Revolutionär Sozialistische Organisation

Streik an der Charité in Berlin - zwei Belegschaften ein Kampf!?

Montag 6. Juni 2011

Am 2. Mai begann an der Charité, dem größten Krankenhaus Deutschlands mit 15.000 Beschäftigten, ein Streik, der nach einer Woche durch die Gewerkschaftsfunktionäre in zwei Lager gespalten wurde. Was war geschehen?

Das Pflegepersonal war für höhere Löhne in den Streik getreten. Gleichzeitig begann ein Streik bei der Tochterfirma CFM. 2006 hatte die Charité den größten Teil der Bereiche Logistik, Reinigung, Reparatur, Krankentransport, Küche, Wachschutz, etc. in die CFM ausgelagert, wo deutlich niedrigere Löhne gezahlt werden und wo es weniger Urlaubstage und weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld gibt. Für die 2.000 Arbeiter der CFM existiert nicht einmal ein Tarifvertrag, was zur Folge hat, dass alle zu unterschiedlichen Konditionen eingestellt sind. Zusätzlich arbeiten in diesen Bereichen 2.500 Arbeiter, die noch von der Charité angestellt sind, weil sie länger als seit 2006 dabei sind.

Der Streik wurde gemeinsam begonnen und die Gewerkschaftsfunktionäre verbreiteten die Idee, dass solange gemeinsam gestreikt würde, bis auch die Beschäftigten der CFM endlich einen Tarifvertrag bekämen.

Und dieser Streik lief gut

Glaubten noch vor kurzem Viele, dass im Krankenhaussektor nicht gestreikt werden könne, so haben sie sich selbst eines Besseren belehrt. Die Stationen leerten sich von Tag zu Tag und die Charité kostete jeder Tag 1 Million (!) Euro. Und auch die CFM-Chefs jammerten: „Hoffentlich streiken die nicht nächste Woche weiter, wir haben kein Personal mehr.“

Das böse Erwachen kam am Freitag (6. Mai). Gewerkschaftsfunktionäre hatten am Tag zuvor ein Angebot für die Charité- Beschäftigten erhalten. Auf Versammlungen an allen drei Standorten machten die Gewerkschaftsfunktionäre Druck auf die Streikenden der Charité, ihren Streik „auszusetzen“. Dabei machten sie den Kollegen Angst vor den Folgen eines weiteren Streiks und verschwiegen absichtlich, dass in Steglitz eine große Mehrheit für die Fortsetzung gestimmt hatte. Letztlich setzten sie sich durch und der Streik wurde ausgesetzt.

Die Gewerkschaften brachen die Solidarität

Für die CFM-Beschäftigten war dies ein harter Schlag, der auch Tränen fließen ließ. Denn alleine weiter streiken hieß, mit weniger Effekt zu streiken. Und dennoch machten die CFM-Kollegen weiter und zwar mit mehr Energie als zuvor. Obwohl sie in manchen Bereichen massiv unter Druck gesetzt und mit Entlassungen bedroht wurden, streikten von ihnen von Tag zu Tag mehr. Auch Kollegen mit Altverträgen traten in den Solidaritätsstreik. Die Streikenden schafften es, im Gespräch weitere Kollegen zu überzeugen sich anzuschließen. Die Streikfront wuchs. Am Freitag, den 13. Mai, gab es eine Demonstration mit bombastischer Stimmung. Aus den Fenstern des Krankenhauses klatschten Ärzte und Pfleger. Die Touristen zückten ihre Fotoapparate. Die Motivation der Streikenden war auf einem Höhepunkt...

Und erneut ein Manöver der Funktionäre

Doch am nächsten Tag, brachen verdi und dbb den Streik ab – diesmal sogar ganz ohne Abstimmung der Streikenden. Die CFM hatte Gespräche zugesagt, ohne ein konkretes Angebot. Die Streikenden wurden benachrichtigt, dass sie am Sonntag wieder zur Arbeit müssten. Seither werden die Beschäftigten der CFM von Woche zu Woche vertröstet. Es gibt Verhandlungen, aber nichts Genaues weiß man nicht. Am 9. Juni wollen die Gewerkschaften sie informieren...

(2. Juni 2011)


Und dennoch war dieser Streik an der Charité nicht umsonst. Fünf Tage Streik der Charité-Beschäftigten hat letztlich zu enormen Zugeständnissen der Charité-Leitung geführt:

• 150 Euro Erhöhung ab Juli 2011 und 300 Euro Einmalzahlung

• Stufenweise Erhöhung des Lohns bis Ende 2014 um 300 Euro.

• Zulage von 30 Euro, wenn Beschäftigte an ihrem freien Tag zur Arbeit kommen.

• Beginn der Nachtarbeitszuschläge ab 21 Uhr statt 22 Uhr im Bereitschaftsdienst.

• Volle Wechselschichtzulagen auch für Teilzeitbeschäftigte.

• Auszubildende erhalten das gleiche Geld wie die Auszubildenden des Öffentlichen Dienstes.

• 100 %ige Angleichung der Jahressonderzahlung für die Ost-Kollegen ab 2012.

• Ost-Kollegen erhalten den gleichen Kündigungsschutz wie ihre West-Kollegen.

• und vieles mehr.

• Jedoch: Laufzeit bis 2016 (d. h. Friedenspflicht).

Was wäre nicht alles drin gewesen, wenn der Streik weiter gegangen wäre...


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