Revolutionär Sozialistische Organisation

Profit für Wenige, Risiken für Alle

Donnerstag 17. September 2009

Letzten Donnerstag sind vier Menschen in Berlin bei der Arbeit umgekommen. Drei Arbeiter stürzten bei Wartungsarbeiten an einer Müllverbrennungsanlage mit ihrer Arbeitsbühne in die Tiefe und wurden unter der 9 Tonnen schweren Anlage begraben. Am selben Tag wurde in Lichterfelde ein Mann von einer umfallenden Maschine erschlagen. Die Untersuchungen zu den Vorfällen dauern noch an und wer weiß, ob das Ergebnis dann auch eine Zeitungsmeldung wert sein wird. Über die Ursachen kann also nur spekuliert werden. Fest steht allerdings, dass die 19, 43 und 56 Jahre alten Brandenburger von einer Fremdfirma kamen. Der Sprecher des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und tech­nische Sicherheit meinte dazu: „Da große Unternehmen ihre Wartungsaufträge immer öfter an Fremdfirmen vergeben, gibt es immer häufiger Probleme bei der Zusammenarbeit.“

Man kennt es aus allen Bereichen: Der Arbeitsdruck und Stress nimmt seit Jahren zu, überall wird an allem gespart, was Kosten verursacht, sicherheitsrelevante Fragen werden von vielen Chefs als Luxus behandelt, den man sich nicht leisten könne.

Im Juli gab es ein anderes Beispiel, das fast zur Katastrophe geworden wäre. In Falkensee bei Berlin stürzte das Dach einer REWE-Supermarktfiliale zusammen – nach Ladenschluss, so dass zum Glück niemand verletzt wurde. Das Gebäude war gerade mal sechs Jahre alt (!). Neue Supermärkte werden oft in „Leichtbauweise“ gebaut und sind berüchtigt dafür, keine ausreichenden Sicherheitsreserven zu haben. Der Einsturz war daher keineswegs ein Ausnahmefall, wie REWE behauptet. Erst im Februar 2006 stürzte im oberbayrischen Töging am Inn ein fünf Jahre alter Netto-Markt ein.

Bei den Baufirmen, die oft unter Zeit- und Finanzdruck Gebäude für die großen Einzelhandelsketten wie REWE, Aldi, etc. bauen, wird Sicherheit nicht groß geschrieben. Kaum verwunderlich! Doch die Mängel werden auch immer weniger von den staatlichen Bauämtern entdeckt. Die Ursache dafür ist – wie bei fast allen Problemen des Öffentlichen Dienstes – der Stellenabbau und damit die mangelnden Kontrollen. Es ist wie mit den Fleischskandalen – nur ein Bruchteil der Verstöße gegen Gesundheitsvorschriften kann überhaupt aufgedeckt werden, weil systematisch Kontrolleure fehlen.

Auch das aktuelle S-Bahn-Chaos ist dem Spardruck auf Kosten der Sicherheit zuzuschreiben. Jahrelang wurden in den S-Bahn-Werkstätten sogar Protokolle gefälscht, um Wartungsarbeiten vorzutäuschen, die gar nicht stattgefunden hatten. Der Chef des DB-Personenverkehrs kann sich nicht vorstellen, dass die Sparmaßnahmen der Grund seien. Denn an den Bremszylindern seien Schrauben nicht ausgetauscht worden, die „Pfennigartikel“ seien, sagte er der Presse. Was er nicht erwähnte: Seit 2002 sind 40 % des Werkstattpersonals abgebaut worden, so dass einfach die Leute fehlen, um Achsen, Bremszylinder, und, und, und zu kontrollieren und zu warten! Durch diese Politik des Personalabbaus, der auch bei den Aufsichten stattfand, war die S-Bahn in der Lage, im letzten Jahr über 56 Mio. Euro an die DB als Gewinn abzuführen. Diese Millionen wurden gewissermaßen direkt von den Subventionen des Landes Berlin abgezweigt und weitergereicht!

Doch nicht nur die S-Bahn fälscht Protokolle. Im Skandal um die Atommüllentsorgung wurde jetzt bekannt, dass die Bundesregierung in den 80er Jahren ein wissenschaftliches Gutachten umschreiben ließ, damit Gorleben als „sicheres Endlager“ präsentiert werden konnte. Auch hier stehen Profite im Hintergrund: Ein Atomkraftwerk wirft bis zu 1 Million Euro Profit pro Tag ab – natürlich nur, wenn die Steuerzahler die Entsorgung übernehmen.

Auf diese Weise werden wir zum Teil lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt, nur weil in den Augen von Regierungen und UnternehmerInnen Einsparungen und Profit wichtiger sind als unser Leben. „Sicher ist nur das Risiko“ lautet eine Wahlwerbung gegen Atomkraft. Der Satz gilt aber insgesamt für Produktion und Arbeitssicherheit im Kapitalismus. Erst wenn die Arbeitenden sich gemeinsam dem Profitstreben widersetzen, kann auch größtmögliche Sicherheit für uns alle durchgesetzt werden!


Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 248500

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Leitartikel   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.30