Revolutionär Sozialistische Organisation

Ein System, das nicht nur Piloten krank macht

Donnerstag 19. Oktober 2017

PDF - 200 kB
Der Zugfunke - 19. Oktober 2017
als pdf

Nicht ohne

Der Sturm war schon ziemlich heftig. Doch dass gleich die halbe DB über so lange Zeit stillgelegt wird, ist hausgemacht. Vor dem Sparzeitalter gab es auf jedem größeren Bahnhof eine Bahnmeisterei mit Personal und einem SKL. Es gab entlang der Strecken viele Bahnbetriebswerke mit Rangierloks und Tfs in Bereitschaft. Ja es gab sogar ausreichend Dieselloks zum Schleppen, wenn die „Strippe“ unten lag.

Das heutige System der Streckenwartung über Fremdfirmen, der Minimalplanung und des Mangels kann auf solche Situationen nicht mehr reagieren. DB Netz muss das Handtuch werfen und die Fahrgäste durch eine Totalsperrung ganzer Teilnetze vor dem Unvermögen der DB schützen.

Ein Sturm kommt selten ganz überraschend

Havarie ausrufen, darin ist die S-Bahn gut. Aber es war schon ganz schön ne Katastrophe, als der Sturm tobte. Was wurde vorbereitet? Was wurde gemacht, um das Ganze gut in den Griff zu kriegen, für die Fahrgäste aber auch für uns?

Wäre da nicht unsere „Selbstverwaltung“, es wäre echt schlimm gelaufen. Die Zeiten mit dem Sturm beweisen, wie gut wir in Selbstorganisation sind! Das sollten wir mal für andere stürmische Auseinandersetzungen im Kopf behalten, wenn es um unsere Interessen geht!

Herrlich ehrlich

Regio Nordost hat sich für die Einsatzbereitschaft während des letzten Sturms bedankt. Einige Berufsgruppen wurden ganz besonders hervorgehoben. Nur die Zugpersonale, die auf den Zügen festhingen und die Fahrgäste betreut haben, wurden…. „vergessen“! Na da waren die Strategen mal ungewollt ehrlich, denn besser können sie nicht ausdrücken, was wir in ihren Augen wert sind.

Diese geheuchelten Dankesschreiben können die sich auch klemmen. Keine Schichten mehr vor 5 Uhr oder generell Doppelruhen für Schichtarbeitende, das wären doch Beispiele für wirklich ehrlichen Dank.

So wird ein Schuh draus

Weil der Tarifabschluss die Ankündigung von Schicht­änderungen ein wenig verbessert, ist Regio der Meinung, die bisherigen Basispläne abschaffen zu müssen. Sie behaupten, dass Basisplan und Tarifregelungen nicht „kompatibel“ wären. Dabei brauchen sie die Basispläne als Planungsgrundlage „im Hintergrund“ weiterhin.

Damit liefern sie den Beweis gleich mit, dass es keine sachliche Begründung gegen die Basispläne gibt. Es geht nur um die typische Reaktion der Chefetage, wenn wir mehr Planungssicherheit für unser Leben durchsetzen wollen: Die in den Basisplänen langfristig festgelegten Ruhen sind ihnen ein Dorn im Auge, weil sie einen neuen Weg suchen, ihre mangelhafte Planung auf uns abwälzen zu können.

Basispläne und die neue Einsatzplanung sind sehr wohl vereinbar. Änderungen durch Feiertage und langfristige Bauarbeiten sind lange genug bekannt und lassen sich weit im Voraus planen. Wir brauchen unsere festen Ruhezeiten und haben es satt, alles Unvermögen und nicht-Wollen im DB-Konzern auf unsere Schultern zu nehmen und mit unserer Freizeit auszugleichen.

Mehr Zeit und mehr Geld!

Für die kommende Metall-Tarifrunde fordert die IG Metall die Möglichkeit einer befristeten Arbeitszeitabsenkung auf 28 Wochenstunden. Allerdings sollen das die Arbeitenden durch Lohnverzicht selbst finanzieren. Dabei sind Produktivität und Gewinne der Unternehmen so groß, dass es Zeit wäre, eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich zu fordern. Das könnte auch Berufs- und Gewerkschafts-übergreifend alle Arbeitenden mobilisieren.

Urlaubsplanungsrätsel

Noch bis Ende November werden die bettelnden Anrufe kommen, ob nicht eine Woche Urlaub hier oder da reichen. Man ahnt wie die Köpfe bei der S-Bahn rauchen, denn die ganze Urlaubsplanung passt wegen zu wenig Leuten gar nicht. Und wegen der nach dem Tarifvertrag neu einzuführenden Vorausplanung müssten ja schon Mitte November die Dienste für Januar kommen. Das Chaos ist absehbar.

Nur nicht sicher, wofür die Geschäftsführung mehr Hirnschmalz verwendet: um schnell gute Leute auszubilden und einzustellen oder um sich auszudenken, mit welcher Ausrede alles als völlig unvorhersehbares Schicksal beklagt und wir dazu gebracht werden sollen, auf Ansprüche zu verzichten… Es war noch nie so spannend.

Goldene Brücken für alle!

Presseberichten zufolge stand der Bahnaufsichtsrat vor einem schwierigen Problem: Den Cargochef Wilder loszuwerden! Genug Mist hat er ja gebaut: Abbau von 5.000 Stellen und nun Kopfprämien um wieder an Personal zu kommen, Verkauf aller Loks, Durchbetreuen der Züge, was nicht funktioniert hat... Was ist war geplant? Abmahnung? Fristlose Kündigung? Ach nein, die Chefs sind ja unter sich! Es sollte ihm eine „goldene Brücke“ gebaut werden. Offenbar hat’s geklappt, denn Wilder verlässt das Unternehmen. Sowas bräuchten wir auch: Goldene Brücken bis zur Rente, goldene Brücken zwischen Familie und Beruf...

1917

Vor genau Hundert Jahren hat die Arbeiterklasse in Russland sich mit Macht in die Weltgeschichte eingemischt. Sie hat den Zaren gestürzt, den 1. Weltkrieg beendet und eine wirkliche Alternative zum Kapitalismus aufgebaut. Trotz der späteren Schrecken des Stalinismus wollen wir den Geburtstag der ersten Arbeiterrevolution feiern.

Wir gucken zusammen den Kino-Film „Der wahre Oktober“ und debattieren im Anschluss: Mittwoch den 25. Oktober 18:30 im Kino Krokodil, Greifenhagener Str. 32, Berlin-Prenzlauer Berg. Eintritt 6,50 €, Azubis 5,50 €.


Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 242800

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Aus den Betrieben  Aktivitäten verfolgen Deutsche Bahn   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.29