Revolutionär Sozialistische Organisation

Piraterie vor Somalia: Wer überfällt hier wen?

Sonnabend 10. Januar 2009

Seit dem Überfall auf eine deutsche Jacht vor der Küste Somalias letzten Juni wurde die Diskussion über einen deutschen Marineeinsatz immer lauter. Am 19. 12. 2008 war es dann soweit. Die Fregatte „Karlsruhe“ soll nun für mehr Sicherheit sorgen.

Doch die Staaten der westlichen Welt blenden die Ursachen der Piraterie vollkommen aus. Seit Anfang des Jahres 2008 ist die Zahl der Somalis, welche auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, um 77 % gestiegen. Jeder Dritte steht vor dem Hungertod, denn die Lebensmittelpreise haben sich um 110 % verteuert. Die deutschen Medien jedoch interessiert nur, dass bis November 2008 65 Handelsschiffe gekapert wurden und ca. 30 Mio. $ Lösegeld gezahlt werden mussten.

In Somalia wurde 2006 von der US-unterstützten äthiopischen Armee ein Bürgerkrieg neu entfacht, in dem seither 10.000 Menschen gestorben sind. 400.000 sind auf der Flucht und 1 Mio. obdachlos. Den Fischern in Somalia wurde zudem die wirtschaftliche Lebensader zerstört: Europäische und asiatische Fangflotten fischten illegal die Gewässer leer und zerstörten einheimische Fischerboote. Die UN ignorierte die Proteste der Somalier. So verlegten sich die Fischer auf Piraterie, um sich einen Teil der Beute zurückzuholen. Inzwischen sind es allerdings mächtige Kriegsherren und nicht einfache Fischer, die das Geschäft im großen Stil betreiben.

Doch wer die Piraterie bekämpft statt des Elends, das die Piraterie erst hervorruft, setzt in einer der ärmsten Regionen der Welt nur das Besitzrecht des Stärkeren durch!


Marx
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