Revolutionär Sozialistische Organisation

Spekulation leicht gemacht - in 4 Schritten

Montag 17. Mai 2010

Immer wieder seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 wird auf die Spekulanten verwiesen, die uns allen die Krise beschert hätten. Inzwischen sprechen fast alle Politiker von der Notwendigkeit, die Finanzmärkte zu regulieren. Doch Spekulation und Finanzkrise sind nur ein Ausdruck der allgemeineren Krise des Kapitalismus.

1) Wer versteckt sich hinter den Märkten?

Die Märkte sind einfach all diejenigen, die viel Geld besitzen oder verwalten und es gewinnbringend investieren wollen – anders gesagt: die Kapitalisten und ihr Management. Große Banken, die ihr eigenes Geld und das ihrer Kunden anlegen. Versicherungskonzerne, die für Schadensfälle viel Geld vorrätig halten, das in der Zwischenzeit Zinsen oder andere Renditen erbringen soll. Doch auch klassische Industrieunternehmen haben eigene Finanzabteilungen, teilweise ganze konzerneigene Banken. Und durch die zunehmende Privatisierung der Altersvorsorge gibt es immer mehr sogenannte Pensionsfonds, die Gelder für zukünftige Renten nicht im Sparstrumpf aufbewahren, sondern investieren.

2) Was ist Spekulation?

Grundprinzip der Spekulation ist es, etwas zu kaufen um es später mit Gewinn wieder zu verkaufen, weil man darauf setzt, dass sich der Preis (der „Kurs“) in der Zwischenzeit erhöht hat. So ist jede Spekulation eine Wette auf die zukünftige Preisentwicklung. Allerdings beeinflusst die Spekulation selbst den Preis. Wenn genug Leute etwas kaufen, dann wird genau dadurch die Nachfrage in die Höhe getrieben und das Produkt teurer. Womit spekuliert wird, ist dabei völlig egal. Es können Häuser sein (was dazu führt, dass Mieten steigen), Rohstoffe und sogar Nahrungsmittel (was 2008 zu riesigen Hungerkatastrophen in der „Dritten Welt“ geführt hat), Aktien, griechische Staatsanleihen oder noch viel kompliziertere und abstraktere Finanz„produkte“.

3) Warum wird Spekulation nicht verboten?

Wer nur kauft um weiterzuverkaufen, der leistet nichts Produktives. Bei all diesen Finanzgeschäften muss es im Prinzip genauso viele Verlierer geben wie Gewinner (wobei praktisch immer die Großanleger die Gewinner sind, weil sie viel mehr Informationen und Einfluss haben). Deshalb wäre es doch naheliegend, die Spekulation, die so viele Krisen hervorruft, zu unterbinden?!

Doch Spekulation ist aus der Marktwirtschaft nicht wegzudenken. Im Kapitalismus gibt es keine Regeln, die festlegen, was in welcher Menge produziert werden soll. Nur das „freie Spiel des Marktes“ mit Angebot und Nachfrage sorgt dafür, dass sich ein gewisses Gleichgewicht einpendelt und nicht alle Unternehmen dasselbe herstellen. Aber damit der Markt (mehr schlecht als recht) funktioniert, muss tatsächlich alles frei handelbar sein. Weder Kauf noch Verkauf kann verboten werden. Und wer etwas kauft, dem ist nicht anzusehen, ob er das tut um zu spekulieren.

4) Warum nimmt die Spekulation so überhand?

Es ist unheimlich viel Geld in den Händen der Kapitalisten vorhanden. Es kann nicht in neue Produktion investiert werden, weil es keine zahlungsfähige Nachfrage für noch mehr Waren gibt. Die weltweite Armut, für die der Kapitalismus sorgt, ist eine Schranke für sein weiteres Wachstum – es kommt zur Überproduktion. Und so bleibt dem Kapital nur die Spekulation, um trotzdem hohe Renditen zu erzielen.

Es gibt allerdings eine Möglichkeit, der Spekulation ein für alle Mal ein Ende zu setzen: Indem diese chaotische Marktwirtschaft, die nur die Reichen begünstigt, durch eine sozialistische Wirtschaft ersetzt wird. In der würden die vielfältigen Ressourcen im Dienste aller Menschen und ihrer vielfältigen Bedürfnisse eingesetzt. Durch eine Planung, bei der alle mitzureden hätten, nicht nur die, die das große Geld haben!


Marx
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