Revolutionär Sozialistische Organisation

Todesursache: Armut & Profitgier

Donnerstag 29. Juni 2017

…und nicht auf den Knien…

Seit Jahren machen wir die Erfahrung, dass die Verantwortlichen in Charité, Vivantes und in der Politik alles tun, um durch Ausgliederung und Verschlechterung unserer Arbeitsbedingungen Kosten zu sparen. Wir machen auch die Erfahrung, dass alle Verbesserungen stets nur das Ergebnis unseres Widerstandes waren. All das bedenkend, stellen sich doch zunehmend Fragen, wenn wir uns einige der letzten Veröffentlichungen unserer Organisationen – verdi, gkl, Marburger Bund – aufmerksam durchlesen. Da wird an die „Vernunft der Aufsichtsräte“ appelliert, da wird „Hoff-nung, dass die Politik Mindestbesetzungen festlegen möge“ ausgedrückt. Können wir ja alles machen. Aber der Ton erinnert uns fatal an Urgroßvater, wenn er mit der Mütze in der Hand und gesenktem Blick vor seinem Gutsherrn stand. Kolleginnen und Kollegen Gewerkschafter, wir sind nicht irgendwelche Knechte, wir sind die, die den Laden hier schmeißen! Also Kreuz durchdrücken und den Herren frei ins Gesicht geblickt – wir betteln nicht um Wohltaten, wir verlangen einfach das, was uns für unsere Arbeit zu-steht.

Mörderischer Personalmangel

Jetzt spricht selbst das Bundesgesundheitsministerium von bis zu 15.000 Todesfällen jährlich durch multiresistente Krankenhauskeime, von denen mindestens ein Drittel als vermeidbar eingestuft wird. Dabei ist der Zusammenhang mit fehlendem Pflegepersonal und der Ausgliederung der Reinigung offensichtlich. Je nach Stationsgröße geben z.B. 17 bis 40% der Pflegekräfte an, die Händedesinfektion wegen des hohen Arbeitsdrucks zu vernachlässigen. Trotzdem wird durch die Verantwortlichen der Kostendruck weiter aufrechterhalten. Das kann in dem herrschenden System der Fallpauschalen und Gewinnorientierung auch gar nicht anders sein. Ziemlich unsauber.

Mitglied bei der gkl?

Ist man ein Solches, darf man sich freuen über den Eintritt der Charité in den Kommunalen Arbeitgeberverein (KAV), denn die gkl begrüßt dies. Sie freut sich und fordert nun den Erhalt der Besonderheiten des TV-C. Doch kein Wort zu unserm jahrelangen Kampf um mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Auch gkler waren doch dabei. Kein kritisches Wort zu dem voreiligen Abschluss des Marburger Bundes, der wieder einmal einen gemeinsamen Kampf zur Durchsetzung unserer Interessen verhindert und eine Sonderstellung der Ärzteschaft auch im KAV und da-mit eine Spaltung festschreibt. Wir schreiben das hier schon recht abgenervt, aber eigentlich wundert es uns nicht. Denn immer wieder müssen wir erleben, wie Gewerk-schaften, egal welchen Namens, ihre Organisationsinteressen über das Interesse der Belegschaften stellen. Über deren Interesse, Verbesserungen ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen in erfolgreichen, weil gemeinsamen, Auseinandersetzungen durchzusetzen. Darum müssen wir auch und fortlaufend Druck auf die Gewerkschaft ausüben, in der wir nun mal gerade Mitglied sind.

Mitglied bei ver.di?

Ist man ein Solches, dann weiß man noch gar nichts vom Beschluss, die Charité in den KAV eintreten zu lassen. Und damit konnte auch noch nicht diskutiert werden: Im TVÖD findet sich keine Regelung zu Mindestbesetzung und Gesundheitsschutz, wann beginnen wir also, diese Regelungen als deutliche Verbesserung des TV-GS an der Charité durchzusetzen? Wie verhindern wir einen Kuhhandel, bei dem die Festlegung von Mindestbesetzungen dem Erhalt von Regelungen aus dem TV-C geopfert wird? Wie nutzen wir den Eintritt der Charité in den KAV für gemeinsame Kämpfe? Denn mehr Personal tut in allen Häusern not! Die Charité flüchtet vor unseren Forderungen in den scheinbaren Schutz eines großen Verbandes. Wie überwinden wir die immer wieder geschürte Spaltung zwischen den verschiedenen Berufsgruppen in der Charité? Und nicht zu-letzt: Wann gibt es das nächste Tarifberater – Treffen? PS: Wann endlich unterstützen wir die CFM-Kolleg_innen durch gemeinsamen Streik?

