Revolutionär Sozialistische Organisation

Ein teures Verbrechen: der Krieg in Afghanistan

Donnerstag 2. Juli 2009

Im Bundeshaushalt 2010/2011 versteckt sich eine enorme Neuverschuldung, von der auch die Bundeswehr profitiert. Schon in den letzten Jahren wurde immer mehr Geld für Kriege ausgegeben. Für 2010 und 2011 sind es jetzt jeweils 31,1 Mrd. €. Noch oben drauf bekommt die Bundeswehr aus den Konjunkturpaketen knapp eine Milliarde Euro für neue Panzer und anderes Kriegsgerät, für die Sanierung von Kasernen und für Informationstechnik.

Diese Milliarden werden helfen, Häuser und Schulen zu zerstören, Menschen zu töten und Familien zu vertreiben. An diesem Geld wird das Blut kleben vieler Männer, Frauen und Kinder vor allem Afghanistans, wo Deutschland das drittgrößte Militärkontingent stellt. Und kürzlich hat die Bundesregierung noch die zusätzliche Entsendung von vier AWACS-Flugzeugen mit 300 Soldaten beschlossen, zur Koordinierung der militärischen Flugaktivitäten in Afghanistan.

Aber es wird auch das Blut deutscher Soldaten sein. 35 von ihnen sind bislang in Afghanistan gestorben. Erst Ende Juni kehrten drei junge Männer im Sarg zu ihren Familien und Freunden zurück. Und während junge Männer sterben oder verletzt und traumatisiert nach Hause kommen, weiten die Politiker die Kriegseinsätze noch aus.

Uns wird erklärt, sie seien „im Einsatz für den Frieden gefallen“, für den Aufbau der Demokratie. Laut Bundesverteidigungsminister Jung sei man es nun den toten Soldaten schuldig, den Einsatz in Afghanistan fortzusetzen. Doch die Kriegseinsätze bedeuten nichts anderes, als die Zivilbevölkerung vor Ort zu terrorisieren. Insbesondere die Luftangriffe in Afghanistan sind berüchtigt, weil ihnen regelmäßig Dutzende Zivilisten zum Opfer fallen. Anfang Mai starben bei der Bombardierung von Balabuluk über hundert Zivilisten insgesamt gibt es Zehntausende Opfer seit Beginn dieses Krieges. Außerdem zerstört der Krieg seit Jahren und Jahrzehnten die Lebensgrundlagen der Menschen in Afghanistan: Nur 25 % von ihnen haben Zugang zu sauberem Wasser. 80 % der Kinder in Afghanistan, die keine 5 Jahre alt werden, sterben an vermeidbaren Krankheiten. Frieden ist für die afghanische Bevölkerung noch lange nicht in Sicht. Und die angebliche „Wiederaufbauhilfe“ ist ein Witz: 90 % der Gelder, die die NATO-Staaten für Afghanistan ausgeben, sind Militärausgaben. Und Hilfsorganisationen, die versuchen, etwas Sinnvolles zu tun, müssen auch noch nach der Pfeife der Militärs tanzen.

Was auch immer man uns erzählt, die Milliarden werden ausgegeben, um der Kriegsindustrie und den Konzernen zu neuem Reichtum zu verhelfen. Mit kräftiger Unterstützung des Staates machen sie weltweit gute Geschäfte und sind bei der Auswahl der Partner kein bisschen wählerisch. Afghanistans Präsident Karsai, der im August mit seinen befreundeten brutalen Kriegsfürsten und vom Westen gestützt wiedergewählt werden soll, ist nur ein Beispiel.

Wenn es um Geschäfte geht, bleiben Demokratie und Frieden auf der Strecke. Kein Wunder also, wenn sich die Politiker auch mit Kritik am brutalen Vorgehen des iranischen Regimes ziemlich zurückhalten. In Afghanistans Nachbarland Iran gehen seit Wochen Tausende auf die Straße und demonstrieren für Freiheit. Doch die paar Krokodilstränen deutscher Politiker können nicht darüber hinweg täuschen, dass ihnen Stabilität wichtiger ist als die Abschaffung des tyrannischen Mullah-Regimes. Immerhin ist Deutschland größter westlicher Handelspartner Irans. Siemens Networks lieferte beispielsweise die Technik, um dem Regime die Überwachung der digitalen Kommunikation zu ermöglichen. Und das Land hat einiges Potenzial als aufstrebende Wirtschaftsmacht mit riesigen unerschlossenen Erdöl- und Erdgasfeldern. Afghanistan wird dann als Transitland für die Pipelines gebraucht. Die Bundeswehr tummelt sich auch noch im Kongo, im Kosovo und vor der Küste Somalias ... Das sind weitere Beispiele, bei denen das Gefasel von Frieden und Demokratie nur dreiste Heuchelei ist.

Die Milliarden Euro und unser Leben gehören nicht in die Hände solcher Lügner! Wenn die Politik den getöteten Soldaten und den terrorisierten Menschen in den Kriegsgebieten etwas schuldig ist, dann den sofortigen Abzug aller Truppen!


Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 236688

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Leitartikel   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.29