Revolutionär Sozialistische Organisation

Von knausrigen Bossen keine Geschenke erwarten: Nein zu den Entlassungsplänen!

Dienstag 13. Dezember 2016

Für die Arbeitenden von Bombardier gab es letzte Woche eine üble Bescherung. Der Bombardier-Chef kündigte einen „Transformationsplan“ an. Laut „Handelsblatt“ sollen 2500 Stellen in Deutschland wegfallen. Hennigsdorf ist besonders betroffen. Der Stellenabbau werde „sehr sanft“ erfolgen, heißt es. Der Berliner IG Metall-Chef forderte das Management auf, „endlich Klarheit zu schaffen über die weiteren Pläne“. Als ob da noch was unklar wäre…

Die Pläne bei Bombardier reihen sich ein in die lange Liste von Stellenstreichungen in diesem Jahr.

VW: 23.000 Stellen; Deutsche Bahn Cargo: 3000 Stellen; Air Berlin: 1.200; Commerzbank: 9600; Deutsche Bank: 4000; Linde (Industriegase): bis zu 4000; MAN Diesel und Turbo: 1000 Stellen, vor allem Hamburg und Berlin; RWE: 1600; Siemens: 1700; Eon-Tochter Uniper: Zahl unbekannt, vermutlich 5000 Stellen usw.

Dazu kommen der schleichende Abbau in vielen Betrieben und die Pläne, die nur regional bekannt werden (wie z.B. die fast-Schließung des Bahnwerkes in Eberswalde). Hinzuzurechnen sind auch die Zulieferer und Subfirmen, deren Überleben von den Betrieben abhängig ist.

Überall redet sich das Management ähnlich raus: Wettbewerb und Automatisierung seien verantwortlich. Als wären das göttliche Strafen, die auf die Menschheit niedersausten. Nein, der Konkurrenzkampf der Konzerne soll auf Kosten der Arbeitenden ausgetragen werden. Hinter den Ausreden versuchen sie ihre Sauereien zu verstecken.

Aber es entstehen ja neue Arbeitsplätze?

Das hören wir ständig. Doch die Anzahl neuer Jobs gleicht den Abbau nicht einmal aus. Und als wenn jeder mal eben auf Software-Ingenieur oder Cloud-Architekt umsatteln könnte. Nicht jeder wird seinen Platz in der Wolke finden.

Aber wenn doch die Arbeit weniger wird?

Der Bombardier-Chef begründete den Stellenabbau mit dem harten Wettbewerb und der Digitalisierung. Es ist aber keine ewige Wahrheit, dass bei weniger Arbeit durch Automatisierung weniger Leute beschäftigt werden müssten. In die Logik der Unternehmer passt nur nicht, dass die verbliebene Arbeit auf alle verteilt werden könnte. Alle arbeiten weniger bei vollem Lohn. Oder sogar mehr Lohn; schließlich steigen die Preise… und die Gewinne. Warum nicht? Heute schafft ein Autoarbeiter in einer Schicht viel mehr als früher. Umverteilung der Arbeit auf alle Beschäftigten und alle Arbeitslosen, das ist unsere Antwort!

Aber alles läuft doch „sozialverträglich“ ab?

Heutzutage sprechen die Vorstände davon, dass der Personalabbau „freiwillig“ ablaufe. Doch was ist daran „freiwillig“, wenn Druck aufgebaut wird, mit Abfindung zu gehen? Und wie „freiwillig“ gehen die tausenden Leiharbeiter, die einfach „abgemeldet“ werden? Was ist daran „sozialverträglich“, wenn man gezwungen ist, stundenlang zum neuen Arbeitsplatz zu fahren und die Familie nicht mehr sieht? Und wie „sanft“ ist die Arbeit für die Verbliebenen, die sich mit Mehrarbeit fertig machen? Dieses Geschwafel von „sozialverträglich“, das nicht wenige Gewerkschaftschefs genauso verbreiten, soll jeden von uns vereinzeln, individuell unter Druck setzen und gemeinsamen Protest gegen die Abbaupläne schwieriger machen.

Keiner kann mehr sagen, solche Pläne betreffen ihn nicht

Machen wir also das Gegenteil von dem, was die Bosse sich wünschen: Stellen wir was zusammen auf die Beine! Die Manager und Aktionäre halten trotz Konkurrenz in ihren Clubs und Vorständen dicke zusammen. Halten wir umso fester zusammen gegen diese Bande. Manchmal fängt es mit kleinen Aktionen an um zu zeigen, dass wir uns nicht wegducken, dass wir die Pläne ablehnen.