Heut ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!

Also, diese Woche haben VSG und CFM zusammen gestreikt – schon Mal sehr gut, eigentlich fehlt da nur noch die Charité. Doch leider ist uns die weitere Ausweitung der Kämpfe bisher nicht gelungen. Es gehen Gerüchte um, dass erst die VSG zu Ende verhandelt wird und sich die CFM danach richtet. Nachdem Wunsch von Geschäftsführungen, Senat und anderen Interessierten wird man jetzt versuchen, VSG und CFM zu spalten - mit unterschiedlichen Tarifverträgen. Für beide wird es sicherlich solche unter Rot-Rot-Gün geben, doch Herr Müller dürfte mit den angekündigten 11 € die obere und nicht die untere Grenze vorgegeben haben. Es sollte uns doch auch sehr wundern, wenn nicht Elemente aus dem Eckpunktepapier 2011 wie-der auftauchen wie z.B. Arbeitszeitkonten oder geteilte Dienste. Denn auch unter 2RG sind die CFMler diejenigen, die für die schwarze Null der Charité verzichten sollen. Politischer Druck allein ist Illusion, es gilt jetzt bereits sich auf die nächsten Auseinandersetzungen auf betrieblicher und zwischenbetrieblicher Ebene vorzubereiten. Dazu gehört vor allem, den Kontakt zu den Kolleg_innen in der eigenen Bude und den anderen Betrieben nicht zu verlieren, gemeinsam gegen Schikanen der Chefs vorzugehen und sich nichts gefallen zu lassen. Und vor allem: Nicht spalten lassen!

Unikliniken – universal bescheiden

Laut einem Bericht der Süddeutschen degenerieren deut-sche Unikliniken immer mehr zu „unattraktiven Arbeitgebern“. Gründe sind „enormer Leistungsdruck, ständiger Zeitmangel, starre Hierarchien und erhebliche Gehaltgefälle“ sowie die „chronische Unterfinanzierung“ und die Ausrichtung auf „Effizienz und Erlöse“. Das können wir an der Charité nur bestätigen: viele junge Ärzt_innen und Pfleger_innen gehen nach wenigen Jahren, weil die Arbeitsbedingungen und der Druck nicht zu ertragen sind. Bei den Kolleg_innen der CFM wird noch eins drauf gesetzt mit krasseren Schikanen und miesen Löhnen. Doch sollten wir Kolleg_innen aus anderen Häusern fragen, werden sie uns sicherlich ähnliche Geschichten erzählen. Bei all den Problemen helfen auch keine Gefälligkeitsrankings von Focus & Co!

Ausbeutung kennt keine Grenzen

Der gut bekannte Klinikkonzern Fresenius beutet nicht nur in Deutschland aus. An verschiedenen Fresenius-Standorten in New York City gab es in den letzten Wochen mehrere Warnstreiks für höhere Löhne, eine bessere Altersversorgung und die Wiedereinführung von Erfahrungsstufen. Alle Zugeständnisse der Kolleg_innen, wie z.B. der Verzicht auf Lohnerhöhung für ganze sechs Jahre oder die Heraufsetzung des Betreuungsschlüssels haben Fresenius nicht zum Einlenken gebracht. Stattdessen gab es einen weiteren feuchten Traum der Konzernleitung: die Betriebe gewerkschaftsfrei machen. Und wir sehen mal wieder, Konzernen ist es egal, wo sie Profite machen, doch die Methoden sind die gleichen.


Vitamin C vom 29.06.2017

Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 237372

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Aus den Betrieben  Aktivitäten verfolgen Charité   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.29