Revolutionär Sozialistische Organisation

90 Jahre Novemberrevolution – 90 Jahre Mord an Liebknecht und Luxemburg

Sonnabend 10. Januar 2009

Im Herbst 1918 war der 1. Weltkrieg für Deutschland verloren. Aus einem Matrosenaufstand erwuchs eine Bewegung von Soldaten und Arbeitern, die in nur einer Woche das Kaiserreich stürzte und überall Arbeiter- und Soldatenräte (ASR) errichtete. Am 9. November verzichtete der Kaiser auf den Thron und SPD-Chef Friedrich Ebert wurde Reichskanzler und Vorsitzender der Revolutionsregierung.

Statt betrieblicher Wahlen zu den Räten und jederzeitiger Absetzbarkeit der gewählten Vertreter wie in Russland waren die ASR aber oft nur Komitees der Arbeiterparteien und der Gewerkschaftsbürokratie, in denen die Arbeiter wenig zu sagen hatten. An der Spitze der meisten Räte stand die SPD, der die Mehrheit der Arbeiter anfangs vertraute. Doch die SPD hatte den Kapitalismus längst akzeptiert und seit 1914 das kapitalistische Regime dabei unterstützt, Krieg zu führen und die Arbeiter ruhig zu halten. Trotzdem glaubten 1918 die meisten Arbeiter, mit der Regierungsübernahme der SPD wäre die Revolution siegreich und der Sozialismus nur eine Frage von Monaten. Derweil bemühte sich deren Führung, eine weitere Entwicklung nach links zu verhindern. Die Frage der Vergesellschaftung der Betriebe – also der entscheidende Schritt zum Sozialismus – sollte nicht von den Arbeitern entschieden, sondern einem bürgerlichen Parlament überlassen werden. Politisch beschränkte die SPD die Macht der Räte auf die Kontrolle der alten Verwaltung… die sich aber der Kontrolle geschickt zu entziehen wusste.

Während die Arbeiter im Vertrauen auf die SPD abwarteten, sammelte die Gegenrevolution ihre Kräfte. Ende 1918 ging die SPD-Regierung dazu über, die Räte völlig zu entmachten. Als im Januar 1919 in Berlin radikale Arbeiter zu den Waffen griffen, um die Revolution gegen ihren Verrat zu verteidigen, wurde dieser Aufstand blutig niedergeschlagen. Dabei wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die Führer der neugegründeten Kommunistischen Partei, die den Verrat der SPD angeprangert hatten, ermordet.

Im Gedenken an sie und die vielen anderen im Laufe des Jahres 1919 ermordeten Arbeiter wird jedes Jahr im Januar in Berlin demonstriert. Die Organisation, die 1918 gefehlt hat, um den Arbeitern eine Alternative zum Verrat der SPD vorzuschlagen, muss noch immer geschaffen werden, um die nächste deutsche Revolution zu gewinnen.


Marx
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