Revolutionär Sozialistische Organisation

Über ein Jahr Krise – und kein Ende in Sicht

Donnerstag 4. September 2008

Seit August 2007 ist klar, dass der Kapitalismus mal wieder zu einer internationalen Finanzkrise geführt hat. Seither vergeht kaum eine Woche, ohne dass „Spezialisten“ erzählen, das Schlimmste läge nun hinter uns, doch die Krise entwickelt sich weiter und droht zu einer heftigen Wirtschaftskrise zu werden.

Wie in jeder kapitalistischen Krise ist das Problem nicht etwa Mangel, sondern Überfluss. Die superreichen Unternehmen, Banken und Fonds haben zuviel Geld! Sie wollen es profitabel anlegen, doch es lohnt sich kaum, Gewinne in neue Produktion zu investieren, da die arbeitenden und bedürftigen Massen weltweit wenig Geld haben und die Absatzmärkte begrenzt sind.

Also hat man angefangen auf immer höhere Schulden zu bauen. Gerade in den USA durften sich die Privathaushalte immens verschulden, unter anderem mit den berüchtigten subprime-Hypotheken. Damit konnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Haushalte in den USA konsumierten auf Pump, dadurch wuchs der weltweit größte Absatzmarkt für Industrieprodukte. Gleichzeitig konnten die Kreditgeber ihr Geld anlegen und Zinsen kassieren. Die steigenden Immobilienpreise in den USA schienen die immer größeren Schuldenberge abzusichern. Die Kredite wurden international weitergereicht und alle Banken der Welt freuten sich, am US-Immobilien-Boom mitzuverdienen. Als die Spekulationsblase platzte und die Häuserpreise fielen, saßen die Banken auf zig Milliarden an faulen Krediten.

Es sei nur eine Finanzkrise, der Wirtschaft aber gehe es blendend, wurde uns versichert. Doch im Januar 2008 purzelten dann plötzlich auch die Börsenkurse. Eine weitere perverse Auswirkung der Krise war, dass die Finanzanleger neue Spekulationsobjekte brauchten – mit Krediten und Hypotheken konnte man ja nun keinen Reibach mehr machen. Also stürzten sie sich auf Rohstoffe und Nahrungsmittel und trieben die Preise in Höhen, die zusätzliche 100 Millionen Menschen weltweit zu akut Hungernden machten.

Auch wir in Deutschland bekamen die Inflation zu spüren. Doch weitaus schlimmer als hier sind die Auswirkungen der Krise in den USA: Während den Banken und Konzernen mit staatlichen Milliardensubventionen unter die Arme gegriffen wird, verlieren Millionen Familien ihr Haus, immer mehr müssen sogar im Auto übernachten und es ist noch nicht vorbei: Täglich gibt es etwa 8.000 Zwangsversteigerungen in den USA. Dazu kommt, dass die Inflation dort besonders hoch ist: Zuletzt offiziell 5%, wobei die US-Statistiken die wirklichen Lebenshaltungskosten systematisch unterschätzen.

Inzwischen geht es auch mit der Wirtschaft bergab. Im Euroraum und in Deutschland sinkt die Produktion. Sogar die chinesischen Exporte boomen nicht mehr. Die Widersprüche des Kapitalismus führen wieder einmal in eine allgemeine Wirtschaftskrise. Wie tief die Depression wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Dass sie für die Arbeitenden weltweit neues Leid bringen wird, ist hingegen sicher. Doch es gibt eine Alternative zu noch mehr Armut und Elend: Das kapitalistische Wirtschaftssystem selbst muss abgeschafft werden, denn Nahrungsmittel, Güter und Reichtümer sind für alle ausreichend vorhanden!


Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 237229

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Archiv unserer Zeitung  Aktivitäten verfolgen Nr. 22 - September 2008   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.29