Revolutionär Sozialistische Organisation

Protest braucht Perspektive

Donnerstag 22. September 2016

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Der Zugfunke - 21. September 2016

Dadideldum, der Kontrolletti geht um

Das gibt schon einen ordentlichen Schreck, wenn einem morgens zwischen drei und vier ein Aufpasser mit einer Strichliste in der Hand in der dunklen Meldestelle auflauert. Offensichtlich wird mal wieder ordentlich „wertvolle“ Arbeitszeit verbrannt um uns zu kontrollieren, ob wir auch wirklich die Meldestellen aufsuchen.

Aber wenn sie schon mal da sind, könnten sie ja auch gleich die vielen Stunden notieren, die sich Kollegen ans Bein binden, die sehr große Puffer wegen der langen Anfahrwege einplanen müssen. Oder weil sie schon am Abend vorher in die Meldestelle fahren, um die Nacht auf Klappliegen zu verbringen. Das gäbe einen Schreck, wenn wir das Regio in Rechnung stellen würden.

Also aufgepasst und solidarisch weitersagen, wenn uns nachspioniert wird. Wie sagen die Chefs immer, wenn sie nicht mehr weiter wissen: Wir sind ja schließlich eine große Eisenbahnerfamilie.

Soweit denken wie eine Führungskraft

Die Vorbereitungszeiten sind der Führungsclique ein Dorn im Auge. Durch Selbstversuche testen sie, ob noch ein paar Sekunden einzusparen sind.

Beim Zeitnehmen an den Aushängen für die nächsten Schichtänderungen in einer Regio-Meldestelle ruft kürzlich der eine Vordenker dem anderen zu: „STOP! Ich bin fertig!“ Fragt der andere nach, wie er das so schnell schaffen konnte. Na ja, er hat nur die nächste Schicht nachgeguckt. Die weiteren Tage wären ja egal.

Sie haben es nicht mal nötig bis übermorgen zu denken. Denn sie haben ja ihre festen Arbeitszeiten, fallen immer weich und werden für ihre herausragenden Leistungen gut prämiert. Sorge dich nicht, lebe!

Beachten sie den Höhenunterschied

Wegen Bauarbeiten mussten die RE5 in Rangsdorf einige Tage umgesetzt werden. Die letzten KINs mit B wurden zusammen gekratzt, weil die Tfs in den Bereichen die Fahrzeuge nicht verlassen dürfen. Doch in einigen Schichten nahm Regio das eigene Sicherheitsleitbild und die Vorschriften nicht so genau. Wir sollten abgestellte Züge übers unbeleuchtete Schotterbett und offene Kabelschächte verlassen. Ganz bestimmt wäre eine andere Technologie möglich, aber die kostet. Und dafür lässt man auch mal „die lieben Mitarbeiter“ in den offenen Schacht laufen.

ÖPNV- und Jobticket für alle!

Auf der Betriebsversammlung S-Bahn kam raus, dass das ÖPNV-Ticket zukünftig eingestellt werden soll. Statt dass die Bahn allen Bahnern ein ABC-Ticket bezahlt – ist ja schließlich die Bahn und die Wege von und zur Arbeit werden nicht kürzer! Wegen „geänderter Rahmenbedingungen“ müsse das passieren. Übersetzt: die wollen die Kohle für uns nicht mehr ausgeben. Uns durch die Gegend scheuchen und gleichzeitig faktisch den Lohn kürzen. Das ist das ABC der DB.

Urlaubsplanung – Just in time

Wie jedes Jahr geht das Gerangel um die Urlaubsplanung los. Und wie immer wird aus den Normalschicht-Chefbüros versucht, die Grenzen zu drücken, wie viele Fahrpersonale gleichzeitig im Urlaub sein dürfen. In Neuruppin sollen es nun nur noch drei Kollegen sein. Das mag rein rechnerisch aufgehen, aber die Hauptruhewochenenden passen so nicht mehr rein. Mit einer menschlichen Planung hat das nichts zu tun und es wird so getan als hätte das Wochenende nichts mit dem Urlaub zu tun.

Doch das hat es. Beides ist untrennbar mitein­ander verbunden. So wie unsere Probleme untrennbar mit Chefetagen zusammenhängen, obwohl wir mit denen nichts zu tun haben wollen.

Nicht nur die Schichten sind Körperverletzungen

Neben dem alltäglichen Raubbau an unserer Gesundheit durch unsere Arbeitsbedingungen gibt es auch immer wieder tätliche Angriffe, vor allem gegen ZUBs. Im Vergleich zum letzten Jahr sind die deutlich gestiegen. Und was schlägt das Management vor? Schulungen, Monitoring usw. usf. Alles nur nicht das, was wirklich helfen würde: Mehr Personal auf Zügen und Bahnhöfen!

Es müffelt in der Chefetage

Die S-Bahn hat sich den Betriebsrat geschnappt, um uns zu überzeugen, dass es mit der BV Arbeitszeit doch gut laufe und um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber es ist nicht so schwer, das gibste-hier-nimmste-da-Spiel zu durchschauen. Kleine Verbesserungen bei den Arbeitsschichtlagen bringen noch keine Entlastung innerhalb der Schichten. Ununterbrochene Lenkzeit auf Ring steht immer noch mit 3,5 Stunden drin. Mit Tablet könnten kleine Unterbrechungen auch noch mit Einsehen der Arbeitsunterlagen vollgestopft werden. Vieles, was als Verbesserung gefeiert wird, haben wir schon so oder so ähnlich oder früher schon mal… Wir brauchen aber echte entlastende Maßnahmen. Reden die aus der Chefetage begeistert, ist immer was faul.

Es geht um uns, also haben wir was zu sagen

Bei der S-Bahn haben Kollegen die Nase voll, dass die Geschäftsführung den Ton angibt und immer schon weiß, „was gut für uns ist“. Kollegen haben eine Umfrage gestartet, alle  können zu Wort kommen. Was ist wirklich wichtig bei Arbeitszeit und Tablet? Bilden wir uns eine Meinung!

Falsches Signal

Signalüberfahrten sind schon jetzt ein Problem… wie wird das mit Tablet? Das Ding wird sicher nicht ruhig in der Ecke schlummern. Macht´s auf dem Ring rrring rrring, wird das unsere Aufmerksamkeit erhöhen? Theoretisch schaffen wir alles, praktisch werden die Tablets die Sicherheit verschlechtern.


Marx
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