Revolutionär Sozialistische Organisation

Privatisierte Züge fahren über Eschede!

Donnerstag 16. Juli 2009

In Berlin ist seit Wochen das Chaos bei der S-Bahn perfekt: Überfüllte Züge, Zugausfälle, entnervte Fahrgäste und gestresste Bahner, die den Frust abbekommen.

Die Politiker zeigen sich erschrocken und tun unwissend über die unzumutbaren Zustände. Die Geschäftsführung der Berliner S-Bahn hätte den Bogen überspannt und es müssten „ernsthafte“ Konsequenzen gezogen werden. Die Show kann beginnen. Die alten Marionetten der Geschäftsführung wurden durch neue ersetzt. Ein Eimer frischer Farbe wird über ein verrostetes Wrack gekippt. In Wahrheit sollen nur Probleme übertüncht werden. Es wird so getan, als ob das Management einen Fehler gemacht hätte. Dabei ist es der ganz „normale“ Weg, den die Bahn seit ihrer Privatisierung 1994 nimmt.

Bei der S-Bahn sind die Folgen besonders sichtbar. Nach einem Achsbruch an einem ICE in Köln bekam die S-Bahn die Auflage, verstärkt Kontrollen an ihren baugleichen Achsen vorzunehmen. Doch die S-Bahn verschleppte absichtlich Kontrollen und setzte weiterhin bewusst das Leben von BahnerInnen und Fahrgästen aufs Spiel. Das Eisenbahnbundesamt zog die Notbremse und nahm mehr als 500 Wagen aus dem Verkehr. Dem Bahn-Konzern ist Sicherheit nicht so wichtig. Eine immer länger werdende Kette von Unfällen beweist dies. Ursache hierfür sind Stellenabbau (ca. 100.000 Stellen wurden seit 1994 abgebaut), Schließung von Werkstätten, Hinauszögern von vorgeschriebenen Wartungen und fehlende Investitionen in Sicherheitstechniken. Darüber hinaus werden Züge bewusst unterhalb von vorgeschriebenen Normen bei den Herstellern bestellt und Achsprüfanlagen bewusst nicht angefahren.

Zugunglück in Berlin-KarowManch ein Fahrgast wird in diesen Tagen ein Flugblatt in den Zügen finden, geschrieben von BahnerInnen, die diesen gefährlichen Kurs nicht hinnehmen wollen. Sie wenden sich an die Fahrgäste, um über die Zustände und ihre Ursachen aufzuklären. BahnerInnen und Fahrgäste gemeinsam... es könnte möglich sein, das Management und die Politik zu zwingen, den gefährlichen Zug in Richtung Privatisierung zu stoppen.

Spitzfindige Politiker fordern nun erst recht die endgültige Privatisierung der Bahn. Sie haben wohl noch nicht in brennenden Zügen der privaten Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) gesessen!? Deren halber Fahrzeugbestand wurde erst am Dienstag aus dem Verkehr gezogen, weil sie ebenfalls Sicherheitsvorkehrungen missachteten!

Es wird immer drängender, diesem unermesslichen Streben nach Profiten ein Ende zu machen. Sonst wird Zugfahren zukünftig zur Lotterie: entweder die Böschung hinabzurollen oder in Zügen zu schmoren.


Juni 1998:

Ein ICE entgleiste wegen eines gebrochenen Rades mit ca. 200km/h bei Eschede. 101 Menschen starben, mehr als 300 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Bahn hatte zuvor Verschleißgrenzen und Wartungsintervalle erhöht.

Juni 2000:

Ein Zug fuhr zu schnell durch eine Baustelle und entgleiste. Die Lok und mehrere Wagen stürzten die Böschung hinunter, die Lok prallte gegen ein Wohnhaus. Schlechte Signalisierung, Personalknappheit in sicherheitsrelevanten Bereichen und unterlassene Schulung des Lokführers kosteten neun Reisenden das Leben. 148 wurden zum Teil schwer verletzt.

November 2006:

In Berlin-Südkreuz prallte eine S-Bahn auf ein Messfahrzeug wegen technischer Mängel der Bremsanlage an den fast neuen Fahrzeugen. 33 Menschen wurden verletzt.

Oktober 2008:

In Berlin-Biesdorf stießen zwei Züge zusammen. Ein Fahrdienstleiter hatte versehentlich ein Signal auf Fahrt gestellt, was normalerweise durch funktionierende Stellwerkstechnik vermieden worden wäre. Seit Monaten fehlte diese. Permanente Arbeitsüberlastung führte zu dem Fehler.

April 2009:

Ein Personenzug fuhr auf einen mit Tausenden von Tonnen Flüssiggas gefüllten Güterzug in Berlin-Karow. Die Bahn hatte 2006 das Stellwerk möglichst billig umgebaut und gleichzeitig die Besetzung von zwei auf einen Fahrdienstleiter reduziert.

Mai 2009:

Die Radscheibe einer S-Bahn brach in Berlin-Kaulsdorf. Der Zug entgleiste. Die S-Bahn versuchte den Vorfall lapidar als Betriebsstörung zu vertuschen.


Marx
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