Revolutionär Sozialistische Organisation

Südafrika: Unter dem WM-Schleier läuft´s überhaupt nicht rund

Montag 21. Juni 2010

In diesen Tagen der Weltmeisterschaft wehren sich ein paar Tausend Stadion- Beschäftigte in Südafrika gegen Lohnprellerei. Sie sollen nur einen Bruchteil des Lohnes erhalten, der ihnen versprochen wurde. Die Polizei beschießt sie mit Tränengas und Gummi-Geschossen. Die FIFA sagt: Das geht uns nichts an. Die internationalen Journalisten halten meist brav den Mund. Armut der Bevölkerung und Willkür der Reichen in Südafrika, Komplizenschaft im Ausland: So läuft’s nicht nur in Zeiten der WM.

In Südafrika wurde der Bevölkerung seit langem erzählt, durch die WM würde vieles besser. Das brauchte die Regierung. Denn in Wirklichkeit ist die Situation für die übergroße schwarze Mehrheit in den letzten Jahren unverändert schlecht – während Reiche in Südafrika den Reibach machen. Südafrika hat jede Menge Reichtum in Form von Steinkohle, Erzen, Diamanten und Landwirtschaft.

1994 wurde die Apartheid abgeschafft. Seitdem haben zwar immer noch die überwiegend weißen Reichen die Macht. Aber sie müssen sie teilen mit den neureichen Schwarzen aus dem Umfeld der regierenden ANC-Partei. Der ANC hat die Erwartungen der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung nicht annähernd erfüllt. Beispielsweise wurde nur ein kleiner Bruchteil des Landes an Kleinbauern umverteilt. Der Rest gehört immer noch den Riesenfarmen, auf denen die Landbevölkerung zu Hungerlöhnen arbeitet und der Willkür der Besitzer unterworfen ist.

Deshalb sprechen SüdafrikanerInnen von ihrem Land als „Irish-Coffee-Gesellschaft“: unten viel schwarzer Kaffee, darauf die weiße fette Sahne, und ganz oben die wenigen aber auch fetten Schokoladenkrümel! Ein WM-Slogan des südafrikanischen Organisations-Komitees ist „Fühl es, es ist hier“. In diesen Tagen demonstrierten ein paar Tausend Stadion-Beschäftigte unter der Abwandlung „Wir brauchen unser Geld, dann können wir es fühlen.“ In Streik getretene Arbeiter wurden unter Tränengas und Gummigeschossen von der Polizei entfernt und durch frische Polizei-Rekruten ersetzt.

Auch Busfahrer sind in Johannesburg kurz nach Beginn der WM für einen Tag in einen wilden Streik getreten. Ihnen wurde ohne Absprache längere Arbeits zeiten abverlangt. Solche Dinge sagen viel über die Situation in Südafrika. Aber WM-Besucher erfahren davon nur indirekt durch lange Wartezeiten auf Busse oder beim Einlass in die Stadions.

Vor der WM wurden viele Bewohner von Elends-Vierteln in „zeitweilige Umsiedlungsgebiete“ zwangsumgesiedelt – mit dem Versprechen, nachher würden ihnen Wohnungen in großen Neubaukomplexen zur Verfügung gestellt. Es ist schon abzusehen, dass daraus nichts wird: Diese Wohnungen, gebaut von privaten Investoren, werden viel zu teuer werden.

Der südafrikanischen Arbeiterklasse in Stadt und Land wird immer eine neue Flagge ins Gesicht geworfen, damit sich an den sozialen Verhältnissen nichts ändert. In der letzten Zeit war es die Weltmeisterschaft, die für die Hoffnungen herhalten musste.


Marx
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