Revolutionär Sozialistische Organisation

Haiti: heimgesucht von Erdbeben und Ausbeutung

Donnerstag 28. Januar 2010

Wie viele Menschen beim Erdbeben in Haiti ums Leben gekommen sind, wird man nie erfahren. Vermutlich 200.000. Niemand ist in der Lage, die Leichen zu zählen. Sie werden in Massengräbern verscharrt oder von Bulldozern unter eingestürzten Häusern zusammengeschoben. Das Zentrum des Bebens lag in der Nähe der 2-Millionen-Hauptstadt Port-au-Prince. Das erklärt zum Teil die großen Verwüstungen. Doch es erklärt längst nicht alles, nicht einmal das Wesentliche. Es erklärt nicht, warum ein Erdbeben auf Haiti tausendmal mehr Tote fordert als in Kalifornien oder Japan.

Das Volk von Haiti ist vor allem Opfer einer sozialen Katastrophe, von Armut und Elend. Dass in ganzen Stadtteilen mehr als die Hälfte aller Häuser vernichtet wurden, liegt daran, dass in diesem erdbebengefährdeten Gebiet Hunderttausende Menschen in riesigen Elendsquartieren hausen. Erdbebensicher wurde natürlich nicht gebaut, trotz der bekannten Risiken. Es gab ja nicht mal Toiletten oder ein Abwasser- und Trinkwassersystem. Diese Slums wurden zum Großteil dem Erdboden gleichgemacht. Für die Überlebenden fehlen Nahrungsmittel, Wasser, Ärzte und Medikamente. Und nicht in erster Linie, weil das Erdbeben Zerstörung angerichtet hat, sondern weil das Gesundheitswesen auch vorher schon in einem katastrophalen Zustand war.

Haiti: Armenhaus Amerikas

Es gibt kein Land in Amerika, das ärmer wäre als Haiti. Aber die Armut auf Haiti ist nichts Natürliches! Das „arme“ Haiti hat viele reich gemacht! Der Wohlstand der Sklavenhalter der einstigen Kolonialmacht Frankreich gründet sich auf der Arbeit und dem Schweiß von 500.000 Sklaven auf den Plantagen. Aber das Volk von Haiti hat auch eine revolutionäre Tradition und schaffte es, die Knechtschaft Frankreichs abzuschaffen. Doch erzwungende ernorme Entschädigungen an die Sklavenhalter führten zur wirtschaftlichen Knebelung. Später machten die USA das Land zu ihrem Hinterhof. Sie setzten ihnen genehme Machthaber ein, ruinierten die einheimische Landwirtschaft durch Billig­importe und ließen die Haitianer als Billigarbeitskräfte in den Ausbeuterbetrieben rings um Port-au-Prince schuften. Nicht, dass es dort heute keine Reichen gäbe. Es gibt Großgrundbesitzer und Kapitalisten, die die Arbeitenden schamlos ausbeuten. Letzten Sommer verhinderten sie, dass der Mindestlohn in der Industrie auf 4 Euro pro Tag erhöht wird. Die Masse der Landarbeiter sind noch ärmer. 70 % der Bevölkerung müssen mit weniger als 2 Dollar am Tag auskommen.

Die UNO hilft seit Jahren mit ihren Truppen vor Ort, dass das vom IWF diktierte Elend verewigt wird. UNO-Truppen waren immer im Einsatz, wenn es galt, die Bevölkerung zu unterdrücken, wie z.B. während der Hungerproteste 2008.

Ausländische Hilfe: viel Lärm um wenig

Erst langsam strömt Hilfe nach Haiti und sorgt für etwas Erleichterung. Aber sie erreicht nur bestimmte Schichten der Bevölkerung, jedenfalls nicht die armen Viertel. Man muss sich fragen, warum die mächtigen Staaten mit ihren Flugzeugträgern, Helikoptern und moderner Logistik so lange brauchen, um humanitäre Hilfe zu organisieren.

Hilfsorganisationen klagen, dass der ohnehin zerstörte Flughafen auch noch von US-Militärs blockiert wird. Was die 10.000 Marines, UNO-Truppen und europäischen Polizisten angeht, so sind sie in erster Linie dort, um eine soziale Explosion und Flüchtlingsströme in das reiche Florida zu verhindern. Statt Lebensmittel zu verteilen, kreisen Helikopter vor den Küsten, um Flüchtlinge abzufangen.

US-Präsident Obama hat 100 Millionen Dollar Soforthilfe versprochen. Die Medien reden von einem der größten Hilfseinsätze der US-Geschichte. Und doch ist es lächerlich wenig angesichts der 1.000 Milliarden, die US-Banken vor einem Jahr erhalten haben. Der deutsche Außenminister Westerwelle versucht sich als Prediger und sprach von einer Katastrophe „biblischen Ausmaßes“. Um dann die Hilfen auf 10 Millionen Euro aufzustocken. Ein wahrhaft christliches Almosen! Vor einem Jahr genügte ein Wochenende, um 400 Milliarden für Banken locker zu machen!

Ganz zu schweigen von den Milliarden, die der Krieg in Afghanistan verschlingt. Und weitere zehntausend Soldaten sollen in den Krieg gegen die afghanische Bevölkerung geschickt werden. Deutschland ist mit von der Partie und stellt zusätzlich 850 Soldaten. Die Militärintervention der USA in Afghanistan und Irak kostet pro Tag 377 Millionen Euro! Ein Jahr Kriegskosten - Haiti wäre zehnmal wieder aufgebaut...


Marx
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