Revolutionär Sozialistische Organisation

Die Stadt gehört uns!

Donnerstag 6. April 2017

„Im Durchschnitt war der Teich einen Meter tief –

und trotzdem ist die Kuh ersoffen.“ An dieses alte russische Sprichwort fühlte sich neulich erinnert, wer den Großen Vorstehenden Karl Max Einhäupl über angebliche „pädiatrische Überversorgung in Steglitz“ schwadronieren hörte. Er meinte damit die im CBF vorgehaltene pädiatrische Notversorgung, die in seinen Augen angesichts der Zahl der niedergelassenen Kinderärzt_innen pro Kopf im Bezirk… ja, geht’s noch, Herr Professor? Wenn mit meinem Kind nachts was ist, wo fahr ich da hin? Klar, ins größte Krankenhaus nebenan, da hilft mir ihre Statistik über Kinderärzt_innen auch nicht weiter. Ruhig mal Herz und Hirn einschalten – nicht immer nur die Brieftasche.

Warme Worte auf Pustekuchen

Man brauchte wirklich viel Geduld um die letzte „Hart aber fair“ - Sendung zu ertragen. Gesundheitsminister Gröhe und der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft hatten der Krankenschwester Jana Langer nicht mehr zu bieten, als Beschwichtigungen und leere Phrasen. Denn überhaupt ist doch alles nur halb so schlimm. „Die Menschen sind gut aufgehoben in den deutschen Krankenhäusern“, so deren Fazit. Das liege zum einen am tollen Personal und sei gleichzeitig daran zu sehen, dass Deutsche im Urlaub aus dem Ausland gern nach Hause in die Kliniken wollten, anstelle sich im Ausland behandeln zu lassen. Nee, schon klar. Vielleicht liegt es auch daran, dass man sich bei Diagnosen und Befunden in seiner Muttersprache besser aufgehoben fühlt als in einer Fremdsprache? Aber daran sieht man mal wieder, wie die Herren sich die Welt schönreden und schönrechnen. Es ist auch ihre Verantwortung, dass die Situation an den Krankenhäusern so ist wie sie ist. Es ist Zeit, dass sie das auch zu spüren bekommen, denn von ihren warmen Worten bekommen wir nur noch Bauchgrummeln.

Was ist krasser?

Ja, es ist krass und eine Frechheit, dass der KAV im Saarland erst Gesprächsbereitschaft signalisiert – natürlich unter der Bedingung, dass der Streik abgesagt wird – und kaum ist der Streik abgeblasen, will er von Gesprächsbereitschaft nichts mehr wissen. Aber noch viel krasser ist doch, dass man jedes Mal dieses doofe Spiel mitmacht. Jedes Kind weiß, dass wir mündlichen Zusagen der Chefs nicht trauen können. Und jeder weiß auch, dass sie alles tun, um den Streik zu behindern. Jedoch gehört auch zu unserer Erfahrung, dass die Chefs sich nur dann bewegen, wenn sie fühlen müssen. Und das tun sie am besten durch Streiks. Das ist unsere Waffe. Kampagnen (wie die aktuelle zur „Entlastung“) sind gut und schön für die Öffentlichkeit – richtig Eindruck bei den Verantwortlichen machen jedoch nur Streiks. Die Warnstreiks vom 27.03. können da nur ein Anfang gewesen sein.

Rechenschiebereien

Die Lurati freut sich im Intranet unter dem Titel „Positives Jahresergebnis 2016“. Worüber? „… das wir in 2016, besonders im Bereich der Pflege, neue Kolleginnen und Kollegen gewinnen konnten…“ Nun wären 17.100 Beschäftigte im Konzern. Ja, so viel Ehrlichkeit hat sie. Diese würden u.a. die Versorgung von 695.000 Patient_innen sicherstellen. In ihrer Freude ist ihr gar nicht aufgefallen, dass dem Dolderer von der Unternehmenskommunikation offenbar ganz andere Zahlen vorliegen. Dieser gibt zum Leid vieler Bäume ein Blatt namens Charité kompakt heraus. Dort wird die Zahl der 2016 ambulant behandelten Patient_innen mit 663.000 angegebenen. Die Zahl von uns Beschäftigten liegt demnach bei 16.850! Uns fällt aber sehr wohl die Differenz von 250 Beschäftigten auf. Denn fast genau in dieser Zahl, nämlich 200, suchen wir tagtäglich die angeblich zusätzlich eingestellten Schwestern. Leider bisher vergebens. Da es auf Ostern zugeht: Wir suchen auch die gestrichenen Diätassistent_innen, die fehlenden Sozialarbeiter_innen für die Beratung der ambulanten Patient_innen oder auch die Reinigungskräfte für die schönen großen Zimmer im Hochhaus.

Mann Frei - wirklich?

Ja, Herr Frei, wir haben ja Verständnis dafür, dass das Zahlenwirrwarr auch sie als Vorstand durcheinanderbringen kann. Doch sollten sie dann etwas weniger abfällig über unsere Forderung nach einer spürbaren Entlastung durch mehr Personal reden. Wie jüngst in der Morgenpost geschehen. Eine Entlastung von der wir auch nach einem Jahr TV - GS nichts spüren. Sie behaupten 200 Schwestern sind zusätzlich eingestellt worden, also plus Fluktuation, gleichzeitig wären Leasingkräfte abgebaut worden. Nach ihrer Behauptung im Äquivalent von 50 Vollkräften. 2016 wurde die „stationäre Leistungssteigerung“ mit 2,7% angegeben. Von einer Angabe zum Krankenstand (bei Überarbeitung) sehen sie ganz ab. Und behaupten immer noch, es wäre zu einer spürbaren Entlastung der Beschäftigten gekommen?

Nächstenliebe gibt’s nicht!

Auch im ach so christlichen Abendland wird von Nächstenliebe und Co nichts mehr gehalten. Das katholische Franziskus- Krankenhaus in Berlin-Tiergarten hat 34 langjährige Kolleg_ innen entlassen und mit billigerem Personal aus Servicetöchtern ersetzt, da das Krankenhaus seit Jahren rote Zahlen schreibe. Die Mitarbeiter_innen dürfen dagegen nicht mal streiken, da für kirchliche Betriebe Sonderreglungen herrschen! Und das zeigt uns auch mal wieder: selbst die mit christlich-moralischem Anspruch halten nichts von Nächstenliebe, wenn die Profite nicht stimmen. Wir können also nur auf uns zählen, nämlich auf die, die unter diesen Sparzwängen leiden!

Leuchtturm Mitte

Das Bettenhochhaus in Mitte strahlt und leuchtet mit seiner weißen Fassade über ganz Berlin und manch Klinikdirektor behauptet sogar, dass Mitarbeiter_innen und Patient_innen vom Bettenturm begeistert seien. Meint der Herr damit etwa die tropfenden Wasserhähne, die kaputten Fahrstühle und Elektro-Türen, die abgewetzten Böden im OP oder sogar die herunterfallenden Deckenplatten?


Vitamin C vom 06.04.2017

Marx
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