Revolutionär Sozialistische Organisation

Pakistan: Die eigentliche Katastrophe heißt Armut

Sonntag 29. August 2010

Die Wassermassen haben seit Ende Juli ein Fünftel der Fläche von Pakistan überflutet. Offiziell sind 3400 Menschen umgekommen und 20 Millionen Menschen von den Fluten betroffen. Vier Millionen Menschen sind obdachlos und 90% der pakistanischen Reis- und Getreideernte vernichtet. Eine Naturkatastrophe? Sicher.

Aber nach Wochen sind noch immer Hunderttausende von Hilfe abgeschnitten. 3,5 Millionen haben keinen Zugang zu Trinkwasser. In den nächsten Wochen werden wohl Krankheiten wie Cholera ausbrechen. Wieviele Menschen werden dort wohl noch an solchen eigentlich leicht zu behandelnden Krankheiten sterben? Ist das auch eine Naturkatastrophe?

Die westlichen Länder machen Millionenbeträge locker, um Hilfe zu schicken. Beispielsweise gibt die Bundesregierung mittlerweile 25 Millionen Euro. Es hat also alles seine Ordnung: In der Dritten Welt passieren Naturkatastrophen, und der Westen hilft, oder? Aber irgendetwas stimmt hier nicht…

So regieren Oberschicht und Militär…

In den von der Überflutung betroffenen Gebieten gibt es massenhaft Proteste von Betroffenen gegen die Regierung, von der sie sich im Stich gelassen fühlen. Zu recht, und das nicht nur in der Flutkatastrophe. Pakistans Präsident Zardari ist noch Anfang August, inmitten der Flutkatastrophe, nach Frankreich und Großbritannien geflogen, um seine Villen in Europa zu besichtigen. Zardaris Verhalten ist Ausdruck der arroganten Haltung der pakistanischen Kapitalisten. In Pakistan leben 160 Millionen Menschen, die allermeisten ziemlich ärmlich. Die reiche Oberschicht profitiert von der Armut. Ihren Reichtum schaffen sie ins Ausland – und sie werden dort noch willkommen geheißen.

Zardari war Mitte der 90er überall bekannt als „Mister 10%“, weil er besonders dreist Bestechungsgelder für alle vergebenen Staatsaufträge einforderte. Man kann sich vorstellen, dass es einem solchen Staatsapparat nicht um das Wohl der Bevölkerung, um die Sicherheit von Staudämmen oder einen funktionierenden Katastrophenschutz geht! Bis jetzt hat ein Großteil der Bevölkerung nur dann Hilfe der Regierung gesehen, als diese mit Helikoptern hohe Militärangehörige und Reiche evakuierte.

…mit Unterstützung des Westens

Es gibt eine Komplizenschaft zwischen pakistanischer Oberschicht und den westlichen Ländern wie den USA, Deutschland und anderen. Pakistan war immer ein Stützpunkt der imperialistischen Mächte. Im Hauptquartier der pakistanischen Armee sind schon seit Jahrzehnten permanent US-Berater stationiert. In den 80er Jahren haben die USA von Pakistan aus den Kampf gegen die Invasion der Sowjetunion in Afghanistan ausgerüstet. Dabei wurden auch die Taliban mit Waffen versorgt. Seit 2001 unterstützt die pakistanische Regierung den Krieg in Afghanistan. US-Flugzeuge dürfen alle zivilen Flughäfen in Pakistan benutzen.

Geheuchelte Hilfe

Jetzt sind Millionen von Menschen ohne Möglichkeit, von selber zu überleben. Und was tut unsere Regierung? Sie hat vor ein paar Tagen ihre Hilfszusage von 15 Millionen auf 25 Millionen Euro erhöht. Aber das sind immer noch weniger als 2% der jährlichen Kosten des deutschen Einsatzes im „Kampf gegen den Terror“ in Afghanistan! Die USA helfen mit 150 Millionen Dollar. Dasselbekostet die US-Regierung nicht mal einen Tag Krieg in Afghanistan. Diese mickrigen Summen verdienen nur die Bezeichnung „Zugucken und Abwarten“. Dass die Hilfen für Pakistan so lächerlich niedrig ausfallen ist kein Zufall. Die Armut existiert schon lange, aber sie hat die Kapitalisten und ihre Politiker nie interessiert. Zumindest nicht, wenn sich durch eine Verbesserung der Lage nicht sehr viel Geld verdienen ließ (wie in Haiti) und die Menschen in Pakistan und anderswo stillgehalten haben. Erst dadurch, dass sie in ihrer Verzweiflung und Wut beginnen, den Islamisten in der Region zu folgen, kommen die westlichen Regierungen in Bewegung. Für die Menschen dort, wird der Islamismus nichts gutes bringen. Aber im Moment erscheint er ihnen als Alternative zum korrupten Zardari-Regime und der Heuchelei des Westens.


Marx
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