Revolutionär Sozialistische Organisation

Achter März – Der Kampf geht weiter

Dienstag 7. März 2017

Es soll Leute geben, die behaupten, der Frauentag sei ein unnützes Relikt aus alter Zeit und die Gleichberechtigung schreite voran. Falsch. Seit jeher wurden unsinnige „Erklärungen“ herangezogen, warum ein Teil der Menschen – so nun eben auch Frauen - völlig ungerecht behandelt und zum Nutzen der herrschenden Klasse besonders ausgebeutet werden. So wird selbst heute noch behauptet, Frauen seien schwächer, eher emotional und weniger intelligent als Männer. Wie soll man das aushalten? Unsere Urgroßmütter waren jedenfalls dazu nicht bereit und haben gekämpft.

Fifty-fifty für Männer und Frauen - weit entfernt davon auch hierzulande

Als Frau in diesem Land aufzuwachsen bedeutet, ein Leben lang mit Ungerechtigkeiten kämpfen zu müssen. Im Durchschnitt verdienen Frauen 21% weniger als Männer. „Soziale Berufe“ oder „Dienstleistungen“ werden eher schlechter bezahlt - der Frauenanteil ist dort allerdings am größten. Aber selbst da, wo wegen Tarifverträgen die gleiche Lohntabelle für Männer und Frauen gilt, haben es Frauen schwerer. Wenn es um die tarifliche Bewertung geht, wird die Arbeit von Frauen eher niedriger eingruppiert. Und Frauen kriegen seltener „verantwortungsvolle“ Aufgaben, obwohl sie natürlich genauso fähig sind. Wir sehen eher Männer als Einrichter an den Maschinen oder als Maschinenführer bei der Reinigung. Zudem arbeitet fast die Hälfte aller Frauen in Teilzeit, obwohl die meisten gerne mehr arbeiten würden. Zugleich wird Teilzeit schlechter bezahlt. Logischerweise läuft es auch bei der Rente für Frauen schlechter. Die Unternehmer finden immer irgendwas, warum die Arbeit von Frauen weniger wert sein soll, als die von Männern. Aber wir alle, ob Mann oder Frau, brauchen einen guten Lohn, der locker zum Leben, nicht nur Überleben, reicht.

Dabei arbeiten Frauen in der Regel um vieles mehr als Männer, bleiben doch am Ende meistens bei ihnen die Kinder und die Pflege der Eltern hängen. Die Last von Streichungen im Öffentlichen Dienst und bei sozialen Leistungen tragen dann in erster Linie die Frauen.

Die neuen Gesetze zu Frauenquoten in den Aufsichtsräten und zum Recht auf Informationen über die Gehälter von Männer und Frauen im Betrieb, mit denen sich die Bundesregierung schmückt, sind mehr als lächerlich und reine Alibiaktionen.

Hinter der Lüge von Gleichbehandlung - Angriffe auf die Rechte der Frauen

Frauen dieser Welt erbringen den allergrößten Anteil an Arbeit, doch sie erhalten nur ein Zehntel des Welteinkommens und besitzen nur ein Hundertstel des Eigentums.

Sogar das Recht der Frauen, darüber zu entscheiden, ob sie Kinder kriegen oder nicht, wird ständig in Frage gestellt. Polen, Russland, Spanien… das Recht auf Abtreibung wird abgeschafft oder wie in Deutschland und Frankreich wird es schwerer, eine Klinik zu finden, die Abtreibungen vornimmt. Jährlich sterben sogar mehr als eine halbe Million Frauen weltweit an den Folgen einer Schwangerschaft oder schlechter Versorgung bei der Geburt.

Als Mädchen auf die Welt zu kommen heißt auch, mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann im Leben sexueller Belästigung und Gewalt ausgesetzt zu sein. 331 Frauen wurden in Deutschland 2015 von ihren Partnern oder Ex-Partnern umgebracht. 25% aller Frauen erleben in ihrem Leben Gewalt durch den Partner. Die Schließung von Frauenhäusern und die niedrigeren Löhne, das macht es für Frauen schwieriger, diesem Gefängnis zu entkommen. Dazu kommt das Gegrapsche auf Partys, die ekligen Bemerkungen von Chefs…

Und vergessen wir nicht das Schicksal unserer Schwestern auf allen Kontinenten, die zu Tausenden in unzähligen Kriegen systematisch Opfer massenhafter Vergewaltigungen werden, in Bordelle verschleppt, zur Prostitution gezwungen und zwangsweise verheiratet werden.

Die Unterdrückung der Frauen ist ein Teil dessen, was in unserem heutigen System die Regel ist: Ungerechtigkeit, Ausbeutung und die Lüge, dass jeder die gleichen Chancen hätte, gut durchs Leben zu kommen. Und genau deshalb ist der 8. März überhaupt kein alter Hut.

Vor hundert Jahren, am 8. März 1917, schlossen sich die russischen Frauen massenhaft den Streiks der kämpfenden Arbeiter an und waren der Funke für die Revolution. Ein großartiges Beispiel für alle Unterdrückten. Lassen wir uns davon für unsere heutigen Kämpfe für unser aller Interessen inspirieren – die der Frauen und die der Männer.


Kurz gesagt...

Türkei-Deutschland: „dramatische Zuspitzung“ oder Wahlkampftheater?

Durch Behördenentscheidungen wurden letzte Woche mehrere Veranstaltungen türkischer Politiker in Deutschland untersagt. Der türkische Präsident Erdogan antwortete: „Ich habe gedacht, der Nationalsozialismus in Deutschland ist vorbei, aber er geht noch immer weiter“.

Die Aussage ist lächerlich. Dafür ist aber die Heuchelei von Merkel noch bemerkenswerter.

Merkel wiederholt gerne, dass sie die Meinungsfreiheit in der Türkei und die „Vielfalt der Gesellschaft“ im Herzen trage. Doch 2015 verhandelte sie mit demselben Erdogan ihren Flüchtlingsdeal ohne Rücksicht auf die Menschen, die unter Repression in der Türkei leiden. Innerhalb der letzten Jahre sind dorthin viel mehr Flüchtlinge als nach Deutschland gekommen. Manch­mal zu 8 in einem Zimmer zusammengepfercht, werden sie als Arbeiter wie Sklaven behandelt.

Dies ist aber Merkel egal: Gegen ein paar Milliarden der EU (die nie ganz bezahlt wurden) soll Erdogan als Gefängniswärter die Grenze Europas bewachen. Merkel und Erdogan versuchen ihre Bevölkerungen hinter sich zu bringen und gegeneinander aufzustacheln, da sie beide im Wahlkampf sind.

Doch wir Arbeitende haben unabhängig von Nationalität die gleichen Interessen gegenüber den Chefs. Lassen wir uns nicht von den Machenschaften der Politiker_innen spalten! Unter uns keine Mauern, und zwischen den Ländern offene Grenzen!


Marx
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