Mit Streiks und Protestaktionen, die wirtschaftlich Druck machen, könnten sich die Arbeitenden wieder Respekt verschaffen. Die Piloten von Lufthansa haben es vorgemacht und mit ihren Streiks die Pläne des Managements vom Himmel geholt. Betriebe, die die von Entlassungen bedroht sind, sollten nicht alleine bleiben. MAN, Siemens, Bombardier… sie könnten eine gemeinsame Antwort geben. Ideen für weitere Aktionen entstehen, wenn es viele Hände und Köpfe gibt. Wenn nicht jeder Betrieb mit symbolischen Aktionen für die Abendschau isoliert bleiben würde, wäre es sogar noch mehr als wirtschaftlicher Druck. Wir wollen unsere Jobs behalten, und dass unsere Kinder eine Zukunft haben!


Kurz gesagt:

Ich, Daniel Blake – ein Film von Ken Loach - zu sehen in allen guten Kinos

Daniel Blake lebt in New Castle, im heutigen Großbritannien… aber der Film könnte genauso gut in Berlin oder Pasewalk spielen. Daniel ist ausgebildeter Zimmermann, der über Jahrzehnte ordentlich seine Steuern bezahlt hat. Doch dann macht ihm das Herz schaffen und er muss seinen Job an den Nagel hängen. Das erste Mal in seinem Leben ist er auf Sozialleistungen angewiesen. Und so beginnt seine absurde Odyssee im Jobcenter. Dort begegnet er Katie und ihren beiden Kindern. Obdachlos geworden, wurden sie aus London nach New Castle, 400 km von der Familie entfernt, geschickt. „In London will man Menschen wie uns nicht“, sagt sie. Der Film zeigt die beiden Helden in ihrem Kampf gegen eine verrückte Bürokratie, die die Menschen zermürben soll. „Ich bin kein Hund, ich bin ein Mensch – ein Bürger, nicht mehr und nicht weniger“, verlangt Daniel Blake. Das Schicksal der beiden, ihre herzliche Beziehung miteinander, ihre Hoffnungen und ihre vom Regisseur mit großer Sympathie gemalten Portraits lassen einen tief berührt im Kinosessel zurück.

USA: Proteste für 15 Dollar Mindestlohn

Ende November haben Zehntausende Angestellte in vielen Städten und einigen Flughäfen der USA für 15 $ Mindestlohn und bessere Gewerkschaftsrechte protestiert. Beschäftigte der Flughäfen, von Fast Food-Ketten, Krankenhäuseren, Haushaltshilfen und Taxifahrer waren unter den Protestierern, aber auch Studenten von Unis und Colleges – nicht wenige wurden von der Polizei verhaftet.

Der US-weite gesetzliche Mindestlohn liegt bei 7,25 $, in manchen Bundesstaaten drüber. Seit 2012 gibt es immer wieder Streiks und Proteste für eine Erhöhung des Mindestlohnes.

Kurz nach den neuen massiven Protesten ernannte Trump ausgerechnet einen superreichen Fast-Food-Betreiber zum zukünftigen Arbeitsminister. Ein Typ, der Arbeitsrechte und Mindestlöhne hasst und Burger essende Frauen im Bikini liebt.

Nein, mit der Trump-Wahl ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Arbeitenden der USA zeigen sich nach der Wahl kein bisschen entmutigt.

Wer gehört hier auf die Anklagebank?

Der Fahrdienstleiter von Bad Aibling, der durch einen schrecklichen Fehler zwei Regionalzüge auf eine eingleisige Strecke geschickt und damit das Zugunglück mit vielen Toten und Verletzten ausgelöst hat, wurde nun zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Aber was ist mit der Verantwortung der Deutschen Bahn? Ein Sachverständiger von der Eisenbahnunfallbehörde hat vor Gericht mehrere Unzulänglichkeiten der Bahntechnik im Stellwerk kritisiert. Es habe „unpräzise Vorgaben“ gegeben. Die Formulierungen im Regelwerk hätten zwei Fahrdienstleiter zugrunde gelegt. Tatsächlich gab es nur einen, der mit sich selbst alle Absprachen und Abstimmungen ausmachen musste. Vier Augen sehen mehr, wie es früher mal war - die Bahn hat darauf verzichtet. Auch die Technik, die vor der Kollision gewarnt hätte, hätte längst nachgerüstet werden müssen. Auf dem Stelltisch hätten auch Glühlampen unsinnig rumgeleuchtet. Offenbar hatte sich in der Praxis eingebürgert, dass die Kollegen die Schaltfehler der Anzeige ignorierten. Kollegen des Angeklagten rügten auch die seltsame Notrufmeldung, bei der man sich in der Not zwischen zwei Knöpfen entscheiden musste… und der Angeklagte hatte in der Eile den Falschen gedrückt.

Am Ende soll dieser eine Kollege, der einen Fehler gemacht hat, die ganze Verantwortung tragen? Kein Zugunglück beruht allein auf „menschlichem Versagen“!


Marx
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