Revolutionär Sozialistische Organisation

Haiti: heimgesucht von Erdbeben und Ausbeutung

Montag 15. Februar 2010

Ohne Zweifel, das Erdbeben vom 12. Januar ist eine große Naturkatastrophe. Doch die Haitianer sind vor allem Opfer einer sozialen Katastrophe. Und die hat nichts „Natürliches“.

Das „arme“ Haiti hat viele reich gemacht. Anfangs französische Sklavenhalter, später vor allem US-amerikanische und kanadische Firmen, die zu Hungerlöhnen Kleidung nähen und Elektronik zusammenschrauben lassen. Das Land wurde zum Hinterhof der USA. Sie setzten ihnen genehme Diktatoren ein, trieben die Privatisierung der Staatsunternehmen voran und ruinierten die Landwirtschaft mit Billigimporten. Die UNO gab den Segen. Am Ende war die Infrastruktur völlig marode. Und die Bevölkerung hungerte.

Nicht einmal nach dem Erdbeben lief die internationale Hilfe in dem Tempo an, wie es in Anbetracht des Desasters nötig gewesen wäre. Hilfsorganisationen klagen, dass der Flughafen der Hauptstadt in der ersten Woche von US-Militärs blockiert wurde. Was die 20.000 Marines und europäischen Polizisten angeht, so sind sie in erster Linie dort, um eine soziale Explosion gegen die korrupten Herrschenden und Flüchtlingsströme in das reiche Florida zu verhindern. Statt Lebensmittel zu verteilen, kreisen Hubschrauber vor den Küsten, um Flüchtlinge abzufangen.

Auch die zugesagten Gelder sind lächerlich gering. US-Präsident Obama hat 379 Mio. Dollar in Aussicht gestellt. Das allein kostet die US-Militärintervention in Irak und Afghanistan pro Tag! Auch die deutsche Regierung bleibt „bescheiden“. Gerade mal 15 Mio. Euro will sie geben. Der fertige Teil der Kanzler-U-Bahn in Berlin hat das Zehnfache gekostet! Ganz zu schweigen von den Milliarden, die zur Rettung der Banken locker gemacht wurden.

Hilfsorganisationen berichten, dass dort, wo sie mit Selbsthilfekomitees der Stadtviertel zusammenarbeiten, die Verteilung von Essen und die Versorgung der Verletzten gut klappen. Also, gebt den Haitianern die Möglichkeit, sich zu organisieren! Was sie dringend brauchen, ist ein Ende der wirtschaftlichen Ausbeutung! Denn die ist der Grund für all das Elend, das Haiti immer wieder heimsucht.


Marx
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