von ihnen zu verantwortenden Arbeitsbedingungen die Charité verlassen haben. Achso. Sie meinen das sind noch nicht genug, die gegangen sind. Deshalb wollen Sie auch noch die Leasingkräfte abbestellen. Nicht dass wir den Einsatz von Leasingkräften unkritisch sehen, aber etwas weniger einsam ist es schon mit denen auf Station.

Notruf – aber konsequent!

Bei der Casa Reha in Rudow hatte letztens eine Hilfspflegerin für Furore gesorgt. Weil sie ganz allein auf Station für 21 PatientInnen in der Frühschicht sorgen musste, war die Überlastung vorprogrammiert. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als den Notruf zu wählen und somit einen spektakulären Notarzt- bzw. Feuerwehreinsatz zu starten. Die Folge? Endlich wird einer breiten Öffentlichkeit offenbar, welche katastrophalen Zustände in der Pflege herrschen. Vielleicht sollten wir sowas ja auch mal an der Charité durchziehen?

Die „schwarze Null“ wie weggespült

Meistens bedeuten Reformen nichts Gutes, auch das neue Krankenhausstrukturgesetz gehört dazu. Die Chef-Etage von Vivantes fürchtet um ihre „schwarze Null“, da die Reform weniger Geld für zusätzliche PatientInnen vorsieht. Seit 2009 hat Vivantes die Zahl seiner Betten jedoch enorm aufgestockt und hat einen jährlichen Patientenzuwachs von 2 %. Ohje Ohje, und dann hatte Gesundheitssenator Czaja auch noch neue Betten für Berlin versprochen… Wie soll die Reform dabei helfen? Doch auch noch ne gute Nachricht: die Charité soll von dieser Reform kaum betroffen sein. Naja, wir sollten dieser Meldung mal nicht vertrauen.

Die „schwarze Null“, auch für unsere Löhne

Die CFM erhöht in einigen Bereichen die Löhne. Wow, etwa nur so? Oder weil bald Weihnachten ist? Oder will sie uns nur ruhig halten, da sie Angst vor einem neuen Streik hat? Wenn Kollege jedoch genauer hinschaut, wird klar, dass am Ende des Monats nicht wirklich mehr auf dem Konto ist. Zum Beispiel wird im Außendienst der Lohn auf 9,00 €/h erhöht, dafür fallen die Zuschläge für den Winterdienst weg. Oder in der Logistik gibt’s bald 9,55 €/h, jedoch fällt dafür die Anwesenheitsprämie von 150 €/Monat weg. Wie wir wieder einmal sehen, die CFM schenkt uns nichts ohne Kampf!

Streikverbot

Dienstag wurde der Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa Düsseldorf für Dienstagabend verboten. Eine weitere Einstweilige- Verfügung gilt jedoch nicht für die Streik-Zentren Frankfurt und München. Für das Arbeitsgericht Düsseldorf war das Verbot gerechtfertigt mit der Begründung, dass die Streikziele zu unklar formuliert waren. Aber was ist da misszuverstehen? Die Flugbegleiter wollen einen sicheren Ruhestand und keine Altersarmut. Jeder sollte mit 55 Jahren in Rente ohne Abzüge gehen dürfen! Daher ist dieser Kampf mehr als berechtigt, denn reden allein bringt nicht viel, weder bei der Lufthansa, noch bei Charité oder CFM!



Marx
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