Revolutionär Sozialistische Organisation

Lohn, Preis und Profit – Schluss mit Verzicht!

Donnerstag 3. April 2008

Angesichts der dieser Tage veröffentlichten Inflationsdaten für die Bundesrepublik mehrt sich die Anzahl von „Experten“, die eine Lohnzurückhaltung fordern. Das Institut für Weltwirtschaft will eine Nullrunde und der Chef der Europäischen Zentralbank droht, europaweit die Leitzinsen zu erhöhen, wenn die deutschen Löhne zu stark steigen. Angeblich drohe die Gefahr einer Lohn- Preis-Spirale: Je höher die Preise, desto mehr fordern die Arbeiter. Und angeblich würden höhere Löhne wiederum die Preise steigern.

Allein im März wurden Waren gegenüber dem Februar 0,5% teurer, im Vergleich zum letzten Jahr soll die Inflation 3,1% betragen. Allein im März stiegen die Preise für Lebensmittel nochmal um sieben bis neun Prozent, der Sprit sogar um bis zum 14%. Wir geben unser Geld vor allem für Miete, Heizung und Lebensmittel aus – da hilft es wenig, wenn ein neuer Fernseher weniger kostet als früher. Und um das Maß voll zu machen, hat auch die BVG vor zwei Tagen erneut die Preise erhöht. Das zeigt, dass eine durchschnittliche Inflation von 3,1% für die Arbeitenden, Erwerbslosen und Rentner noch zu niedrig angesetzt ist. Unser Verlust ist deutlich größer als die Inflation der „Experten“.

Haben die Arbeitenden mit ihren Lohnforderungen die Verantwortung für die Preisexplosionen, wie man uns weiß machen will? Im Winter jammerte Bahnchef Mehdorn, wenn er die Lokführergehälter erhöhe, müsste er die Fahrpreise erhöhen. Solche Reden sind uralt: Seit die Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert begann, für höhere Löhne zu kämpfen, wird der Scheinzusammenhang von Löhnen und Preisen wiederholt. Die Wirklichkeit sah und sieht aber ganz anders aus: Bei Bahn und BVG wurde jahrelang verzichtet – sind die Fahrpreise deshalb gesunken?

Trotz Einsparungen in den Krankenhäusern bringt jede „Gesundheitsreform“ neue Kosten für die kleinen Leute. Seit Jahren schon sinken in Deutschland die Reallöhne – auch wenn der Lohnzettel einige Euro mehr enthält, lagen die Lohnsteigerungen unter der offiziellen Inflationsrate. Ende 2006 lagen die Reallöhne unter dem Stand von 2000, für viele Beschäftigte sogar auf dem Niveau der 80er Jahre. Auch letztes Jahr, als nach der Mehrwertsteuererhöhung die Inflation auf 2,1% kletterte und die Wirtschaft boomte, sind die Reallöhne weiter gesunken: EmpfängerInnen von Hartz IV oder Bafög und RentnerInnen haben trotz steigender Preise gar keine Erhöhung bekommen. Aber selbst die tariflich beschäftigten Arbeiter und Angestellten verdienten 2007 nur 1,3% mehr als 2006. Gemessen an der Inflation haben wir also auch letztes Jahr Verlust gemacht.

Nicht die hohen Löhne sind Schuld an der Inflation. Im Gegenteil: Jahrelang haben die Gewerkschaftsführungen sich auf das Spiel der Unternehmen eingelassen und mit „Lohnzurückhaltung“ und immer weiteren Flexibilisierungen, Arbeitsverdichtung und Arbeitsplatzabbau auf eine angebliche Krise reagiert. Deutschlands Umbau zum Billiglohnland ist inzwischen soweit fortgeschritten, dass immer mehr Deutsche im Ausland Arbeit suchen und in der Schweiz darüber diskutiert wird, ob deutsche „Gastarbeiter“ dort die Löhne drücken!

Während die Telekom letztes Jahr 3 Mrd. Euro an ihre Aktionäre ausschüttete, baute sie Beschäftigte ab und lagerte ganze Bereiche in Billigsparten aus. Andere Branchen verhielten sich nicht anders: Bei Henkel, BMW und Siemens wurden Arbeitsplätze gestrichen. Zeichen einer Krise? Pustekuchen! Die Gewinne der dreißig größten an der Börse notierten deutschen Konzerne (DAX) explodierten 2007 genauso wie in den Vorjahren – oft mit Gewinnsteigerungen von über 50%.

Wenn gut bezahlte „Wirtschaftsweise“ Lohnzurückhaltung wegen der Inflation fordern, wiederholen sie nur Unternehmenspropaganda aus Uromas Zeiten. Hinter dem fachchinesischen Nebelschleier verbirgt sich ihr eigentlicher Auftrag: die Gewinnmöglichkeiten für die Unternehmen optimal zu halten. Lohnzurückhaltung in der „Krise“, Lohnzurückhaltung im Aufschwung – wann bitte sollen wir denn mal unsere gestiegenen Rechnungen bezahlen?

Hör nicht auf die Stimmen – hör auf Dich selbst! In dieser Wirtschaftsordnung kriegen wir nie das, was wir verdienen, sondern nur, was wir uns erkämpfen. Egal ob Konjunktur oder Krise!


Marx
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