Revolutionär Sozialistische Organisation

Iran: Wann meldet sich die Arbeiterklasse zu Wort?

Montag 4. Januar 2010

Seit Monaten halten die Proteste im Iran an. Es ist vor allem das Kleinbürgertum –Studenten, Künstler, Schriftsteller, Rechtsanwälte und andere – die das Regime der Islamisten erschüttern. Sie haben genug von der religiösen faschistischen Diktatur der Mullahs und Ahmadinedschads. Genug von den Religionsvorschriften, die ihnen nicht den mindesten Freiraum für ihre Gedanken und ihre Vorstellung von freiem Leben lassen.

Seit dem 27. Dezember – dem religiösen Aschura-Fest - schöpfen die Proteste erneut Kraft. Seither wurden mindestens 15 Menschen getötet. Mehr als 800 Oppositionelle sitzen in Gefängnissen, die bekannt für Folter und Misshandlungen sind. Dennoch lassen sich die Oppositionellen nicht so leicht einschüchtern und gehen mittlerweile gar auf die sogenannten „Sicherheits“-Kräfte los und verprügeln sie. Doch weil dies allein das Regime nicht stürzen wird, ist die Frage wie es weiter gehen kann.

Mussawi und der Millionär Rafsandschani, die als grüne Opposition – vor allem vom Westen – hochstilisiert werden, sind alles andere als Befreier des Volkes. Beide sind führende Politiker des Regimes und waren in der Vergangenheit an der Verfolgung und Ermordung vieler Oppositioneller beteiligt. Ihnen geht es in Wahrheit nur um ihre eigene Macht und die Macht eines Teils der Klasse, die sie repräsentieren: der Bourgeoisie. Die grünen Führer werden sicherlich bereit sein der Jugend mehr persönliche Freiheiten zuzugestehen - Alkohol, Partys und relativ freie Meinungsäußerungen, wenn der Sturz der religiösen Diktatur aber auch gleichzeitig bedeutet, dass sie selbst an der Macht bleiben und das Land wirtschaftlich beherrschen können. Die grünen Führer sind nämlich vor allem daran interessiert, den Iran dem internationalen Handel zu öffnen und noch mehr Staatseigentum zu privatisieren (d. h. sich unter den Nagel zu reißen) als Ahmadinedschad es in den letzten Jahren im Wert von 63 Mrd. bereits Dollar getan hat. Doch zum Leidwesen eines Teils der Bourgeoisie erhielten vor allem regimetreue Anhänger Ahmadinedschads und die vielen Armen des Landes den größten Teil des Erlöses. Die grünen Führer und die hinter ihnen stehende Bourgeoisie wollen dies ändern.

Die oppositionelle Jugend, die wachsende Zahl der Regimegegner und die noch weitestgehend passive Arbeiterklasse muss sich daher um jeden Preis eine eigene Führung geben, die es sich bedingungslos zur Aufgabe macht, die Interessen der Bevölkerung zu verteidigen. Die heutigen Proteste auf der Straße und die morgigen in den Unternehmen werden diese Führer hervorbringen!


Marx
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