Revolutionär Sozialistische Organisation

Bahn: Neue Ausschreibungen bedrohen Bahner und Fahrgäste

Donnerstag 12. Februar 2009

Die Tarifrunde bei der Deutschen Bahn ist schon wieder vorbei: 2,5 % mehr Lohn sofort, weitere 2 % im nächsten Jahr sowie einmalig 500 €. Einige Verbesserungen bei den Arbeitszeiten der Lokführer werden nichts an der Arbeitsüberlastung ändern. Gewinnerin ist die Bahn, die weitere Flexibilisierungen durchsetzen konnte.

Herrscht nach den Streiks 2007 jetzt Friede bei der Bahn? Sicher nicht! Beschäftigte und Fahrgäste müssen mit massiven Verschlechterungen rechnen. Wegen der Wirtschaftskrise stapeln sich seit Monaten Tausende Güterzüge auf Abstellgleisen. Viele Bahner bangen um ihre Zukunft. Außerdem werden in Ostdeutschland und Bayern viele Regionalstrecken von den Bundesländern ausgeschrieben. Bislang fährt dort die Deutsche Bahn. Nun können sich alle Bahnunternehmen bewerben. Der Billigste bekommt den Zuschlag. In Zeiten der Wirtschaftskrise versorgt so der Staat die Privaten mit neuen Einnahmequellen. Mehr Wettbewerb bringe nur Vorteile, sagen Politiker. Aber nur „fairer Wettbewerb“ sei gut für die Menschen, kritisieren Deutsche Bahn und Bahngewerkschaften die Ausschreibungsregeln. Egal ob „fair“ oder nicht, jeder Wettbewerb geht zu Lasten der Beschäftigten. Die bei der Deutschen Bahn wissen das genau. Sie erlebten bereits die Halbierung der Belegschaft und hören Geschichten über Lohndumping bei den Privatbahnen. Bahnmanager sprechen offen von Arbeitsplatzabbau (1.500 sind in Gefahr) und Lohnsenkungen von 40%. Mit Billig-Tochterunternehmen und Subunternehmern haben sie schon bei vergangenen Ausschreibungen Löhne gedrückt.

Wer sich in Anbetracht dieser Bedrohungen mit freundlichen Tarifritualen und minimalen Lohnerhöhungen zufrieden gibt, macht in Wahrheit den Bossen ein Geschenk. So wurde eine Chance vertan, die Tarifrunde mit dem Kampf gegen die Ausschreibungen zu verbinden. Doch diesen Kampf werden die Bahner führen müssen, wenn sie nicht ihre Existenzgrundlage verlieren wollen!

Für Montag, den 16. Februar 2009, 12 Uhr am Zoo-Palast in Berlin rufen die Bahngewerkschaften zu einer Demonstration gegen die Ausschreibungen auf. Dies ist eine Gelegenheit für alle Bahnbeschäftigten, für ihre Arbeitsbedingungen und zusammen mit der Bevölkerung gegen den Ausverkauf zu protestieren.


Marx
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