Revolutionär Sozialistische Organisation

Kinder - die schwächsten Opfer dieser Gesellschaft!

Sonntag 15. Juni 2008

Der Armuts- und Reichtumsbericht hat wieder einmal bestätigt, was wir alle täglich erleben. Immer mehr Arbeiter und Arbeiterinnen verdienen immer weniger. 14,9 Mio. Menschen müssen mit weniger als 870 Euro netto im Monat nach Hause gehen und damit auch noch ihre Familien ernähren. Vor allem Alleinerziehende und Einwandererfamilien sind betroffen. Dieser soziale Abstieg von Arbeitenden und die dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit hat selbstverständlich Folgen – besonders für Kinder und Jugendliche. 2,5 Mio. Kinder leben heute unterhalb der Armutsgrenze. In Berlin ist mittlerweile fast jedes dritte Kind betroffen. In diesen Familien führen Perspektivlosigkeit und die gesellschaftliche soziale Kälte zu immer mehr Fällen von Verwahrlosung, Vernachlässigung oder gar Misshandlungen. Doch was wird dagegen getan, außer sich in der Presse über die Zustände betroffen zu geben?

Die Beschäftigten der Jugendämter schlagen angesichts der Zustände seit Jahren Alarm, der jedoch von den Regierenden regelmäßig überhört wird. Diese Verantwortlichen verschärfen die Situation auch noch durch ihre rücksichtslose Sparpolitik. In Bremen allein, wo der traurige Fall des toten Jungen Kevin Skandal gemacht hatte, wurde zuvor ein Drittel des Personals in der Abteilung „Junge Menschen“ abgebaut. Dies, um 5 Mio. Euro einzusparen, wie eine Unternehmensberatung empfahl. In Schwerin wurde innerhalb von 10 Jahren ein Viertel der Sozialarbeiter abgeschafft und in Berlin, wo die meisten Kindesmisshandlungen gemeldet werden, kürzte man infolge der Bankenpleite die Ausgaben der Jugendhilfe von 450 Mio. auf 319 Mio. Euro. Und das ist noch nicht das Ende, denn es ist z. B. Ziel des Berliner Senats, Kosten zu sparen und Arbeitsabläufe „noch effizienter“ zu gestalten, was nichts anderes bedeutet als den Abbau von weiteren 400 Sozialarbeiterstellen in Berlin bis 2011. In einer Zeit, wo die soziale Not zunimmt, wird bei der Bevölkerung also immer weiter der Gürtel enger geschnallt oder soziale Einrichtungen wie Kinderheime, Jugendclubs und Suchtberatungsstellen werden privatisiert, damit sich private Unternehmen bereichern können. Ob die Betreuung wirklich optimal läuft, steht dann auf einem anderen Blatt.

Auch im Bereich der Schulen wird abgebaut und der Trend geht Richtung Privatschulen. Diese schießen in den letzten Jahren aus dem Boden und werden zu über 90% mit staatlichen Mitteln finanziert! Innerhalb von 12 Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt und so sind nun schon 6,7% aller Schulen in privater Hand. Die öffentlichen Schulen hingegen sollen sehen, wo sie bleiben, wenn sie privaten Unternehmern keinen Einfluss auf das „Schulgeschäft“ geben wollen. Die Kinder der ärmeren Schichten, die sich kein Schulgeld leisten können, sollen sich mit schlechteren Lernbedingungen zufrieden geben. Denn es fehlt bekanntlich chronisch an Lehrern und Sozialpädagogen. So fällt beispielsweise in Berlin bei gut einem Zehntel der Schulen gar jede 10. Stunde aus! Um dem abzuhelfen, gibt der Berliner Senat vor, etwas zu tun – und schloss im Sommer 2007 Schulen oder legte sie zusammen! Der Bildungssenator Zöllner rühmt sich auch im Augenblick wieder, dass er angeblich 450 „Neueinstellungen“ für das neue Schuljahr 2008/09 geplant habe. Doch seine Zahlen sind alle nur schöngerechnet. In Wahrheit wird es lediglich 44 echte Neueinstellungen geben – der Rest sind Einstellungen des jetzigen Schulhalbjahres, Ersatz für Lehrer, die in den Ruhestand gegangen sind oder Stellen auf Leitungsebenen. Und obendrein werden vom Senat auch noch Stellen im Bereich der Sonderpädagogik gestrichen!

Die Politik im Bereich der Kinder und Jugendlichen ist verantwortungslos – genauso verantwortungslos wie sämtliche Reformen der letzten Jahre. Sie hat nur zur Verschärfung der Probleme beigetragen, die diese kapitalistische Gesellschaft verursacht hat. Doch wir dürfen nicht glauben, dass sich daran nichts ändern lässt. Viele Schüler haben schon Ende Mai mit ihrem Protest in Berlin gezeigt, dass man nicht resignieren darf, sondern dass man sich gemeinsam zur Wehr setzen muss. Wenn wir beginnen, uns zusammenzuschließen und die Proteste in die eigene Hand nehmen, dann können wir nicht nur Verschlechterungen verhindern, sondern auch Verbesserungen erkämpfen!


Marx
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