Revolutionär Sozialistische Organisation

Arm trotz Arbeit, obdachlos trotz leerer Wohnungen

Donnerstag 2. November 2017

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Das Los mit den Ausschreibungen

Für 2022 werden viele Regiolinien neu ausgeschrieben und die Lose sind diesmal so organisiert, dass auf jeden Fall mehr Linien an Private gehen. Das ist politisch so gewollt und liegt voll im Trend des kapitalistischen Privatisierungswahnsinns. Statt dass wir uns nun das Gejammer unserer Chefs anhören, gibt es nur eins, was wirklich nötig ist: Gleiche Lohn-, Arbeits- und Ausbildungsbedingungen bei allen Bahnen! Per Branchen-TV abgesichert. Dann können sie ihre Konkurrenz nicht mehr auf unseren Rücken austragen!

Am springenden Punkt vorbei

Nach dem kurzen Probelauf für die Springerwende im Sommer mit Kurzpausen an Endbahnhöfen gibt es jetzt den Fragebogen dazu. Bei den meisten Fragen ist die Antwort natürlich „ja“: klar sind regelmäßige Kurzpausen sehr positiv. Natürlich wäre es auch sehr positiv, wenn wir uns an den Endbahnhöfen mal die Hände waschen und aufs WC könnten. Eine Schande, dass das überhaupt gefragt wird!

Aber das Wichtigste wird nicht gefragt: Wie wichtig sind uns mehr durchbezahlte Kurzpausen zusätzlich zu längeren Pausen? Wir wollen Pinkeln, Händewaschen und in Ruhe zwischendurch was Vernünftiges essen! Die S-Bahn will mit dem neuen Konzept der Kurzpausen die längere Pause streichen können: Jede kleine Verbesserung bringt eine Verschlechterung. Das steht hinter der Springerwende. Was wir darüber denken, das fragt der Fragebogen nicht.

Unter Umständen sind die Begleitumstände der normale Wahnsinn

Die Arbeitsgruppe Springerwende bemerkt noch, dass der Probelauf nicht so umgesetzt wurde, wie sie sich das gedacht hatten. „Dies hatte vielfältige Ursachen, wie z.B. die längere Erkrankung des federführenden Mitarbeiters… baubedingte Fplo‘en und mangelnde Unterstützung seitens der Schichterstellung...“

Ja, das sind ganz normale tägliche Probleme!

Die Lügen der Chefetage

Damit wir unser OK geben, gibt uns die Arbeitsgruppe Springerwende mit auf den Weg, dass „der Arbeitgeber sogar gern in einen Personalmehrbedarf investiert, um diese neuen Wege zu gehen und unsere Tätigkeit gesünder zu gestalten“. Wir glauben gern, dass die Chefs das versprochen haben… wie schon seit Jahren! Ewig alt ist die Forderung, dass eingestellt werden muss, dass die Schichten entlastet werden müssen und plötzlich ist die S-Bahn dazu bereit? Sogar „gerne“?

Nur ein Wintermärchen

Wintervorbereitung? Halloooo… man hört nix, nix wird geschrieben. Aber klar, die Chefetage ist schwer mit sich selbst beschäftigt: Umstrukturierung, neue Posten, neue Pöstchen, Arbeitsgruppen. Man kann verstehen, dass ihnen dabei so Banalitäten wie der Fahrbetrieb aus dem Blick geraten. Vielleicht hoffen sie ja auch einfach, dass durch Stühlerücken genug Reibungswärme entsteht.

Die DB aus der Steckdose

Unter der Rubrik www.db-reisemarkt/Einkaufswe... _und_Garten (!!!) können wir DB Mitarbeiter zu tollen Konditionen der DB Strom abkaufen. Nun auch noch in dieser Beziehung der DB ausgeliefert sein? Wenn wir eine Sonderschicht ablehnen, gehen zu Hause die Lichter aus und die Bude wird kalt?

Haben die zu viel Strom, weil sie schon wissen, dass in Zukunft kaum noch Züge fahren? Oder wollen die uns einfach den Strom, den wir auf Arbeit eingespart haben, auch noch verkaufen? Zuzutrauen ist denen alles.

Planlos?

Die DB startet eine Abfrage, wie viel Dispoanteil die Tfs fahren wollen. Abgesehen davon, dass noch niemand praktisch weiß wie sich die Jahres-, Monats- und Wochenplanungen auswirken. Dass nicht wenige Kollegen 100% Dispo fahren wollen, liegt viel am Verhältnis zu ihrem Dienstregler(in). Aber welche Garantie haben wir, dass in Zukunft nicht ein Teil von Softwares wie IPD übernommen wird oder zentralisiert wird?

Ein weiteres Argument ist die Abwechslung. Aber warum kann man mit Plan nicht auch attraktive Arbeit haben? Pläne müssen nicht trist sein. Es werden Vorbedingungen geschaffen, die nicht notwendig sind, um die Tfs „freiwillig“ in Richtung Flexi-Lokführer zu locken. Unsere Flexibilität macht die Ware Arbeitskraft produktiver und spart damit Personalkosten. Wir sollten die wenigen Verbesserungen des Tarifabschlusses festhalten, damit nicht immer wir, sondern mal die Chefetage Abstriche machen muss.

#metoo: Auch auf Arbeit – Kein Schweigen mehr!

Die Enthüllungen über den Hollywood-Produzenten Weinstein, der systematisch Frauen belästigte, hat eine Welle an Enthüllungen ausgelöst. Tausende Frauen berichten, dass ihnen ähnliche Dinge passiert sind. Wer nun meint, Frauen sollen sich nicht so aufregen, kann nicht falscher daneben liegen.

Sexistische Sprüche, scheinbar zufällige körperliche Berührungen, bewusstes Betatschen, Gewalt… das passiert nicht nur Schauspielerinnen oder Politikerinnen. Ein Drittel aller Frauen erlebt in Deutschland sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz. Da sind die kleinen und großen Chefs oder gar Kollegen, die die Hierarchien und die Unsicherheit über den Arbeitsplatz ausnutzen.

Überhaupt: Für zwei Drittel aller Frauen gehören Belästigungen und/oder körperliche Gewalt zum Leben… auf Arbeit, in Partnerschaften oder in der Öffentlichkeit. Die Löhne liegen für Frauen schon ewig weit unter denen der Männer. Wird am öffentlichen Dienst gespart, trifft es Frauen viel mehr als Männer.

Gut, dass die Themen auf den Tisch kommen. Es ist Zeit, sich kollektiv zu wehren, gegen diejenigen Männer, die ihre Macht ausnutzen, und gegen die kapitalistischen Verhältnisse, die die Unterdrückung der Frauen befeuern.


Marx
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