Revolutionär Sozialistische Organisation

Unsere Strahlende Zukunft

Dienstag 12. April 2011

Alle Welt schaut wie gebannt nach Japan. Ein drohender Super-GAU macht uns bewusst, wie gefährlich Atomtechnik ist. Nun könnte man sagen: „Das ist Japan und ganz weit weg.“ Aber ist es bei uns wirklich anders? Werden nicht auch bei uns schrottreife Alt- Meiler weiterbetrieben und die Wartung auf ein Minimum zurückgefahren, weil es für die großen Energiekonzerne einfach mehr Gewinn bedeutet? Vor einem halben Jahr noch erzählten uns Schwarz- Gelb und ihre Freunde der Atomlobby, man könne nicht auf Atomstrom verzichten, weil es sonst in ganz Deutschland dunkel würde. Doch es ginge, wenn man nur wollte. Man müsste nur energiepolitisch in einen Bereich eingreifen, der in unserem heutigen Gesellschaftssystem ein absolutes Tabu darstellt: In die Produktion. Industrie, Handel und Gewerbe verbrauchen nämlich 61 Prozent des Stroms. Dort ließe sich enorm viel Energie einsparen – ohne Verlust an Lebensstandard. Beispiel Werbung: Die Produktion der unzähligen Prospekte und Werbebeilagen könnte sofort gestoppt werden. Leuchtreklame sofort abgestellt werden. Oder Belgien: Dort sind nachts die Autobahnen nur deswegen beleuchtet, weil die Atomkraftwerke Belgiens so viel Strom produzieren, dass man gar nicht weiß wohin damit – denn jedes Land plant und lebt für sich allein. Um energiepolitisch zu einer wirklichen Lösung zu kommen, müssten wir aufhören, uns auf den kapitalistischen Rahmen zu beschränken. Seit Jahrzehnten existieren wirkliche Alternativen zum Atomstrom. Sie werden nur nicht genutzt – weil es nicht profitabel genug für die Unternehmen ist. Die Arbeiter weltweit schaffen größeren Reichtum als je zuvor in der Geschichte, aber diese Mittel stehen für gesellschaftliche Bedürfnisse nicht zur Verfügung, weil das gesamte Wirtschaftsleben dem Profitstreben Einzelner untergeordnet wird. Wir sollten die notwendigen Lehren aus den Katastrophen ziehen, die das kapitalistische System hervorgebracht hat. Die ungeheuren ökonomischen Möglichkeiten der modernen Gesellschaft müssen den Unternehmen aus den Händen genommen und der gesamten Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Rationale Planung der gesamten Gesellschaft sollte an die Stelle der Anarchie des Marktes treten. Es sollte heißen „alle gemeinsam“, statt jeder Staat und jedes Unternehmen für sich. Nur so ließen sich die Bedürfnisse aller Menschen und die der Natur befriedigen und Katastrophen wie in Fukushima vermeiden.

Wovon keiner redet: Die Folgen des Erdbebens in Japan

Die Auswirkungen des Tsunamis, der am 11.März von einem Erdbeben der Stärke 8,9 ausgelöst wurde, sind scheinbar bekannt. Über 10.000 Tote, 20.000 werden noch vermisst, während über 300.000 Japaner in Notunterkünften hausen. Doch während die Wiederaufbauarbeiten noch laufen, ist jetzt schon klar, wer die Kosten für die Folgen des Erdbebens zu tragen hat: die japanischen ArbeiterInnen und die normale Bevölkerung. Denn viele Japaner können sich eine Versicherung gegen Erdbeben nicht leisten. Schon das Kobe-Erdbeben 1995 führte dazu, dass viele arme und alte Menschen vertrieben wurden, weil der Staat die Gelder in Infrastrukturprojekte steckte und die Leute keine Unterstützung erhielten. Und so auch heute. Arbeiter, deren Betriebe vom Tsunami zerstört wurden oder durch das Reaktorunglück in Fukushima radioaktiv verseucht sind, wurden gefeuert. In anderen Regionen müssen zahlreiche Fabriken endgültig schließen und die Arbeiter vieler Zulieferbetriebe sind mit dem Verlust ihrer Jobs konfrontiert. Arbeiter werden ohne Entschädigung für die verlorenen Arbeitstage auf die Straße gesetzt. Denn es gibt die Aufforderung des Arbeitsministeriums an Unternehmen, den Beschäftigten bei Dienstausfällen keine Gehälter zu zahlen. Während die japanische Regierung mit Steuergeldern bereitwillig einspringen wird, um den nun bankrotten Fukushima-Betreiber TEPCO zu unterstützen, muss Otto-Normal- Japaner zusehen, wo er bleibt. Und daher beginnen die Erdbebenopfer sich selbst zu helfen. In den Notunterkünften. werden Verantwortliche für die Verteilung von Lebensmitteln, Hilfeleistungen für alte und schwache Menschen und Reinigungsmaßnahmen gemeinsam demokratisch bestimmt. Auch bei den Spenden für die Notleidenden sind es diejenigen, die selbst kaum etwas haben, die die größten Opfer bringen.


Marx
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