Revolutionär Sozialistische Organisation

Arbeit der Zukunft?

Freitag 5. Mai 2017

Dieser Begriff mutet fast schon gruselig an. Schließlich haben sich die Arbeitsbedingungen quer durch alle Branchen in den letzten Jahren allgemein verschlechtert. Beispielsweise werden bei der Bahn Diensttablets ausgegeben, um die Kolleg_innen dazu zu bringen, ihre Arbeitsunterlagen schon zu Hause zu studieren; in Krankenhäusern gibt es immer dreistere „Angebote“ der Chefs zu sogenannten „Flexi-Schichten“ und eine stetige Erhöhung der Bettenauslastung; und in der Metall-Industrie treiben Roboter die Automatisierung voran, während die menschliche Arbeit verdichtet wird. Errungenschaften, die sich die Arbeiterklasse in den letzten 100 Jahren bitter erkämpft hat, werden aufgeweicht oder ganz abgeschafft. So arbeiten mittlerweile 43 % der Lohnabhängigen in Deutschland regelmäßig am Wochenende! Nachzulesen im „Weißbuch Arbeiten 4.0“ von Arbeitsministerin Andrea Nahles, in dem die Wunschliste der Unternehmen dokumentiert ist.

Flexibel alle Schranken der Ausbeutung aufheben

„Moderne Kommunikationsmittel ermöglichen orts- und zeitflexibles Arbeiten“, stellt der Unternehmerverband BDA fest. Deshalb sollen wir Arbeit mit nach Hause nehmen und immer und überall verfügbar sein! Die Unternehmen wollen weitere Ausnahmen bei der maximalen Tagesarbeitszeit von zehn Stunden. Verschiedene Unternehmensverbände – wie beispielsweise die Gastro- und Hotelbranche – fordern seit langem, überhaupt nur noch eine wöchentliche Maximalarbeitszeit von 48 Stunden einhalten zu müssen. Es kippelt auch die im Arbeitszeitgesetz vorgeschriebene Ruhezeit bis zur nächsten Schicht von mindestens elf Stunden. „Wir müssen uns fragen, ob das im Zuge der Digitalisierung noch zeitgemäß ist“, sagt ein Spitzenfunktionär der Metall-Industrie von Nordrhein-Westfalen. Und die SPD-Arbeitsministerin ist zu Diensten: In einer mehrjährigen „Experimentierphase“ sollen jetzt flexiblere Arbeitszeiten ausprobiert und danach als Änderungen ins Arbeitszeitgesetz fest übernommen werden.

„Ich warne allerdings davor, das Thema mit der normalen Entgelt-Tarifverhandlung zu verknüpfen. Eine solche Regelung kann man nicht erstreiken. Das ist viel zu kompliziert", meint der Hauptgeschäftsführer von Metall NRW. Klar, das er das sagt – die Unternehmen wollen selbstverständlich unsere Arbeitswelt umgestalten, ohne dass wir unsere Interessen im Streik erkämpfen.

Schreckgespenst Digitalisierung

Damit wir all diese Zumutungen akzeptieren, versuchen sie uns zu erpressen: Sie verbreiten, durch die neuen Techniken würden so viele Arbeitsplätze überflüssig, dass man sich doch glücklich schätzen müsse, wenn man überhaupt noch Arbeit hat.

Dabei sind technische Umwälzungen des Produktionsprozesses so alt wie der Kapitalismus selber. Neue Maschinen oder Computer erhöhen die Produktivität, immer weniger Leute verrichten immer mehr Arbeit in derselben Zeit. Dabei ist es nicht mal so, dass die heutige Digitalisierung einen besonders starken Produktivitätsschub bringen würde, im Gegenteil: In den 90er Jahren betrug die Produktivitätssteigerung noch durchschnittlich 2,1 % pro Jahr, für die letzten 10 Jahre sind es nur noch 0,75 %.

Trotzdem war es schon immer so, dass mit jeder neuen Maschine und jedem Roboter Jobs gestrichen wurden. Das kann in dieser Gesellschaft gar nicht anders sein. Kapitalistische Produktion heißt, die Unternehmen bestimmen über unsere Arbeit, über die eingesetzten Mittel, Arbeitsabläufe und Ergebnisse. Den Unternehmen ist egal, was für Schicksale das für die Betroffenen bedeutet. Das Kapital macht, was „sich rentiert“ und nicht das, was sinnvoll für die Gesellschaft ist. Man sieht das am Einsatz von Maschinen in den verschiedenen Ländern. In China werden nur 36 Maschinen je 10.000 Arbeiter eingesetzt, in Deutschland dagegen 292.

Es geht auch anders

Digitalisierung könnte viel Gutes bedeuten und uns allen die Arbeit erleichtern – ohne dass irgendwer Angst vor Arbeitslosigkeit zu haben bräuchte. Es müsste nur die vorhandene Arbeit auf alle verteilt werden, alle würden weniger arbeiten – bei vollem Lohnausgleich natürlich. Das Geld dafür ist da, wie die verschenkten 31 Mrd. an die Aktionäre der 30 größten DAX-Konzerne beweisen. Aber nur durch unsere breite, entschlossene Mobilisierung können wir das durchsetzen. Denn nicht die Digitalisierung oder der Roboter vernichten unsere Arbeitsplätze, sondern die Kapitalisten. Es wird Zeit, dieses System in Frage zu stellen. Für die Zukunft unserer Arbeit!


Marx
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