Revolutionär Sozialistische Organisation

Die Olympiade der Tibet-Heuchelei

Donnerstag 17. April 2008

Die tibetische Bevölkerung wird seit vielen Jahren durch den chinesischen Staat systematisch ausgegrenzt und unterdrückt. Ihre Kultur wird unterdrückt und außerdem sie sind von dem krassen sozialen Wandel in China besonders betroffen. So trifft die hohe Arbeitslosigkeit natürlich viele Millionen Chinesen, aber in den tibetischen Gebieten ist die Situation deutlich schwieriger. Weit über die Hälfte der tibetischen Jugendlichen ist arbeitslos! In den westlichen Industrieländern genießt der Aufstand der Tibeter scheinbar eine Menge Sympathie unter den Mächtigen. Denn sonst würde den Berichten und der Diskussion nicht so viel Platz in den Medien gegeben!

Schon vor Jahren, zur Zeit der Vergabe der Olympiade für 2008, stand es um die Menschenrechtssituation schlecht in China. Damals hatte es niemanden interessiert. Doch was führt die Medien und viele PolitikerInnen wie den französischen Präsidenten Sarkozy oder den US-Präsidenten Bush jetzt dazu, die Menschenrechtsverletzungen des chinesischen Staates im Tibet anzukreiden? Sind sie neuerdings zu Bewahrern der Menschenrechte geworden? Solche Politiker sind Heuchler und falsche Freunde nicht nur der Tibeter, sondern aller Menschen, die gegen soziale und nationale Unterdrückung kämpfen. Sie vertreten die Interessen der Reichen und Mächtigen, für die die Widerstandsbewegungen immer nur Spielbälle waren, welche sie je nach eigenem Interesse unterstützen oder bekämpfen. Genauso gehen sie mit der Situation der Menschenrechte in vielen Ländern um: Sie reden vor allem dann darüber, wenn westliche Interessen vor Ort durchgesetzt werden sollen – so auch in China.

In den nächsten Jahren kann sich eine Auseinandersetzung zwischen der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China und den anderen Industriestaaten zuspitzen. Dabei wird es um die weitere Öffnung des chinesischen Marktes und um die zunehmende Konkurrenz bei der Aufteilung von Rohstoffen gehen wie z.B. in Afrika. Bei dieser Auseinandersetzung kann eine vom Westen unterstützte tibetische Autonomie­bewegung ein zusätzliches Druckmittel sein. Deshalb ist es derzeit in westlichen „Demokratien“ gerne gesehen, wenn sich aufrichtige Menschen über das Unrecht in Tibet öffentlich empören.

Allerdings haben die westlichen Konzerne und ihre Regierungen kein Interesse daran, es sich mit der chinesischen Regierung wirklich zu verscherzen. Dafür laufen die Geschäfte auf dem Rücken der chinesischen Arbeitenden einfach zu gut! So wird eine Absage der Olympiade bisher weder ernsthaft in Erwägung gezogen noch anderer wirklicher Druck ausgeübt. Lieber spricht man vom diplomatisch-nichtssagenden „Wandel durch Annäherung“. So setzt der Westen auch nicht zufällig auf den Dalai Lama, der ein „diplomatischer“ Vertreter der tibetischen Bewegung ist. Viele Tibeter lehnen ihn jedoch ab, weil er ihnen zu zahnlos ist. Denn der Dalai Lama beklagt vor allem die kulturelle Unterdrückung der Tibeter. Zum Thema soziales Elend ist er deutlich zurückhaltender. Dabei ist es dieses soziale Elend, in dem viele Chinesen und Tibeter gleichermaßen leben. Sie werden ausgebeutet und unterdrückt von der Front aus westlichen Konzernen, chinesischer Regierung und den aufstrebenden chinesischen Neureichen. Nicht die Zuflucht zu tibetischen Nationalismus ist der Ausweg, sondern allein das Erkennen dieser Gemeinsamkeit von Chinesen und Tibetern. Soziale Kämpfe in China, an die angeknüpft werden könnte, gibt es schon heute genug. Über sie erfährt man in den großen Medien jedoch so gut wie nichts. Vor dieser Perspektive hätte nicht nur das chinesische Regime Angst, sondern auch die westlichen Konzerne.

Über diese Dinge zu reden ist die richtige Antwort auf die verlogene Diskussion in den Medien, ob die Olympiade stattfinden soll oder nicht. Dass jetzt überhaupt über die Situation geredet wird, dafür hat die tibetische Bevölkerung gesorgt, indem sie aufsteht und ihre Rechte einfordert!


Marx
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