Revolutionär Sozialistische Organisation

Gegen Privatisierung - Sicherheit vor Profite!

Donnerstag 13. August 2009

In Berlin ist seit Wochen das Chaos bei der S-Bahn perfekt: Überfüllte Züge, Zugausfälle, entnervte Fahrgäste und gestresste Bahner, die den Frust abbekommen.

Politiker zeigen sich erschrocken und tun unwissend. Die Geschäftsführung der Berliner S-Bahn hätte den Bogen überspannt und es müssten „ernsthafte“ Konsequenzen gezogen werden. Die Show kann beginnen. Die alten Marionetten der Geschäftsführung werden durch neue ersetzt. In Wahrheit sollen die Probleme nur übertüncht werden. Dabei ist es der ganz „normale“ Weg, den die Bahn seit der Bahnreform 1994 in Richtung Privatisierung nimmt. Bei der S-Bahn sind die Folgen jetzt besonders sichtbar.

Dem Bahn-Konzern ist Sicherheit nicht so wichtig. Eine immer länger werdende Kette von Unfällen beweist dies. Ursache hierfür sind massiver Stellen­abbau (mehr als 100.000 Stellen wurden seit 1994 abgebaut), Schließung von Werk­stätten, Hinauszögern von vorgeschriebenen Wartungen und fehlen­de Investitionen in Sicher­heits­techniken. Darüber hinaus werden Züge bewusst unter­halb von vorge­schrie­benen Normen bei den Herstellern bestellt und Achsprüfanlagen nicht an­gefahren. Berauscht zeig­ten sich jedoch all die Manager und Politiker von steigenden Gewinnen, glänzenden Prognosen und Expansionen im Ausland. Doch für die Fahrgäste und die Bahner gleichermaßen gilt: Sicherheit vor Profite! Gemeinsam könnte es möglich sein, das Management und die Politik zu zwingen, den gefährlichen Zug in Richtung Privatisierung zu stoppen. Es wird immer dringender, diesem ständigen Streben nach Profiten ein Ende zu machen!

Zu oft schon riskieren Bevölkerung und Beschäftigte durch Privatisierung und zunehmenden Wettbewerb Gesundheit oder gar das Leben. So haben Privatisierung und Wettbewerb auf dem Strommarkt zwar die Kassen der vier großen Monopolisten kräftig klingeln lassen. Doch kaum ein Verbraucher stöhnt nicht unter den rasant gestiegenen Preisen. Hinzu kommen die Störmeldungen bei Atomkraftwerken. Noch gut in Erinnerung ist der Skandal um falsche Dübel im gesamten AKW Biblis 2006 oder die Brände beim AKW Krümmel 2007 und 2008. Auch hier wurde vorher an Personal, Sicherheitsüberprüfungen und -technik gespart. Längst ist auch unsere Gesundheit zur Ware geworden. In keinem Land Europas ist in den letzten 15 Jahren das Gesundheitswesen so massiv privatisiert worden wie in Deutschland. Bewusst gefordert und gefördert wird dies von Politikern, die den großen Krankenhaus­betreibern und Pflege­einrichtungen eben­falls Gewinne besche­ren. Viel ist von Gesundheit die Rede... und gemeint ist die „Gesundheit des Konzerns“ (sprich: Ren­ta­bilität) – nicht die der Patienten oder Beschäf­tig­ten. Die Auslagerung von Aufgaben in Toch­ter­­unternehmen unter Um­­gehung von arbeits­recht­lichen Schutzvor­schriften und Aus­hebe­lung von Tarifverträgen ist dabei gang und gäbe. Die Schließung von Stand­orten und Fach­abtei­­lungen sieht man als notwendige Konsequenz. Klar, dass die Zunahme der Arbeitsbelastung zu hohem Krankenstand der Beschäftigten und zu steigenden Behandlungsfehlern führt. Dies wird in Kauf genommen!

Dies sind die Regeln beim Monopoly und gelten für jeden Mitspieler, egal ob öffentliches oder privates Unternehmen. Privatisierung und Wettbewerb sind nie im Interesse der Bevölkerung! Lassen wir nicht zu, dass einige wenige der Mehrheit der Bevölkerung ihre gefährlichen Spielregeln aufzwingen!


Juni 1998:

Ein ICE entgleiste wegen eines gebrochenen Rades mit ca. 200km/h bei Eschede. 101 Menschen starben, mehr als 300 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Bahn hatte zuvor Verschleißgrenzen und Wartungsintervalle erhöht.

Juni 2000:

Ein Zug fuhr zu schnell durch eine Baustelle und entgleiste. Die Lok und mehrere Wagen stürzten die Böschung hinunter, die Lok prallte gegen ein Wohnhaus. Schlechte Signalisierung, Personalknappheit in sicherheitsrelevanten Bereichen und unterlassene Schulung des Lokführers kosteten neun Reisenden das Leben. 148 wurden zum Teil schwer verletzt.

November 2006:

In Berlin-Südkreuz prallte eine S-Bahn auf ein Messfahrzeug wegen technischer Mängel der Bremsanlage an den fast neuen Fahrzeugen. 33 Menschen wurden verletzt.

Oktober 2008:

In Berlin-Biesdorf stießen zwei Züge zusammen. Ein Fahrdienstleiter hatte versehentlich ein Signal auf Fahrt gestellt, was normalerweise durch funktionierende Stellwerkstechnik vermieden worden wäre. Seit Monaten fehlte diese. Permanente Arbeitsüberlastung führte zu dem Fehler.

April 2009:

Ein Personenzug fuhr auf einen mit Tausenden von Tonnen Flüssiggas gefüllten Güterzug in Berlin-Karow. Die Bahn hatte 2006 das Stellwerk möglichst billig umgebaut und gleichzeitig die Besetzung von zwei auf einen Fahrdienstleiter reduziert.

Mai 2009:

Die Radscheibe einer S-Bahn brach in Berlin-Kaulsdorf. Der Zug entgleiste. Die S-Bahn versuchte den Vorfall lapidar als Betriebsstörung zu vertuschen.


Marx
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