Revolutionär Sozialistische Organisation

Die Stadt gehört uns!

Donnerstag 6. April 2017

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Der Zugfunke - 6. April 2017
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Erlebnisse als Lokführer 4.0

Da stehste nun am Dienstantrittspunkt. Ob es der richtige ist, weißte aus Erfahrung oder es braucht Glück. Denn in der Dienstantrittsliste, in der du dich über die Folgeschicht zu informieren hast, steht dazu nichts. Tablet an… Wie war noch die PIN??? OK. Und durch die Ordnerstruktur gewühlt. Erst mal den Dienstauftrag… Suchfunktion an… Name? Kein Ergebnis! Schichtnummer? Kein Ergebnis!!! Also per Hand durchscrollen. Ist das ein Murks. Und die Uhr tickt.

Jetzt Weisungen anschauen, oder erst mal loslaufen und den Kollegen ablösen? Der will schließlich Feierabend machen. Tippel, Tappel... Tach und Tschüss. Den Fdl informieren, dass sich die Abfahrt noch verzögert, weil die neue Technik ohne vernünftige Schulungen eingeführt wurde und learning by doing eben etwas länger dauert.

Erste Weisung, zweite… zum Glück alles Sachen, die auch später gelesen werden können. Indusi-Nummer eingeben, Türen zu und los. Jetzt erst mal auf die Strecke konzentrieren und nicht vom Tabletkram ablenken lassen. Energie sparen fällt ja wohl auch aus, denn 5 Minuten Verspätung sind es schon geworden. Wie soll das alles gehen, wenn die La, La-Berichtigungen, Ersatzfahrpläne, Betriebsprogramm oder Umleitungsfahrpläne rausgesucht werden müssten? Alles in drei Minuten unter vollem Kundenkontakt! Das soll mir mal einer vormachen. Aber die Teamleiter sind nicht zu sehen, geschweige denn, es geht einer ans Handy, wenn sich Fragen auftun.

Also zügig los. Krawums und die Arbeit 4.0, in Form der technischen Wundermaschine, liegt auf dem Boden. Ja, eine vernünftige Halterung wäre sinnvoll gewesen. Findet das Display auf die Dauer bestimmt nicht so toll, aber ab mit dir unter Fahrplanklemmen.

Flupp ist das Display dunkel. Da ging doch irgendwo auch noch etwas einzustellen?!

Ach, waren das noch Zeiten, als man sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren konnte… na mal sehen, wie lange der Akku noch hält. Ach ja, wie war das noch mit den Ladeschränken? Mit nach Hause nehme ich den Kladderadatsch nicht auch noch. Feierabend bleibt Feierabend. Auch unter 4.0.

Der Dreh mit dem Tablet

Mit der Einführung der Tablets bei Regio haben die Dienstregler auch etwas vom Kuchen abbekommen. Das, was andere bisher machten, haben sie jetzt auf dem Tisch und dürfen die Daten selbst in Dilock (Software) einspeisen. Da ein paar Minuten, hier die Arbeitsdichte erhöht – die Schraube kann weiter anzogen werden. Kein Wunder, dass die Chefs bei der kleinsten Kritik zurückkläffen, als wenn ihnen die „Jahresendprämie“ gestrichen würde.

Versuch macht klug

Als in der Werkstatt Cottbus die Arbeitszeit abgesenkt wurde, weil ja angeblich keine Arbeit da war, wussten fast alle, das sind Zahlenakrobaten aus der Chefetage, die da etwas ausprobieren wollen. Nun sollen fast alle Schichtpläne auf 39 Stunden angehoben werden. Nur kein Kollege will wieder mehr arbeiten. Der Versuch hat gezeigt: Das Leben ist viel zu kurz und zu schön mit ein wenig mehr Freizeit.

Je größer die Selbstbeweihräucherung, desto größer die Skepsis

„Die Tarifvertragsparteien verfolgen das gemeinsame Ziel, eine nachhaltige Reduzierung der besonderen Belastung und Verbesserung der Planungssicherheit des Zugpersonals zu erreichen.“ So steht‘s schwarz auf weiß in einem der vielen Tarifverträge. Die DB verfolgt das Ziel, unsere Belastung zu senken? Ach ja?

„wir betreten tarifliches Neuland...“? Dabei ist das ein alter Hut und eine alte Forderung, dass wir nicht erst spät die Dienste erfahren und die dann auch noch geändert werden. Ist auch noch nicht so lange her, dass wir in festen 8-Stunden-Schicht-Rhythmen gearbeitet haben. Und der jetzt angepriesene Jahresruhetagsplan verdient nicht mal den Namen „Plan“, bei soviel weißen ungeplanten Stellen. Und für die eine Stunde Arbeitszeitverkürzung zahlen wir letztlich.

Freudentänze der Verhandlungsleute von DB und Gewerkschaftschefetagen dort, reale Probleme hier – der Widerspruch ist nicht zu übersehen.

Großmutter, wieso kennst du dich so gut mit Tarifverträgen aus?

Wachendorf hat auf der letzten Betriebsversammlung angeboten, dass das Unternehmen die Schulung zu den neuen komplizierten Tarifverträgen übernehmen könnte. Man könnte auch erklären, was da bei den Arbeitszeitregelungen angepasst werden muss.

Gaaanz unabhängig natürlich… Glauben wir gerne, dass die S-Bahn schon präzise Vorstellungen hat…

Eskalationstraining

„Eine Durchsage an alle Fahrgäste: Seid doch mal ganz gechillt!“ Vielleicht klappt es ja so mit der Deeskalation, die wir für den Kundenkontakt künftig trainieren sollen; vielleicht auch noch ne Klangschale dazu? Und wenn es nicht klappt, dann haben wir uns wohl nicht deeskalierend genug verhalten?? In Wahrheit eskalieren Situationen, weil überall der Sparstift angesetzt wird und zu wenig Personal zu Stress für alle Beteiligten führt. Diese Eskalation wird auch trainiert – in Managementseminaren.

Fake News zum Güterverkehr

Bei Cargo soll weiter gespart und Stellen gestrichen werden. Die Zahlen seien so schlimm. Aber mal ehrlich – was da im Konzern hin und her gerechnet wird, lässt Gewinne und Verluste da entstehen, wo es der Konzernzentrale passt – zum Beispiel über die Trassenpreise. Der Konzern hat Gewinn gemacht und es gibt keinen Grund, nicht alle Arbeitenden zu behalten und gut zu bezahlen! Sowieso gehört mehr Güterverkehr auf die Schiene. Aber die kapitalistische Konkurrenz führt eben nicht dazu, dass effizienter im Sinne der Umwelt gewirtschaftet wird (noch so eine fake news), sondern nur dazu, dass Profite über alles andere gehen!


Marx
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