Revolutionär Sozialistische Organisation

Spekulieren auf den "Staatsbankrott"

Montag 19. April 2010

Plötzlich gibt es doch ein „Nothilfepaket“ für Griechenland – weil „die Märkte“ mal wieder verrückt zu spielen drohten. Ist die Krise etwa doch noch nicht vorbei?! Nein, das kapitalistische System bereitet mit der Lösung der einen Krise nur die nächste vor: Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ist ja entstanden, weil zu viel Kapital vorhanden war. Es wurde in immer kompliziertere Finanz-„Produkte“ angelegt, bis das Kartenhaus zusammenbrach. Nun sprangen die Staaten mit Milliardenprogrammen ein, um diese „faulen“ Produkte aufzukaufen, abzusichern, etc. Manche Staaten, wie Griechenland, haben sich dabei besonders übernommen. Anderen, wie Deutschland oder den USA, traut man bisher noch zu, wenigstens regelmäßig ihre Zinsen zu bezahlen – an Rückzahlung mag niemand denken. Doch durch das Geld, das die Staaten locker gemacht haben, wird das Problem nur verlagert, denn es schafft neue Gelegenheiten zur Spekulation, zum Beispiel darauf, dass ein Land seine Schulden nicht „bedienen“ kann.

Wie geht das?

Unter anderem mit sogenannten CDS, ursprünglich einer Art Kreditausfallversicherung. Der CDS ist ein Vertrag, bei dem sich die eine Seite (A) verpflichtet, einen regelmäßigen Betrag (an B) zu zahlen; doch falls der Kredit, auf den sich der CDS bezieht, platzt, so kriegt A von B eine hohe Schadensprämie ausgezahlt. Im Unterschied zu einer Versicherung kann man CDS auch dann abschließen, wenn man selbst gar nichts mit dem eigentlichen Kredit zu tun hat. Der CDS wird dann wie eine Wette – man „setzt“ sozusagen auf einen Kredit wie auf ein Pferd beim Pferderennen.

Wie machen Finanz-Jongleure das genau? Wenn sie davon ausgehen, dass ein Staat wie Griechenland zunehmende Probleme bekommt, dann schließen sie zuerst einen CDS auf griechische Staatsschulden ab, bei denen sie die „Versicherungsnehmer“ (A) sind. Sie müssen regelmäßig eine vergleichsweise niedrige Summe zahlen, zum Beispiel 15.000 € im Monat. Sollte der Staatskredit platzen, bekämen sie einen großen Batzen ausgezahlt, zum Beispiel 1 Mio. €.

Wenn es nun mit den Staatsfinanzen abwärts geht, wird auch die Kreditversicherung teurer – sie ist ja risikoreicher. Jetzt schließen unsere Jongleure auf denselben Kredit einen CDS in umgekehrter Richtung ab – diesmal bekommen sie (als B) den regelmäßigen Versicherungsbeitrag, der jetzt höher ist, zum Beispiel 20.000 €. Regelmäßig streichen sie so den Unterschied zwischen beiden Beträgen (5.000 €) ein. Und wenn tatsächlich Griechenland den Kredit nicht mehr bedienen sollte, so dass sie 1 Mio. auszahlen müssen, so sind sie ja durch ihren ersten CDS abgesichert, wo sie ebenfalls 1 Mio. bekommen. Sie gewinnen auf jeden Fall – solange es mit den Staatsfinanzen abwärts geht!

So lief und läuft ein Teil der Spekulationen auf den griechischen, portugiesischen, spanischen usw. „Staatsbankrott“. Und das System wird dadurch nur instabiler. Man weiß nicht, wann es zur nächsten Welle der kapitalistischen Krise kommen wird. Doch klar ist: dieses System ist unkontrollierbar und jedes Mal, wenn es wieder austickt, sollen die Arbeitenden die Zeche zahlen – wie in Griechenland, wo im Gegenzug zu dem Notfallplan „harte Sparmaßnahmen“ gefordert werden.


Marx
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