Revolutionär Sozialistische Organisation

Die Rente mit 67 ist auch in drei Jahren noch eine Unverschämtheit

Sonntag 29. August 2010

Es ist nicht lange her, dass die SPD über elf Jahre in Berlin regierte und doch tut sie heute so, als ob alle Angriffe auf die Arbeitenden und Erwerbslosen aus dieser Zeit nichts mit ihr zu tun hätten. Neuerdings greift sie die Verlängerung des Renteneinstiegs auf 67 Jahre an…, den sie selbst erst 2007 mit beschlossen hat. Die SPD argumentiert nun, dass solange weniger als die Hälfte der über 60-jährigen noch eine Arbeit hätten, sei die Rente mit 67 ungerecht. Das war 2007 nicht anders. Je höher das Renteneinstiegsalter desto mehr Rentenabschläge (3,6% pro vorgezogenes Rentenjahr) müssen Arbeitende hinnehmen, die früher in Rente gehen. Gleiches gilt für Erwerbslose, die in dieser Gesellschaft keine Arbeit mehr finden.

Eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit schafft keine neue Arbeit. Außerdem gibt es viele Jobs, in denen die Gesundheit und Kraft der Arbeitenden so ruiniert werden, dass diese eher mit 55 als mit 65 in Rente gehen sollten.

Seit Jahren wird behauptet, dass die Menschen immer älter werden und „wir“ uns deshalb so viele Rentner nicht mehr leisten könnten. 2050 kämen zwei Arbeitende auf einen Rentner. Allerdings hätte man genauso gut 1950 vor dem Jahr 2000 warnen können: Damals waren es 6,9 Arbeitende auf einen Rentner, heute noch 3,3 – ohne dass das Rentensystem zusammenbricht. Was die Zeitungen, Unternehmerverbände und ihre Politiker „vergessen“, ist, dass die Produktivität jedes Arbeiters seit 1950 massiv zugenommen hat und weiter wächst. Wenn die Rente „unbezahlbar“ ist, dann nicht wegen zu vieler alter Menschen, sondern wegen zu vieler Erwerbsloser, zu niedriger Löhne und viel zu hoher Profite. Die Rente mit 67 bleibt Betrug. Und die SPD hat sich keinesfalls von der als „demographisch notwendig“ verklausulierten Rentenkürzung verabschiedet. Sie steht zur Rente mit 67, will diese aber erst drei Jahre später einführen. Das soll dafür sorgen, dass die SPD bei den Wahlen der nächsten Jahre besser abschneidet und ab 2014 wieder in der Regierung sitzt. Da kann sie dann die Rente mit 70 beschließen, die unternehmensnahe Forschungsinstitute schon heute fordern.


Marx
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