Revolutionär Sozialistische Organisation

Wenn Gewerkschaften gekauft sind…

Dienstag 22. April 2008

Für Unternehmen sind kämpferische Gewerkschafter ein Problem. Manche setzen auf Schikane und versuchen, Gewerkschaften komplett rauszuhalten. Andere haben den Wert von „vernünftigen“ Gewerkschaften erkannt. Da werden Gewerkschafter mit überhöhten Gehältern und Lustreisen geködert, wie beispielsweise IGMetaller bei VW. Oder gleich eine unternehmenstreue Gewerkschaft aufgezogen, wie die AUB bei Siemens.

Als die privaten Briefzusteller wie die PIN AG letztes Jahr Ärger mit verdi hatten und den angeblich viel zu hohen Post-Mindestlohn nicht verhindern konnten, entschlossen sie sich, eine handzahme „Gewerkschaft“ zu basteln und mit ihrer Hilfe den Post-Mindestlohn auszuhebeln. 25.000 € soll der Geschäftsführer der neuen Gewerkschaft GNBZ monatlich von der PIN AG bekommen haben sowie Geld für Computer und Räume. Die Gewerkschaftsmitglieder fand man unter den kleinen Chefs, den Depotleitern und Leitern der Produktion.

Nur 2 Monate nach der Gründung schloss die GNBZ im Dezember einen Tarifvertrag über Mindestlöhne ab: zwischen 6,50 und 7,50 € sollen Briefzusteller bekommen. Ein Hungerlohn. Die positive Berichterstattung organisierte jedoch die Bild-Zeitung. Kein Wunder, gehört die Bild-Zeitung genauso wie die PIN AG dem gleichen Aktionär, nämlich dem Axel-Springer-Verlag. Der Chef des Arbeitgeberverbandes der privaten Briefzusteller ist nebenbei auch noch Berater eines privaten Wirtschaftsforschungsinstituts, das seit Jahren mit wissenschaftlichen Gutachten gegen Mindestlöhne wettert. Im März kippte schließlich das Berliner Verwaltungsgericht den höheren verdi-Mindestlohn... weil es ja noch einen anderen Mindestlohntarifvertrag gäbe.

Es ist geradezu kriminell, was die Unternehmen treiben, um sich Gewerkschaften, Betriebsräte und Wissenschaftler zu kaufen; mit Geld, dass die Beschäftigten hart erarbeitet haben. Damit können sie nicht nur Unternehmensinteressen sicherstellen. Sie ziehen dabei auch die Notwendigkeit echter gewerkschaftlicher Organisierung in den Dreck. Doch strafrechtlich wird das kaum Folgen haben, denn die Staatsanwaltschaft verweigert bisher Ermittlungen gegen die privaten Briefzusteller.


Marx
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