Revolutionär Sozialistische Organisation

Die Regierung sorgt sich… um die Unternehmen

Freitag 7. Oktober 2016

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Der Zugfunke - 6. Oktober 2016
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Webers Tarifritual

Die Tarifkommissionen von EVG und GDL haben die Forderungen auf den Tisch gepackt. Neben mehr Lohn stehen vor allem Arbeitszeit, Schichtplanung und Urlaub im Zentrum.

Die Bahn fährt gegen unsere Forderungen ihre Kampfmaschinerie hoch und lässt in der Presse Angst vor neuen Streiks verbreiten. Weber fordert „wirtschaftliches Augenmaß“. Dabei ist, was die Augen „messen“, nicht nur eine Frage der Augenhöhe und der Sehstärke… sondern vor allem des Standpunkts! Die DB hofft vielleicht, dass der Ärger vieler Fahrgäste über die gerade angekündigte Preiserhöhung sich gegen Streiks richten ließe. Aber dieser Ärger hat viel mehr Grund, sich gegen den DB-Vorstand zu richten.

Der weiß genau, dass regelmäßige freie Wochenenden, mehr freie Tage und langfristige Planung nötig sind, um wieder Mensch zu sein. Aber Grube wird nicht mal locker vorbei kommen und unterschreiben. Der schlendert höchstens für ein Freibier vorbei.

Ob wir streiken wollen oder nicht, wir haben keine Wahl. Das haben uns die Bahnchefs in den letzten Jahren beigebracht. Bereiten wir uns lieber jetzt schon vor, stimmen wir uns über die wichtigsten Forderungen ab und verabreden wir uns über die Bereiche hinweg, dann läuft der Streik auch besser. Auch das haben die letzten Jahre gezeigt. Und wenn die Bahn doch ruckzuck unterschreiben sollte, dann haben wir eben ein paar neue Kolleginnen und Kollegen kennengelernt.

Containerlandung in Strausberg/Nord

Lange hat es gedauert, bis die S-Bahn in Strausberg einen Aufenthaltsraum geschaffen hat. Container mit Tisch, vier Stühle, Heizung, mehr nicht – das ist die Vorstellung der Teppichetage, was einem gemeinüblichen Tf genügt. Ja keine Begehrlichkeiten wecken. Man muss sich nun entscheiden, ob man linksrum aufs Klo ins Hotel will oder rechtsrum in den Container beim Autohändler. Alles auf einmal geht nicht.

Und währenddessen sitzen die Chefs in weichgepolsterten Sesseln mit gebügelten Hosen und wippen ihre warmen Füße in geputzten Echtlederschühchen und grübeln, wo noch ein paar Euros eingespart werden können.

Wenn ein Kunde mit viel Geld kommt, ist die Bahn viel spendabler. McDonalds hat was Schönes in Ostkreuz bekommen. Für uns ist auch dort angeblich nichts zu machen…

Gepfefferte Antwort nötig

Jetzt ganz offiziell: mehr als 1.100 mal sind im ersten Halbjahr diesen Jahres Kolleginnen und Kollegen in Zügen angegriffen worden. Tendenz steigend. Die Bahn reagiert und will Pfefferspray und Alarmgeräte verteilen. Super, ne Pfefferwolke im vollen Abteil. Bei denen piepst‘s ein bisschen zu viel.

Oft kennt man doch schon die Pappenheimer. Aber biste allein, hilft dir auch keine Trillerpfeife. Ohne mehr Personal keine Sicherheit. Und regelmäßigere Züge mit Klo und pipapo wären auch eine Idee, damit Fahrgäste weniger ausrasten.

Zugunglück in New Jersey… mit Ansage

Eine Frau ist bei einem Zugunglück nahe New York gestorben, mehr als 100 wurden verletzt. Die Bilder des von Trümmern des Bahnhofes eingekeilten Vorortzuges der landeseigenen Verkehrsgesellschaft New Jersey Transit sind erschütternd. Mit vollem Tempo war der vollbesetzte Zug im Berufsverkehr in den Bahnhof gerast.

Die Untersuchungen laufen noch. Aber sicher ist, das Unglück hätte verhindert werden können. Eigentlich war es Pflicht, bis 2015 ein automatisches Bremssystem einzubauen. Aber wie viele Unternehmen hat NJ Transit das nicht gemacht. Kostet ja Geld…

NJ Transit ist für die Transportsicherheitsbehörde kein Unbekannter. Erst im Juni gab es eine Untersuchung, weil das Unternehmen seit Monaten kein richtiges Management mehr hat, auffallend häufig Sicherheitsvorschriften missachtet und erst im letzten Monat zwei Busse des Unternehmens zusammengekracht sind mit zwei Toten. Sparen auf Kosten der Sicherheit: ein weltweit grassierender Virus!

Neues aus der Kreativwerkstatt

Auf der Jagd nach den Minuten ist die S-Bahn-Chefetage auf die Idee gekommen, die Rangierer könnten doch die Züge zu den Bahnsteigen bringen und holen, die Tfs hätten Dienstbeginn am Bahnsteig und fahrn nur noch. Z.B. würde in Wannsee der Weg ins Werk wegfallen. Und die Rangierer – mit niedrigerer Lohngruppe – werden dazu flexibel durchs Berliner Netz gejagt.

Diese Kreativheinis gehören so was von ausgebremst.

Schlange stehen, statt Schlangen sehen

Pech, wenn man in Urlaubsgruppe 3 bei Regio geraten ist. Vor dem Büro der Urlaubsplanung hat sich sogar eine ordentliche Schlange gebildet, manche sind extra früh aufgestanden, um zu gucken wo noch was frei ist, um einen vernünftigen Urlaubsantrag abgeben zu können.

Man kann sich drehen und wenden wie man will, immer ist der Urlaubsplan für jemanden ungerecht. Und das nur, weil die bei Regio planen, als ob wir jeden Tag arbeiten würden, und die Chefetage die Urlaubskurve so platt wie möglich übers Jahr verteilen will. Ihre schöne Grafik gegen unser Leben.

Schönrechnen für Fortgeschrittene

Der nun gar nicht mehr geheime Prüfbericht des Bundesrechnungshofes hat aus dem Dunkeln der Bahngrube ans Licht gebracht, dass bei der DB die Kosten für Stuttgart 21 noch schlimmer schöngerechnet wurden, als bisher befürchtet. 10 Milliarden sollen es in Wirklichkeit werden – statt ursprünglich 3 Mrd.

Wenn uns die sogenannten Führungskräfte mal wieder irgendwelche Zahlen um die Ohren hauen, dann wissen wir einmal mehr, wie viel Vertrauen wir deren doppeltkreativer Buchführung schenken können.


Marx
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