Revolutionär Sozialistische Organisation

Revolutionen sind ansteckend!

Sonnabend 5. Februar 2011

Wochen nachdem der tunesische Diktator Ben Ali vor der Revolte der Jugendlichen und Arbeiter geflohen ist, sorgt die Schockwelle der tunesischen Revolution weiter für Aufruhr in der arabischen Welt.

Ein Sturm der Revolte lässt die Diktatoren zittern

Die Revolte hat tiefe Wurzeln in der Bevölkerung und ist getragen vom ehrlichen Wunsch nach Verbesserung des Lebens und nach Demokratie. Schon im Frühjahr 2008 kämpften Bergarbeiter im tunesischen Gafsa gegen 6.000 Entlassungen und starteten eine Welle von Protesten. Im selben Jahr sorgte am 6. April der Streik der Textilarbeiter von Mahalla in Ägypten für Aufsehen. Die Erinnerungen daran sind noch frisch. Viele der Aktivisten sind heute bei den Demonstrationen vorne dabei.

Die Regierungsumbildung in Tunesien Ende Januar war begleitet von einem Generalstreik in der zweitgrößten Stadt Sfax. In vielen Fabriken kommt es zu Sitzstreiks von Arbeitern. In Algerien brodelt es seit Wochen. Am 1. Februar streikten 90.000 Krankenpfleger und Angestellte des Bildungssektors. In Jordanien hat König Abdullah unter dem Druck von Demonstrationen vorsorglich die Regierung rausgeschmissen. Zwei Notfallpakete mit Subventionen für Brot und Benzin in Höhe von 425 Mio. $ sollen den Zorn der Bevölkerung besänftigen. Im Jemen haben 16.000 Demonstranten den Präsidenten Saleh dazu gebracht, auf eine weitere Amtszeit zu verzichten und höhere Löhne und mehr Arbeitsplätze zu versprechen. Der syrische Staatschef Baschar al-Assad sah sich gezwungen, Subventionen für Heizöl zu erhöhen, um die Preise niedrig zu halten.

Die Furcht der Herrschenden ist die Hoffnung der Unterdrückten

Als nächstes ist das Regime von Mubarak in Ägypten dran, das wahrscheinlich gerade seine letzten Stunden erlebt. Noch länger als der Ex-Diktator Ben Ali in Tunesien steht Mubarak scheinbar unerschütterlich seit 30 Jahren an der Spitze des ägyptischen Staates (mehr als zwei Drittel der ägyptischen Bevölkerung ist unter 30 und kennt nur diese Herrschaft). Aber auch mit massiver Repression schafft es Mubarak nicht mehr, den Zorn zu ersticken. Am 1. Februar versammelten sich allein in Kairo 1 Million Menschen. Mubarak und die reiche Unternehmerschicht setzten nun auf bezahlte Schlägertrupps, die auf Kamelen in die Menge ritten, Demonstranten schlugen und mit Maschinenpistolen schossen. Aber die Bevölkerung ist mutig und wütend. Mubarak musste von Rücktritt sprechen. Die ägyptische Bevökerung hat beschlossen nachzuhelfen und für Freitag, den 4. Februar, einen „Tag des Abgangs“ ausgerufen.

Protest als Antwort auf die Krise

Die Probleme und die Hoffnungen der Bevölkerungen sind von Marokko bis Syrien ähnlich. Mit der kapitalistischen Globalisierung sind die Länder dieser Welt zusammengerückt. Es sind immer dieselben Unternehmen, die die Wirtschaft kontrollieren. Sie beuten die Arbeitenden bei uns ebenso aus wie in Nordafrika. Ihnen nützen diese Diktaturen. Verschärft durch die Wirtschaftskrise sind es vor allem soziale Probleme, die den Menschen ihre korrupten diktatorischen Regime so verhasst machen.

Die Unternehmer und die reiche Diktatorenfamilie haben den Ägyptern über Jahrzehnte den Reichtum gestohlen. Hunderttausende arbeiten im Tourismus und in der Industrie zu Billiglöhnen ohne feste Arbeitsverträge. Der Mindestlohn ist nicht der Rede wert. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, vor allem unter der Jugend. Lebensmittel werden immer teurer, eine Folge der Spekulation um Rohstoffe und Nahrungsmittel. Und so ist einer der Slogans auf den Straßen von Kairo: „Brot und Freiheit!

Diese Revolte ist die Antwort der arabischen Bevölkerungen auf die Wirtschaftskrise. Diese Krise wird überall – nördlich und südlich des Mittelmeeres – als Vorwand benutzt, um in die Taschen der Arbeiter und Armen zu greifen. Aber gemeinsam auf der Straße können die Arbeitenden das verhindern.


Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 236688

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Archiv unserer Zeitung  Aktivitäten verfolgen Nr. 46 - Februar 2011   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.29