Revolutionär Sozialistische Organisation

Essener Tafel: Der eigentliche Skandal

Mittwoch 14. März 2018

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Der Zugfunke - 14. März 2018
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Engpässe

Bei Regio wird’s eng. Sehr eng. Es ist so weit fortgeschritten, dass Züge wegen Personalmangels in Berlin ausfallen müssen. Gleichzeitig müssen Berliner Tfs Ro­stocker Leistung abfahren, weil da ein noch größerer Personalnotstand herrscht. Und so kann in Zeiten, in denen früher verhältnismäßig wenig Arbeit da war, nicht mal mehr der alte Urlaub abgewickelt werden. Trotzdem können nicht alle Disposchichten rechtzeitig mit Arbeit gefüllt werden, weil die Planung schleift. Schon über Jahre haben wir das Gefühl, dass von oben versucht wird, Regio endgültig an die Wand zu fahren. Und immer wieder denken viele, jetzt ist es soweit. Jedoch muss man verstehen, dass genau so das Management im Kapitalismus funktioniert: Mit möglichst wenig Einsatz das Maximale rausholen. Solange wir diese Spirale nicht durchbrechen, werden sie so weiter machen.   Falsche Gesprächsbedürfnisse

Obwohl die Teamleiter und die übergeordneten Hierarchien so sehr überlastet sind, finden sie doch immer wieder Zeit, Tfs mit Personalgesprächen zu belästigen. Wenn diese z. B. nach längeren Auszeiten alle Weisungen auf dem Tablet durchlesen, bevor sie eine Zugfahrt beginnen, und dadurch Verspätungen entstehen. Mal abgesehen davon, dass das Verhalten der Tfs dem offiziellen „Sicherheitsleitbild“ der DB Regio entspricht… Kümmert euch doch mal um die wirklichen Probleme! Wenn wertvolle Arbeitszeit so verplempert wird, dann wird es nix mit der Ausschreibung!

Ausgelegt

So, nun wurde bei Regio wohl eine „vertrauliche“ Vereinbarung abgeschlossen. In dieser wird Schichtantritt an der Lok, Pause auf dem Zug, eine Erweiterung der Einsatzräume, die Schaffung neuer Meldepunkte und Einsatzstellen vorgesehen. Schließlich soll auch das Zugpersonal einen Beitrag leisten zum „Wettbewerb“! Schön wäre es, dass wir mal genauer nachlesen könnten, welche Anschläge auf uns da verübt werden sollen. Denn schließlich müssen Betriebsvereinbarungen vom „Reiseveranstalter“ den Mitarbeitern durch Auslegen zugänglich gemacht werden. So will es das Gesetz.   Fehl Start Deutschland GmbH

Die Regio-Tochter Start gründet immer weitere Unterabteilungen. Wie in anderen Regionen kann uns das auch in Berlin und Brandenburg treffen. Die Übernahme der jetzigen DB Tarifverträge lehnt Start ab. Und das ist genau der Punkt. Offiziell wird mit schlankeren Strukturen als Wettbewerbsvorteil geworben. Aber es geht nur darum, die Personalkosten zu drücken, die sowieso nur knapp 10 % der Gesamtkosten ausmachen. Lächerlich. An die großen Posten wie Trassengebühren geht man nicht ran, weil sich dahinter die Gewinnabführung in den Konzern verbirgt. Also Finger weg, bringt uns gar nischt!   Ach Mutti, ohne Neueinstellungen gibt es auch keine Lokführer für all die offenen Schichten!

Um die Probleme mit der Besetzung der Schichten zu lösen, setzen die Chefs bei der S-Bahn auf… Drohung. Die von den gleichen Chefs 2017 noch so hoch ange­priesene BV Arbeitszeit soll jetzt gekündigt werden. Ist das der Masterplan unserer sogenannten Führungskräfte? Ob Dienste und Planung dadurch besser werden? Vielleicht sind ohne massive Neueinstellungen und eine qualifizierte Ausbildung die Probleme gar nicht lösbar?! Können die Schichten überhaupt besser werden, ohne mehr Leute?

Seit vielen vielen Jahren wollen die S-Bahn-Chefs uns die Folgen für die fehlende Ausbildung tragen lassen. Aber warum sollten wir?

In die andere Richtung gucken

Wenn die Dienstregler die Dienste nicht voll kriegen, der Pep die Lage auch nicht mehr aufgepeppt bekommt, man als Tf auch so seine Wünsche hat und sich alle wie im Kreis um das gleiche Problem drehen, trägt das nicht zur guten Laune bei.

Die S-Bahn-Chefetage denkt, sie braucht das Drama aus sicherer Entfernung nur anzusehen, denn sie stört der Ärger und Stress der kleinen Leute kein bisschen. Dabei könnte es für diese Gaffer noch ziemlich gefährlich werden, wenn wir uns über die verschiedensten Bereiche zusammentun. Schließlich gibt es weder im Werk Schöneweide, noch im MK3 oder in den Werkstätten, weder bei Stammaufsichten noch in den Meldestellen bei den Tfs viele Fans der Geschäftsführung. Zusammen gegen die schlechten Arbeitsbedingungen aufstehen, das könnte unser aller Laune verbessern. Es wäre einen Versuch wert!

Ist halt so… oder auch nicht

Wenn man sich für die S-Bahn entschieden hat, dann weiß man ja, dass das Schicht bedeutet und das ist dann eben so? Wenn man nicht vor der Einstellung in die S-Bahn als Außenstehender von manch einem S-Bahn-Märchenerzähler irgendwelche anderen Versprechen aufgetischt bekommen hat.

Aber selbst wenn, diese megafrühen und langen Dienste und quälenden Nachtschichten sind kein Naturgesetz. So wie auch die ständigen Technikprobleme… äähhh, Gesetze der Thermodynamik, nicht gottgegeben sind.

Es gab ja mal Zeiten, da wurde in einem regelmäßigen Plan mit 8-Stunden-Diensten und viel weniger vollgepackten Schichten an weniger Wochenenden gearbeitet. Unter uns erzählt man sich, dass die S-Bahn trotzdem gefahren ist!

Untergangsstimmung?

Bei der ODEG wird gemunkelt, dass einige Chefs das Handtuch werfen. Und das obwohl Schuchmann in einer bunten Broschüre schreibt, dass sie dem „gegenwärtigen Erfolg verpflichtet, auch in Zukunft ständig weiter arbeiten.“ Alles nur blabla, wie bei uns, oder verlassen die Ratten das sinkende Schiff?


Marx
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