Revolutionär Sozialistische Organisation

Griechenland: Die Unternehmer zocken ab!

Dienstag 21. Juni 2011

Ja, wir haben es schon mehr als einmal gehört. Bild, BZ, Berliner Kurier, Tagesschau und FAZ; Bundesregierung, Landespolitiker und „Wirtschaftsexperten“ machen DIE Griechen für das wirtschaftliche und finanzielle Desaster verantwortlich. Ist ja auch viel einfacher so. Und noch einfacher ist es, über die Massenproteste der griechischen Bevölkerung fast völlig zu schweigen. In den letzten vier Wochen kam es täglich in vielen wichtigen Städten des Landes zu Demonstrationen, an denen Hunderttausende Arbeiter und Arbeitslose, Rentner und Jugendliche auf die Straße gingen, um zu versuchen, das neueste Sparpaket zu verhindern.

IWF, Weltbank und Europäische Zentralbank haben dieses Paket diktiert, damit Griechenland die letzte Tranche aus dem 110 Milliarden-Paket des letzten Jahres erhält. Und wie wir nur zu gut wissen, geben Regierende, Unternehmer und Banker keinen Cent umsonst. Dieses Jahr noch sollen 6,5 Mrd. Euro, im nächstes Jahr weitere 22 Mrd. Euro gespart werden. Staatsfirmen im Wert von 50 Mrd. Euro sollen privatisiert werden, damit sie... von ausländischen Großkonzernen billig aufgekauft werden können. Nach dem Motto: „Alles muss raus.“

Die Bevölkerung ist das Opfer

Postbank, Häfen, Ölraffinerien, Elektrokonzerne, Flughäfen, Autobahnen, Bergbaukonzessionen und vieles andere sollen unter den Hammer kommen. Firmen wie die Deutsche Telekom oder Hochtief, denen schon große Anteile an der griechischen Telekom oder am Athener Flughafen gehören, werden dankbar zugreifen. Was das bedeutet wissen wir nur zu gut. Privatisierung heißt nichts anderes als Stellenabbau, Lohnkürzungen und Arbeitsverdichtung. Welche Folgen dies für die griechische Bevölkerung hat, können wir uns sehr gut vorstellen. Innerhalb eines Jahres verloren die griechischen Arbeiter bereits durchschnittlich 30% ihres Lohnes. Der Mindestlohn der Jugendlichen beträgt bereits heute nur noch 600 Euro und nun soll er noch weiter gesenkt werden. Durchschnittlich verdienen die Arbeitenden nur 1.000 Euro im Monat und haben die gleichen Lebenshaltungskosten wie wir (z. B. 500 Euro Miete) Schon heute liegt die offizielle Arbeitslosenrate bei 16%. Bis Ende 2011 sollen 250.000 Arbeiter des privaten und 150.000 im staatlichen Sektor ihre Arbeit verlieren. Und dies in einem Land, in dem nur 11 Mio. Menschen leben. Umgerechnet auf Deutschland hieße dies, dass fast 3 Mio. Menschen in kürzester Zeit ihre Arbeit verlieren würden...

Selber schuld!?

Das ist einfach gesagt und noch einfacher durch deutsche Politiker und ihre Hofmedien verbreitet. Doch dieses Märchen vom „faulen Griechen“ ist genauso wahr wie das Märchen von den „faulen Ossis“ oder den „faulen Arbeitslosen“. Damit sollen wir hier in Deutschland nicht mehr nachfühlen können, welch menschliche Tragödien sich in den letzten Monaten in Griechenland abspielen und uns nicht solidarisch fühlen mit den Menschen, die die Wirtschaftskrise nicht zu verantworten haben.

Aber sie zahlen doch ihre Steuern nicht!?

Angeblich sind die Griechen ja alles nur Steuerhinterzieher. Doch wer sind diese Steuerhinterzieher? 2009 fehlten den griechischen Kassen 20 bis 30 Mrd. Euro. Aber das waren nicht die Arbeiter oder Arbeitslosen, denen die Steuern vom Lohn abgezogen werden und welche die steigenden Mehrwert- oder Tabaksteuern tagtäglich zahlen müssen. Nein, das waren in erster Linie die Reichen, mit samt ihren Großunternehmen, die sich jeglicher gesellschaftlicher Verantwortung entzogen haben. Es sind die reichen Reeder, die ihr Vermögen in Finanzparadiese verschoben haben, es ist die Onassis-Familie, die allein 2,45 Mrd. Euro auf Schweizer Banken liegen hat oder der Latsis-Clan, der 5 Mrd. Euro in der Alpenrepublik parkt. Es sind die 6.000 griechischen Großunternehmen, die allein 15 Mrd. Euro ins Ausland geschafft haben... Jeder normale Mensch mit Verstand würde diese Firmen belangen, um sie die griechische Krise bezahlen zu lassen. Schließlich beläuft sich das Vermögen der griechischen Unternehmer auf 600 Mrd. Euro. Aber die griechische Regierung sieht das nicht so und auch nicht die internationalen Organisationen.

Wir sitzen mit der griechischen Bevölkerung in einem Boot

Griechenland ist nur pleite, weil das Land Zinsen und Zinseszinsen zahlen muss. Würden heute diese Zahlungen eingestellt, dann hätte Griechenland einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Es könnte mit seinen Steuereinnahmen (vorausgesetzt sie würden von den Konzernen gezahlt) seine Ausgaben decken. Doch bei diesem Gedanken gehen die griechischen und internationalen Banker und ihre Aktionäre an die Decke. Stattdessen wird die griechische Bevölkerung immer weiter geschröpft. Das ist nicht anders als hier in Deutschland. Wenn Berlin nicht jeden Tag 6 Mio. Zinsen an die Banken zahlen würde, dann hätten wir genug Geld, um Krankenhäuser, Schulen und Bibliotheken zu finanzieren. Wir könnten einstellen, höhere Löhne zahlen und die Arbeitsbelastung senken. Das, was in Griechenland heute passiert, ist der absolute Ausverkauf eines Landes zugunsten europäischer Banken und Konzerne. Das Geld, das aus den europäischen Kassen genommen wird, gelangt direkt wieder in die Taschen der Aktionäre. Kein Cent wird die griechische Bevölkerung erhalten. Daher: Schluss mit den radikalen Kürzungen. Schluss mit dem Diktat von IWF, Weltbank und Europäischer Zentralbank. Schluss mit dem Verscherbeln der griechischen Staatsfirmen an deutsche, französische oder andere europäische Firmen.


Marx
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