Revolutionär Sozialistische Organisation

Emmely ist eine von vielen

Donnerstag 12. Februar 2009

Verdachtskündigungen sind für Unternehmen ein Mittel, um einzelne unliebsame Beschäftigte loszuwerden und die Belegschaft einzuschüchtern. Der Fall der so gekündigten Emmely ist in den letzten Wochen durch die Medien gegangen.

Emmely war 31 Jahre lang Kassiererin, zuletzt viele Jahre bei Kaiser’s in der Filiale in Berlin-Hohenschönhausen. Ein Drittel der KollegInnen sind Aushilfen, LeiharbeiterInnen, 400-Euro-Jobber oder PraktikantInnen, für z. B. 6,25 Euro oder 7,50 Euro brutto pro Stunde, keine Schichtzuschläge. Weil Emmely schon lange bei Kaiser’s ist, wird sie nach Tarif bezahlt. Trotzdem verdient sie nicht viel.

2007 haben Beschäftigte im Einzelhandel gestreikt. Ziel war die Angleichung der Löhne Ost-West. Emmely war zusammen mit einigen KollegInnen dabei. In ihrer Filiale hat sie den Streik organisiert. Solche Gegenwehr passte Kaiser’s überhaupt nicht ins Konzept. Die Gebietsmanagerin von Kaiser’s hat mit den Streikenden Einzelgespräche geführt. Reine Einschüchterung. Vorgesetzte haben Streikbrecherparties geschmissen und die nicht streikenden Beschäftigten aufgefordert, „Unregelmäßigkeiten“ bei Streikenden zu melden. Im Januar 2008 bekam Emmely die fristlose Kündigung. Begründung: Sie habe sich zwei Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unter den Nagel gerissen. Emmely ist unschuldig und bewiesen ist nichts. Allerdings reicht zur rechtlich gültigen Kündigung der bloße Verdacht des Unternehmens. Emmely hat dagegen geklagt. Aber nicht Kaiser’s muss Emmelys Schuld, sondern Emmely ihre Unschuld beweisen! So sieht es das Arbeitsrecht im Fall von Klagen gegen Verdachtskündigungen vor. Recht und Gerichte stehen gegen die Interessen der Beschäftigten.

Es liegt auf der Hand, dass die 1,30 Euro nur ein Vorwand sind, um Emmely loszuwerden. Sie ist eine unliebsame Beschäftigte, die an den Streiks teilgenommen hat. Außerdem hat sie sich mehrfach beim Chef über die große Arbeitsbelastung beschwert. Sie nimmt nicht jeden Druck hin. Deshalb wollte Kaiser’s sie loswerden. Mit dem gewünschten Nebeneffekt, dass der Rest der Belegschaft weiter eingeschüchtert wird, nach dem Motto: „Hau auf einen, triff Hundert“. Eine Schweinerei! Erst macht Kaiser’s mit niedrigen Löhnen jahrelang Gewinne, und dann kriegt jeder, der ein bisschen mehr vom Kuchen haben will, einen Tritt in den Hintern.

Emmely kämpft gegen die Kündigung und geht den Weg durch die Gerichtsinstanzen. Sie hat das Glück, dass sich ein Unterstützer-Komitee gegründet hat. Es hat diesen Fall in die Medien gebracht. Der Gerichtssaal ist voll von Unterstützern. Dadurch konnte Druck auf das Gericht aufgebaut worden. Mithilfe dieser Solidarität hat Emmely eine Chance, gegen Kaiser´s zu gewinnen. Ein positives Urteil am 24. Februar wird allen zeigen, dass Kaiser’s mit seiner Strategie nicht durchgekommen ist.

Dieses Fertigmachen von Beschäftigten gibt es überall, ob im Einzelhandel, der Industrie oder in öffentlichen Betrieben, wie den Krankenhäusern, die auf Profit-machen vorbereitet werden. Stellen werden abgebaut und die Arbeitsbelastung erhöht. Durch Druck und Einschüchterung soll alles möglich gemacht werden. Würde und Gesundheit der Beschäftigten bleiben dabei auf der Strecke. Emmely und ihre KollegInnen im Einzelhandel kennen diese Zustände schon lange und streikten deshalb. Oft müssen Unternehmen den rausgepickten KollegInnen gar nicht Dinge unterschieben, um schnell eine Kündigung auszusprechen oder die Unterschrift unter einen Trennungsvertrag zu erpressen. Wegen der gestiegenen Arbeitsbelastung und der Einsparungen in den letzten Jahren kann man oft genug seine Arbeit nicht mehr vernünftig machen, sodass automatisch Fehler passieren. Dann haben die Vorgesetzten leichtes Spiel! So können die Unternehmen den Beschäftigten aus der Arbeitsbelastung noch einen Strick drehen.

Wann immer Unternehmen sich einzelne Beschäftigte rausgreifen, dann sind das Angriffe auf alle. Dies wird sich wegen der Wirtschaftskrise in allen Branchen zuspitzen, wenn die Unternehmen die Kosten für ihr Überleben und ihre Gewinne auf die Belegschaften abwälzen wollen. Die Antwort auf das Rauspicken Einzelner und andere miese Einschüchterungsversuche durch Unternehmen kann nur sein, die Betroffenen nicht alleine zu lassen, den Chefs gemeinsam gegenüberzutreten, Gemeinsamkeit und Kontakt zu anderen Abteilungen zu suchen, solidarisch zu sein. Die Unternehmen fürchten den kollektiven Zusammenhalt, aus dem Gegenwehr entstehen kann. Und dies ist auch notwendig zur Verteidigung in der anrollenden Wirtschaftskrise. Aus einzelnen mutigen AktivistInnen wie Emmely müssen viele Tausende werden!


Marx
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