Revolutionär Sozialistische Organisation

Es gibt die Wahlen… und die Zeit davor und danach!

Donnerstag 24. März 2016

„Ich bin so schön, ich bin so toll, …“

Nein, hier geht es nicht um den Herrn Anton aus den Tiroler Bergen. Aber beim Lesen der neuen Imagebroschüre „Charité – Mensch, Lehre, Forschung“ klingt im Hintergrund schon diese Melodie im Ohr. „…meine superstrammen Wadeln sind a Wahnsinn für die Madeln…“ Sicher, Klappern gehört zum Handwerk. Aber wer bei all dem „Weltniveau“ und „internationalen Spitzenleistungen“ die Grundvoraussetzung vergisst, nämlich dass gute Pflege vor allem ausreichend Personal benötigt – ja, der kann sich noch so lautstark selber loben. So lange die Charité nicht zur Vereinbarung einer verbindlichen Mindestbesetzung bereit ist, kann sie sich mit ihrem Eigenlob… - aber Mist, Hochglanzbroschüren taugen ja nicht mal als Klopapier.

Nicht lustig

Meinte doch neulich der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Laumann, er gehe von einem zusätzlichen Bedarf an Pflegekräften von jährlich 20.000 in den nächsten 25 Jahren aus. Wieviel will vor diesem Hintergrund das „größte Uniklinikum Europas“ an zusätzlichen Pflegekräften einstellen? Achtzig? Hundert? Zweihundert? Ist das euer Ernst oder ein vorgezogener Aprilscherz?! Der Umgang mit der Würde ist unfassbar Unter diesem Motto machten fast hundert Kolleg_Innen ihrem Unmut über die Blockadehaltung der Charité zur Frage der Mindestbesetzung Luft. Ein paar Impressionen gefällig? „Mehr Personal! Jetzt oder Streik“. „Arbeitshetze ist zu viel – 1:5 jetzt erst recht das Ziel“. Oder auch einfach nur: „Station xy: Streikbereit!“ Das klingt, als könne sich die Charité dieses Jahr schön warm anziehen… richtig so! Wer nicht hören will…

Flucht in die Ungleichheit

Letzten Samstag wurde offiziell der sogenannte Equal Pay Day in Deutschland begangen. Frauen in Deutschland verdienen im Durchschnitt 22 Prozent weniger als ihre Kollegen. Um das Einkommen zu erzielen, das Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres hatten, müssen Frauen bis zum sogenannten Equal Pay Day des Folgejahres arbeiten. Nun plant der Charité-Vorstand auch noch wieder in den Arbeitgeberverband des öffentlichen Dienstes (VKA) einzutreten. Dies bedeutet vor allem für die Beschäftigten im ehemaligen (!!) Ostteil Berlins eine Verschlechterung. Vielleicht führt die Charité ja dann gleich einen neuen Equal Pay Day für Ex-Ossis ein…? Wäre ja nur konsequent.

Randnotizen…

Seit über zwei Wochen gingen an den vergangenen Donnerstagen in Frankreich über 300.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Verschlechterungen im Arbeitsrecht zu kämpfen. Die Regierung unter Hollande will es den Unternehmern ermöglichen, leichter Entlassungen durchzuführen und die Arbeitszeit zu flexibilisieren. Zugleich soll die mögliche wöchentliche Arbeitszeit von 35h auf 48h pro Woche erhöht werden, für unter 18 jährige auf 40h - die tägliche Arbeitszeit auf 12h pro Tag und für unter 18-jährige auf 10h pro Tag. Hinzu kommen noch viele weitere Verschlechterungen, die wir hier noch von den Hartz 4 Reformen kennen. In Paris wurden von Schüler_Innen 30 Schulen blockiert. An allen Unis gab es Vollversammlungen, die sich gegen diese Reform aussprachen. Bei der Staatsbahn SNCF und in einigen Bereichen wurde gleichzeitig gestreikt. In Paris gingen vor drei Wochen über 80.000 ArbeiterInnen, Student_Innen, Schüler_Innen, Arbeitslose und Rentner_Innen auf die Straße. Unter dem Slogan „Schüler und Student, Arbeiter und Arbeitsloser, gemeinsam sind wir solidarisch, gemeinsam sind wir stark, gemeinsam werden wir siegen“ zogen sie durch die Straßen von Paris. Und es geht weiter… Aber davon hört man hierzulande wiedermal kaum etwas. Könnte ja sein, dass wir uns was abschauen - schließlich sind die Bedingungen hier alles andere als rosiger…

Jede Klinik hat die Pflegedirektorin, die sie verdient hat!

Darum hat sich die Charité in Form des Vorstandes und des Aufsichtsrates nun die bisher Kommissarische zur Direktorin ausgesucht. Entgegen der Ziele im Hochglanzformat wie Patientenorientierung, hohe Pflegekompetenz oder Weiterentwicklung des pflegerischen Fachwissens durch Pflegeforschung, wird sie ganz einfach den Willen des Vorstandes nach möglichst billiger Massenabfertigung von Menschen, die man mal als Kunde und mal als Patient bezeichnet, durchsetzen. Das Programm wird also heißen: mehr Flexibilisierung, weniger Fachpersonal, geringere Personalstärke auf den Stationen und in den Ambulanzen, Fortbildungen nach dem Frühdienst, permanentes Angerufen werden, Dienstplanänderungen nach Wunsch der Chefin, Entprofessionalisierung der Pflege usw. usf. Doch halt, auch wir sind ja die Charité: Wollen wir das wirklich auf Dauer so hinnehmen?

Woran liegt es nur?

Man mag sie schon nicht mehr sehen. All die TV- Sendungen zu den schlechten Zuständen in den Krankenhäusern. Wohl dem, der nicht in die Klinik muss. Doch wir müssen da ja jeden Tag hinein. Für jeden und jede von uns, ist sicher klar: viele Missstände sind der Personalnot geschuldet. Wer sollte sie auch bezahlen, die eigentlich notwendigen Ärzt_innen und Schwestern, Reinigungskräfte, Laborant_innen usw.? Wo soll denn das Geld nur herkommen? Doch dann liest man in der Zeitung, 87 Milliarden fließen jährlich in die Kliniken. Wohlgemerkt Euro! Da muss es doch ein paar Stellen geben, wo das Geld aus den Kliniken wieder abfließt, statt bei den Mitarbeiter_ innen und Patient_innen anzukommen. Und tatsächlich sieht man ja den großen Pharmakonzernen an, wie einträglich ihr Geschäft ist. Doch auch diverse Berateroder neuerdings Consultingfirmen saugen ihren Profit aus den Kliniken. Und der bürokratische Apparat zur Verwaltung des DRG- Abrechnungssystem dürfte ebenso sehr viele Ressourcen verschlingen, welche wir dringend am Bett benötigen würden. Darum hier ein Vorschlag: Das DRG-System abschaffen! Pharmafirmen enteignen! Dringend!!


Marx
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