Revolutionär Sozialistische Organisation

Pakistan: Die eigentliche Katastrophe heißt Armut

Sonntag 22. August 2010

Die Wassermassen haben in den vergangenen Wochen ein Fünftel der Fläche von Pakistan überflutet. Offiziell sind 1600 Menschen umgekommen, 20 Millionen Menschen sind von der Flut betroffen und 90% der pakistanischen Reis- und Getreideernte vernichtet. Eine Naturkatastrophe? Sicher. Aber das Sterben in Pakistan durch die Wassermassen hat gerade erst angefangen. In den nächsten Wochen schlagen Krankheiten wie Cholera zu. Die meisten der Millionen dringend Hilfebedürftigen haben auch nach Tagen keine Unterstützung bekommen. Ist das auch eine Naturkatastrophe?

Oberschicht und Militär regieren mit Hilfe des Westens

Pakistans Präsident Zardari ist Anfang August, in Mitten der Flutkatastrophe, nach Frankreich und Großbritannien geflogen, um seine Villen in Europa zu besichtigen. In der Normandie besitzt er ein großes Schloss. Zardaris Verhalten ist Ausdruck der arroganten Haltung der pakistanischen Kapitalisten. In Pakistan leben 160 Millionen Menschen, die allermeisten ziemlich ärmlich.

Die Oberschicht ist steinreich. Es wird von den „22 Familien“ gesprochen, die in Pakistan den Löwenanteil von Industrie und Land beherrschen. Sie profitieren von der Armut. Ihren Reichtum schaffen sie ins Ausland – und sie werden dort noch willkommen geheißen. Zardari war Mitte der 90er überall bekannt als „Mister 10%“, weil er besonders dreist Bestechungsgelder für alle vergebenen Staatsaufträge einforderte. Man kann sich vorstellen, dass es einem solchen Staatsapparat nicht um das Wohl der Bevölkerung, um die Sicherheit von Staudämmen oder einen funktionierenden Katastrophenschutz geht! Bis jetzt hat ein Großteil der Bevölkerung nur dann Hilfe der Regierung gesehen, als diese mit Helikoptern hohe Militärangehörige und Reiche evakuierte.

Die Kapitalisten in Pakistan lassen das Militär für sich regieren – ob direkt durch General Musharraf bis 2008 oder indirekt wie jetzt durch eine „zivile“ Regierung, die keinen Schritt ohne Erlaubnis des Militärs tun kann. In Pakistan kassiert das Militär 25% aller Staatseinnahmen für sich!

Aber es gibt nicht nur diese Komplizenschaft zwischen pakistanischer Oberschicht und Militär, sondern auch einen internationalen Deal mit den USA, Deutschland und anderen Ländern. Pakistan war immer ein Stützpunkt der imperialistischen Mächte. Im Hauptquartier der pakistanischen Armee sind schon seit Jahrzehnten permanent US-Berater stationiert.

In den 80er Jahren haben die USA von Pakistan aus den Kampf gegen die Invasion der Sowjetunion in Afghanistan ausgerüstet. Dabei wurden auch die Taliban mit Waffen versorgt. Seit 2001 unterstützt die pakistanische Regierung den Krieg in Afghanistan. US-Flugzeuge dürfen alle zivilen Flughäfen in Pakistan benutzen.

Geheuchelte Hilfe

Jetzt sind Millionen von Menschen ohne Möglichkeit, von selber zu überleben. Und was tut unsere Regierung? Sie hat ihre Hilfszusage von 15 Millionen auf 25 Millionen Euro erhöht. Wow!!! Das sind weniger als 2% der jährlichen Kosten des deutschen Einsatzes im „Kampf gegen den Terror“ in Afghanistan! Die USA helfen mit 150 Millionen Dollar. Wow! Dasselbe kostet die US-Regierung nicht mal einen Tag Krieg in Afghanistan. Diese mickrigen Summen verdienen nur die Bezeichnung „Zugucken und Abwarten“.

Wenn die westlichen Regierungen wirklich Terrorismus bekämpfen wollen würden, dann könnten sie jetzt den pakistanischen Armen und der muslimischen Welt zeigen, wie sie sich für das Überleben der Flutopfer einsetzen!

Wenn man die Zeitungen liest, dann scheint die größte Sorge der Journalisten zu sein, die Taliban oder andere Islamisten könnten ihren Einfluss vergrößern. Wahrscheinlich gelingt ihnen das sogar. Und zwar wie? Durch gut organisierte Hilfe für die Flut-Betroffenen.

Die Kapitalisten und ihre Politiker in den westlichen Ländern wollen nicht helfen. Die Armut existiert schon lange, aber sie hat sie nie interessiert. Sie interessiert Macht, Kontrolle und Ausbeutung. Dadurch ermöglicht es der Westen zusammen mit seinen korrupten Verbündeten wie Zardari, dass Islamisten in Ländern wie Pakistan oder Afghanistan zunehmend an Einfluss gewinnen.


Marx
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