Revolutionär Sozialistische Organisation

Wenn Arbeitende zusammenhalten… immer eine gute Idee!

Donnerstag 20. Oktober 2016

Weit über 100 Flüge sind bei TUIfly und Air Berlin vorletzte Woche ausgefallen, weil die Flugzeugcrews reihenweise krank geworden sind. Was für eine fiese, hoch ansteckende Grippe! Gerade erst hatte das Management von TUIfly verkündet, mit Air Berlin und deren Großaktionär Etihad aus den Vereinigten Arabischen Emiraten einen neuen „Ferienflieger“ zu bilden, in dem ganz sicher die bisherigen Tarifverträge nicht mehr gelten, schon stieg reihenweise bei den Crews die Temperatur. Als Fiebersenkungsmittel blieb dem Management nichts anderes, als zurückzurudern und ein paar Versprechungen zu machen. Die Kolleginnen und Kollegen kehrten langsam wieder an die Arbeit zurück. Aber man weiß ja, nach heftiger Erkrankung zu schnell wieder zur Arbeit, rächt sich. Schwer vorstellbar, dass in Anbetracht der Pläne des Managements und der parallel laufenden Streichorgien bei Air Berlin die Crews beruhigt sind. Sie haben gezeigt, dass sie nicht widerstandslos hinnehmen wollen, was in Geheimverhandlungen über ihre Köpfe hinweg an Verschlechterungen entschieden wird. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass eine solche „Grippewelle“ grassiert. Immer wieder rächen sich Belegschaften mit Aktionen am Management, ohne dass es das in die Presse schafft. Bei der Berliner S-Bahn ging vor ein paar Jahren eine akute Krankheitswelle unter den Lokführern rum, als die Regelungen zur Arbeitszeit massiv verschlechtert werden sollten…

Kaiser’s-Deal auf dem Rücken der Beschäftigten

Die Arbeitenden müssen immer darauf vorbereitet sein, dass die Pläne der Unternehmen auf ihre Kosten gehen. Sie mögen heute das Blaue vom Himmel versprechen und dafür ein paar Zugeständnisse abluxen, aber wenn morgen der Poker um die Milliarden in eine neue Runde geht, haben die Arbeitenden nur eine Chance: wenn sie die Spielregeln der Bosse über Bord werfen und selbstbewusst mit eigenen Methoden für ihre Interessen auftreten.

Das Gezerre um Kaiser’s Tengelmann ist das neueste Beispiel. Vor zwei Jahren hat Kaiser’s-Chef Haub angekündigt, alle Filialen an Edeka zu verkaufen. Damit wurde eine neue Fusionsrunde im Lebensmitteleinzelhandel eingeleitet. Seit Jahren schlucken sich die Ketten gegenseitig. Jetzt teilen sich gerade mal fünf Supermarktketten 90 % des milliardenschweren Marktes.

Haub schrieb im Oktober 2014 einen mit Lobeshymnen und Danksagung an die Kollegen gespickten Brief, denen er „schweren Herzens“ die Botschaft zu übermitteln hatte, die verlustreichen Filialen verkaufen zu müssen. Solche Lügen werden zigfach verbreitet. Haub, dessen Familie laut Forbes 4,5 Milliarden besitzt und zu den reichsten 200 Menschen der Welt gehört, will einfach mehr Geld machen. Nämlich mit Obi, Kik, Netto und den Beteiligungen an Start-up-Unternehmen wie Zalando. Keine Träne weint er den Kaiser’s-Beschäftigten nach. Die von ihm ständig angedrohten Szenarien von Filialschließungen und Massenentlassungen sind Teil des Pokers. So hatte er von Wirtschaftsminister Gabriel die Ministererlaubnis für die Fusion bekommen. Und Gewerkschaft und Betriebsräte hatten Haub im Gegenzug für Beschäftigungszusagen den Rücken gestärkt. Jetzt ist der Deal geplatzt und die Filialen kommen einzeln unter den Hammer. Edeka kann sich Filetstückchen rauspicken und Haub wird auch dabei gut verdienen. Nur die Beschäftigten sollen auf der Strecke bleiben. Sie können nur mit ihrer Haut davon kommen, wenn sie weder auf die Verhandlungen, noch Gerichte oder Minister setzen, sondern über Supermärkte hinweg sich zusammenschließen.

Gegen die Entlassungen gibt es nur eine Lösung: Raus aus der Vereinzelung!

TUIfly und Kaiser’s sind heute in den Nachrichten. Aber dutzende Unternehmen bauen Stellen ab oder erpressen Belegschaften mit Entlassungen. In den letzten Tagen kündigten in Berlin MAN Diesel & Turbo 300 und Coca Cola 150 Entlassungen an. Die Commerzbank will 9.000 Stellen streichen. Auch Air Berlin will abbauen, sicher einige Hundert auch in Berlin und bei Siemens trifft die Streichorgie mehrere Berliner Standorte. Und das ist nicht mal alles.

Was alle Beschäftigten vereint: Wir müssen die Unternehmen zu zwingen, weder zu entlassen noch Stellen zu streichen. Nötig ist eine Umverteilung der Arbeit auf alle und ein Ende der prekären Beschäftigungen mit Leiharbeit und Werkverträgen. Die Verärgerung gegen die Unverschämtheiten der Unternehmen ist schon groß. Diese Wut müssen wir nutzen, um uns zusammenzuschließen. Wenn schon ein paar Krankmeldungen reichen, eine Airline auf den Boden zu zwingen, was wäre nicht noch alles möglich. Also, raus aus der Isolierung!


Marx
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