Revolutionär Sozialistische Organisation

Continental: Arbeiter im Kampf

Sonnabend 16. Mai 2009

Vor zwei Monaten kündigte der Reifenhersteller Continental die Schließung des Stammwerks in Hannover und des Werks im französischen Clairoix an. Ja genau – Conti, der Konzern, der von der Multimilliardärin Schaeffler aufgekauft wurde. Die bis zu den Tränen gerührt war, weil die Gewerkschaften die Arbeitenden zur Unterstützung von Schaeffler mobilisierten. Die IG Metall hatte eine Erklärung zur „Zukunftssicherung“ unterschrieben und dafür Vertreterposten im Aufsichtsrat ergattert. Doch zu schnell wurde deutlich, wessen Zukunft da gesichert wird – nicht die der 780 bei Conti in Hannover oder der 1.120 ArbeiterInnen in Clairoix! Genauso wenig wie die der KollegInnen bei der Schaeffler-Gruppe selbst, wo allein in Deutschland bis zu 4.500 Arbeitsplätzen gestrichen werden sollen. Ihre Zukunft sichern, das können die Arbeitenden nur selber tun ... und zwar im Kampf gegen die Pläne des Konzerns.

Und genau das tun die ArbeiterInnen im französischen Clairoix: Seit zwei Monaten halten sie das Management in Atem und haben durch ständige Aktionen einen ersten moralischen Sieg erreicht – Conti musste die Entlassungen zunächst einmal aufschieben ... Die ArbeiterInnen in Clairoix wissen, dass es um ihre Existenz geht, und so kämpfen sie wild entschlossen. Als ein Gericht die schon ausgesprochenen Entlassungen für rechtens erklärte, ließen die ArbeiterInnen ihre Wut an Computern und Fensterscheiben in nahegelegenen Amtsräumen aus. Nachdem dann gegen sieben von ihnen Ermittlungen eingeleitet wurden, zogen sie eine Woche später zu 600 vors Kommissariat und erreichten die Einstellung aller Verfahren. Am 6. Mai statteten sie ihrem Schwesterwerk in Sarreguemines einen Überraschungsbesuch ab – angekündigt hatten sie eine Fahrt nach Aachen, wo 100 Polizisten und eine Reiterstaffel als „Empfangskomitee“ umsonst warteten! In Sarreguemines gelangten sie ins Werk und konnten mit ihren Kollegen diskutieren, nachdem die Chefs entweder fluchtartig die Fabrik verlassen oder alle Türen verrammelt hatten. Diese Aktion erzwang endlich Gespräche mit den deutschen Topmanagern von Conti, die sich bereit erklärten, die 650 schon ausgesprochenen Entlassungen bis mindestens Mitte Juni auszusetzen. Das ist nur ein kleiner Aufschub, doch so können weiterhin alle 1.120 Kollegen gemeinsam um den Erhalt aller Arbeitsplätze bei vollem Lohn kämpfen. Denn dafür wird jeder Kollege und jede Kollegin gebraucht! Seit März finden täglich Versammlungen statt, auf denen zwischen 400 und 800 Betroffene zusammenkommen und gemeinsam jedes Vorgehen beraten. Sie wählen ein Komitee von über 60 besonders engagierten Streikenden. So ist gewährleistet, dass jeder sich in alle Entscheidungen einbringen kann und alle gemeinsam hinter jeder Aktion stehen.

Continentale Solidarität! Doch die Arbeiter von Conti wissen auch, dass sie bei aller Entschlossenheit gegen einen Weltkonzern keine Chance haben, wenn sie alleine bleiben. Und so waren sie ständig bemüht, mit Belegschaften anderer Werke in Kontakt zu treten, Proteste zusammenzubringen. In der Wirtschaftskrise, die alle Arbeitenden in der einen oder anderen Weise trifft, liegt genau hierin eine Chance. Schon jetzt gibt es in Frankreich andere Kämpfe, die ebenso selbstorganisiert und entschlossen geführt werden, wie der von Conti. Einzelne Erfolge sind schon erreicht worden – Rücknahme von Entlassungsplänen oder Bezahlung von Kurzarbeit zu 95 %. Doch was bislang auch in Frankreich fehlt, ist eine Bündelung des Protestes. Am Willen der Contis aus Clairoix liegt es nicht. Über 1.000 von ihnen sind mit dem Schlachtruf „Continental(e) Solidarität!“ zur Kundgebung der deutschen Gewerkschaften nach Hannover angereist. Xavier Mathieu aus Clairoix sprach dort eine deutlich andere Sprache als IG Metall und IG BCE: „Wir sind hier versammelt, damit kein Mitarbeiter des Konzerns, weder in Deutschland, noch in Frankreich, auf die Straße geschmissen wird. (...)Wir haben alle das Gefühl, dass dies ein historischer Moment ist, denn er birgt eine immense Hoffnung, ja, wir wissen, wir fühlen, dass wir heute stärker sind als gestern. Wir, die Arbeitenden aus Deutschland und aus Frankreich, die wir damit begonnen haben, die künstlichen Gräben zu überwinden, die unsere Bosse versuchen, zwischen uns zu ziehen. (...) Das Los, das uns die reichen Aktionäre zugedacht haben, ist kein unabwendbares Schicksal. Wir müssen gemeinsam handeln, entschlossen alle Hindernisse überwinden, zu allem bereit sein, um unsere Zukunft und die unserer Familien zu garantieren. So können wir ihre Pläne durchkreuzen und das Blatt wenden.“


Marx
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